Bayer 04 Leverkusen: Die Niederlage gegen Bremen ist ein harter Rückschlag

Frust nach dem 1:3 am Sonntag : Katerstimmung im Lager der Werkself

Gegen Bremen hat die Mannschaft von Trainer Peter Bosz ein „Big Point“-Spiel verloren. Die Reaktionen auf die schwache erste Halbzeit pendelten zwischen Ärger und Trotz. Fest steht: Das 1:3 tut nicht nur tabellarisch richtig weh.

Als Leon Bailey in der 75. Minute zum Freistoß antrat, lag es bereits seit einer halben Stunde in der Luft, dass bald ein Tor fallen würde. Bayer 04 erzeugte nach der Halbzeit dauerhaft Druck, spielte griffig sowie energisch und rannte wütend gegen Werder Bremens Abwehrbollwerk an. Doch die Angriffswellen verpufften spätestens im gegnerischen Strafraum – und der 0:2-Rückstand zur Pause wurde von Minute zu Minute ärgerlicher. Dann kam der Jamaikaner und beförderte den ruhenden Ball sehenswert ins Tor. Nach dem längst überfälligen Anschlusstreffer ging es 15 Minuten lang ähnlich einseitig weiter, doch am Ende besiegelte Werders Max Kruse mit seinem Tor nach einem Konter die 1:3-Niederlage der Werkself.

Wie konnte das passieren? Die Antwort ist relativ einfach: In den ersten 45 Minuten zeigte Bayer die wohl schlechteste Leistung, seit Trainer Peter Bosz im Amt ist. Die Werkself leistete sich viele Ballverluste, stand defensiv schlecht und erzeugte selten ernsthafte Torgefahr. „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren“, sagte Bailey. „Das war absolut gar nichts.“ Nach dem Wiederanpfiff sei es dann natürlich extrem schwierig gewesen, gegen ein gut verteidigendes Team wie Bremen zurückzukommen. „Wir haben zwar viel Druck aufgebaut, doch leider haben wir es nicht geschafft, früher ein Tor zu erzielen. Hätten wir die erste wie die zweite Halbzeit gespielt, hätten sie keine Chance gehabt, das Spiel zu gewinnen.“ Er und seine Teamkollegen hätten es verpasst, ihre Qualität über 90 Minuten zu zeigen.

Das ist ein altbekanntes Phänomen in Leverkusen, das sich auch in der Tabelle manifestiert hat. Mit 42 Punkten geht Bayer 04 als Sechster in die Länderspielpause, die am 29. März mit dem Gastspiel in Hoffenheim endet. Da Frankfurt gewonnen und Mönchengladbach zumindest einen Punkt geholt hat, ist Rang vier wieder ein Stück weiter entfernt. Zu allem Überfluss ist nun auch Bremen wieder voll im Rennen um die Europa-League-Plätze. Und dann ist da ja auch noch der punktgleiche VfL Wolfsburg. Kurz gesagt: Bayer hat gegen die Nordlichter gleich zwei Ziele verfehlt. Die Lücke nach oben ist größer, der Abstand nach unten kleiner geworden. „Wir haben uns in eine schwierige Lage gebracht“, konstatierte Bailey.

Kapitän Lars Bender, der nach seinem auskurierten Faserriss wieder in der Startelf stand, war ebenfalls bedient. „Die zweite Halbzeit war sehr gut, aber da lagen wir eben schon 0:2 hinten“, sagte er. Es sei ein „unrunder Auftritt“ gewesen. „Es nervt und ärgert mich, dass wir verloren haben“, betonte Bender. Sein Ziel für den Endspurt in der Saison: „Immer so spielen, wie in der zweiten Halbzeit.“

Ähnlich sah es Kevin Volland. Er und seine Teamkollegen hätten es Bremen zunächst viel zu einfach gemacht, beschrieb der Angreifer den 45-minütigen Rückfall in sportlich schwierige Zeiten. Auch Bosz hat es offenbar noch nicht geschafft, der Werkself ihren notorischen Wankelmut auszutreiben. Bremen reichte ein konterbasierter Matchplan, um Bayers Nachlässigkeit auszunutzen und die drei Punkte einzufahren. Für die Tabelle wäre ein Sieg extrem wichtig gewesen, betonte Volland und fügte beinahe trotzig hinzu: „Wir haben noch acht Spiele. Es ist nichts verloren. Wir glauben daran, dass wir noch einen Champions-League-Platz schaffen können.“ Nun gelte es aber zunächst, die Europa League zu sichern.

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