Bayer 04 Leverkusen: Die selbstbewussten Jungs vom Rhein

Bayer 04 hat große Ziele: Die selbstbewussten Jungs vom Rhein

Aus Leverkusen sind ziemlich ambitionierte Töne zu hören. „Es gibt kein Limit“, sagt zum Beispiel Mittelfeldspieler Leon Bailey. Die Mannschaft hat sich das Selbstbewusstsein erarbeitet.

Sechs Mal hieß der Deutsche Meister zuletzt Bayern München. Wer behauptet, dass die Bundesliga stinkelangweilig ist, dem kann man nicht viel vorwerfen. Zuletzt wurden die Bayern sogar dann Meister, wenn sie eine eher durchwachsene Saison spielten. Wie in der vergangenen zum Beispiel, als Jupp Heynckes auf höchstem Niveau den Feuerwehrmann spielen musste.

So mancher Experte forderte angesichts der Münchner Dominanz von den übrigen Bundesligisten mehr Mut; einer solle Mal die Bayern herausfordern und zum Angriff blasen. Erwarten würde man solche Töne aus Leipzig, Dortmund oder Schalke 04, Zweiter in der vergangenen Saison. Dort aber ist es still. Die Ansagen kommen von dort, woher man sie nicht erwartet: aus Leverkusen. Auffällig ist, wie viele Spieler sich äußern.

„Es gibt kein Limit“, sagt Mittelfeldspieler Leon Bailey. Nun kann man dem jungen Jamaikaner unterstellen, dass er unerfahren ist - und sich vielleicht etwas aus dem Fenster lehnt. Dazu hat Bailey einen Hang. Als er noch in Belgien spielte, machte er sich einmal im Internet über einen Profiboxer in einem Snapchat-Video lustig. Der drohte ihm daraufhin prompt Prügel an. Ähnliche Ansagen wie der Jamaikaner machen bei den Leverkusenern aber auch erfahrenere Spieler. Zum Beispiel Lars Bender. Im Interview mit unserer Redaktion sagte der Kapitän: „Für mich ist es weiter ein großes Ziel, mit Bayer 04 einen Titel zu gewinnen.“ Mitchell Weiser, Jonathan Tah und Julian Brandt äußerten sich schon einmal ähnlich optimistisch. „Alle hier brennen auf einen Titel, sagt Weiser. In Leverkusen ist eine Euphorie entstanden.

Trainer Heiko Herrlich hat es geschafft, aus der jungen Leverkusener Mannschaft einen verschworenen Haufen zu machen. Selbstbewusst darf die Mannschaft sein. In der vergangenen Saison schaffte die Werkself 55 Punkte und wurde Fünfter. Nach der schwierigen Spielzeit zuvor unter Roger Schmidt und Tayfun Korkut, in der die Qualifikation für das internationale Geschäft nicht gelang, hatten die Leverkusener einige ihrer Top-Leute ziehen lassen müssen. Der mexikanische WM-Teilnehmer Chicharito verließ den Verein in Richtung Premier League und unterschrieb bei West Ham United. Hakan Calhanoglu schloss sich dem AC Mailand an. Beide waren Leistungsträger der Werkself gewesen.

In der Saison danach spielte sich die stark verjüngte Mannschaft ins internationale Geschäft zurück. Das Selbstvertrauen hat sich die Mannschaft erarbeitet. „Auch wenn wir nur Fünfter geworden sind, hatten wir genau so viele Punkte wie der Dritte. Wir wollen um den Titel mitspielen“, sagt Leon Bailey.

Ob die Ambitionen der Werkself realistisch sind, ist eine andere Frage. Arbeit jedenfalls gibt es genug. Trainer Heiko Herrlich vermisste nach dem 1:0-Testspielsieg gegen Al Wahda Mekka die „Killermentalität“ bei seiner Truppe. Um Titel zu holen, wäre die ganz gut.