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Bayer 04 Leverkusen: Drei Lehren aus dem Spiel in München

Bayer offenbart Schwächen : Drei Lehren aus dem Spiel in München

Das 0:2 gegen den FC Bayern hat Schwächen der Werkself offenbart, die einem erfolgreichen Endspurt in der Liga im Weg stehen können. Interimstrainer Hannes Wolf und die Mannschaft sind nun gefordert, das letzte verbleibende Saisonziel zu sichern.

Als die Profis der Werkself mit hängenden Köpfen vom Münchner Rasen trotteten, wurde ihnen wohl spätestens klar: Das war viel zu wenig. Entsprechend kritisch gingen unter anderem Sven Bender und Lukas Hradecky mit sich und der Leistung der Mannschaft ins Gericht. Die 0:2-Niederlage wirft weniger wegen des Ergebnisses, sondern wegen ihrer Art und Weise Fragen auf. Drei Punkte stachen dabei besonders hervor.


Spielweise Die Werkself agierte in München gehemmt und war in den ersten 45 Minuten zu keinem Zeitpunkt in der Lage, dem Rekordmeister Paroli zu bieten. Das besserte sich im zweiten Durchgang nach den Umstellungen durch Interimstrainer Hannes Wolf. Doch insgesamt kam zu keinem Zeitpunkt das Gefühl auf, dass Leverkusen gegen die eher verwaltenden als gestaltenden Bayern doch noch ein Coup gelingen könnte.

Stabilität und Sicherheit sind hohe Güter im Fußball, aber nicht die einzigen. Bayer überließ den Gastgebern bereitwillig die Initiative, hatte wie schon gegen Köln deutlich weniger Ballbesitz und konnte abgesehen von Kontern kaum offensive Akzente setzen. Unter Wolf präsentiert sich Leverkusen abwartend und vertraut mehr auf individuelle Klasse als auf einen klaren Angriffsplan. Das mag gegen Teams aus dem Tabellenkeller funktionieren, aber eher nicht gegen die aus der Spitzengruppe, zu denen auch Bayer dem Selbstverständnis nach eigentlich gehört.

Tabelle Zwölf Punkte sind bestenfalls noch zu holen. Mit dann 59 Zählern wäre Bayer 04 in der vergangenen Saison Sechster geworden. Auch in diesem Jahr würde diese Punkteausbeute mit Blick auf das Restprogramm der Top-Teams unter Umständen nur für den sechsten Platz reichen. Das heißt, selbst wenn Leverkusen sowohl Frankfurt, Bremen, Union Berlin und Dortmund schlagen sollte, erscheint der Sprung auf einen vor der Saison angepeilten Rang in die Top Vier abwegig.

Wolf hat das Thema Königsklasse abgehakt. „Nach vorne zu schauen, macht keinen Sinn“, sagte er. Jetzt gehe es darum, weitere Punkte zu sammeln, um auch kommende Saison europäisch zu spielen und „die Europa League zu sichern. Die Punkte, die wir jetzt haben, reichen nicht.“ Der Vorsprung auf die Verfolger Gladbach und Union Berlin beträgt jeweils vier Punkte, sieben sind es auf den Neunten Freiburg. Der Fünfte Dortmund, der aktuell den letzten gesicherten Europa-League-Platz besetzt, ist fünf Zähler voraus. Stand jetzt würde Leverkusen kommende Saison in der neu geschaffenen Conference League antreten.

Fokus Die Selbstkritik von Sven Bender und Lukas Hradecky nach dem 0:2 war bemerkenswert klar. Beide beklagten, dass Bayer der Wille gefehlt habe, in München „am Anschlag“ zu spielen, wie es der Abwehrchef umschrieb. „Wir waren einfach zu weich“, sagte der Schlussmann. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Leverkusen seinen Fokus nicht über 90 Minuten halten kann. Das war schon unter Wolfs Vorgänger Bosz auffällig.

In bitterer Erinnerung sind zum Beispiel die ersten Halbzeiten bei den Young Boys Bern (0:3) und Hertha BSC (0:3) sowie die Schlussminuten im Pokal bei RW Essen (1:2), gegen Mainz (2:2) oder bei Union Berlin (0:1). Nun kommt die erste Viertelstunde bei den Bayern hinzu, nach der es bereits 0:2 stand. Das ist eine Schwäche, die Bayer dringend abstellen muss, wenn der Endspurt in der Liga gut enden soll. Eine mutmachende Botschaft hatte der kritische Hradecky in Sachen Europapokal aber ebenfalls parat: „Noch haben wir alles in der eigenen Hand.“