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Bayer 04 Leverkusen: Die Probleme liegen im Endspurt

Späte Gegentore : Werkself hat Probleme im Endspurt

Das 2:2 gegen den abstiegsbedrohten FSV Mainz war nicht das erste Mal, dass Bayer 04 einen wahrscheinlichen Erfolg aus der Hand gegeben hat. Die Tendenz, in den Schlussminuten Siege zu verspielen, begleitet die Mannschaft seit Wochen.

Als Robert Glatzel in der 89. Minute den Anschlusstreffer für Mainz erzielte, dürfte es in Peter Bosz gebrodelt haben. Fast die komplette zweite Halbzeit hatte der Trainer der Werkself bereits zusehen müssen, wie seine Mannschaft nach und nach die Kontrolle über den Gegner verlor, Fehler an Fehler reihte und sich eine Abwehrschlacht aufzwingen ließ. Selbst als Patrik Schick spät das 2:0 für Bayer erzielte, war von Sicherheit oder Souveränität keine Spur mehr. Dass dann drei Minuten nach Glatzels Streich auch noch Kevin Stöger zum 2:2-Endstand traf, dürfte Bosz nicht nur wütend, sondern auch fassungslos gemacht haben.

Sven Bender, der nach seiner langen Verletzungspause eingewechselt wurde und durch seine Fehler großen Anteil am Last-Minute-Ausgleich hatte, fiel dazu nur eine altbekannte Phrase ein: „Das Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter abpfeift“, sagte der 31-Jährige zerknirscht. „Wir haben in den letzten Minuten zwei Kisten gekriegt und das ist schwierig zu erklären“. Mainz habe viel Druck gemacht und sei gierig auf die Tore gewesen. „Am Ende ist das Ergebnis verdient“, räumte der Innenverteidiger ein. „Wir haben das bekommen, was wir uns in der zweiten Halbzeit im negativen Sinne erarbeitet haben.“

Doch woran liegt das? Zum einen hat Bayer es nicht hinbekommen, kompakt als Team zu agieren. Die Räume zwischen den Mannschaftsteilen waren groß, Mainz presste stark, eroberte gefühlt jeden zweiten Ball und spielte die Werkself streckenweise her. Entlastungansgriffe gelangen kaum noch – und doch nutzte Schick einen davon zum 2:0, das immer noch keine Sicherheit gab. „So kam ein wildes Spiel zustande“, sagte Bender.

Ein Grund mögen die vielen Auswechslungen in den zweiten 45 Minuten sein. Bosz musste zur Halbzeit Schlussmann Lukas Hradecky mit Fersenproblemen austauschen, dann schöpfte er sein Wechselkontigent voll aus und brachte noch Sven Bender, Nadiem Amiri, Demarai Gray und Schick in die zunehmend strukturlose Partie. Die Werkself hatte danach sichtlich Probleme, defensiv ihre Ordnung zu halten – zumal auch das Mittelfeld um Kerem Demirbay und Charles Aránguiz eher Problem als Lösung war.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bayer sich in den Schlussminuten um den Ertrag seiner Mühen bringt. Allmählich verstetigt sich der besorgniserregende Trend, Spiele aus der Hand zu geben, sobald sich der Schlusspfiff nähert. Ein Beispiel ist das 1:2 vor der Winterpause gegen Bayern München. Sekunden vor dem Schlusspfiff verpasste Robert Lewandowski Leverkusen mit dem Siegtreffer eine kalte Dusche. Mit einem Remis wären Bosz und seine Spieler als „Weihnachtsmeister“ in die Pause gegangen.

Im neuen Jahr verlor die Werkself spät 0:1 bei Union Berlin, gab im Pokal beim Viertligisten Rot-Weiss Essen in der Verlängerung die Führung aus der Hand und verlor 1:2, und ließ sich nun zu vorangeschrittener Spieldauer vom Vorletzten Mainz düpieren. Dass so das große Saisonziel Champions League akut gefährdet ist, dürfte klar sein. Denn die Konkurrenz schläft – im Gegensatz zu Bayer – nicht.

Entsprechend angefressen war Bosz nach dem Schlusspfiff. „Ich bin richtig sauer auf unsere Leistung. Das war das schlechteste Spiel von uns, das ich gesehen habe. Mit all unserer Erfahrung dürfen wir eine 2:0-Führung in der 85. Minute nicht mehr aus der Hand geben.“ Sicher habe sich der Niederländer zu keinem Zeitpunkt gefühlt. „Wir haben es schlecht gemacht und deswegen geht das Ergebnis in Ordnung.“