Verletzungspech und Formschwächen Bayers Problemzone ist hinten rechts

Leverkusen · Jonathan Tah ist der neunte Profi im Kader von Bayer Leverkusen, der in dieser Saison die Position des rechten Verteidigers übernommen hat. Dass er die Aufgabe gut erledigt hat, täuscht nicht über den Handlungsbedarf hinweg.

Jonathan Tah machte gegen Frankfurt eine gute Figur als Aushilfs-Rechtsverteidiger.

Jonathan Tah machte gegen Frankfurt eine gute Figur als Aushilfs-Rechtsverteidiger.

Foto: imago images/Laci Perenyi/Laci Perenyi

Jonathan Tah war nach dem Sieg gegen Frankfurt bester Laune. Grinsend erklärte er, wie ihm das Kunststück gelang, Eintrachts Vorlagenkönig Filip Kostic weitgehend aus dem Spiel zu nehmen. Der Serbe konnte seinen bislang beeindruckenden 15 Vorbereitungen in der Liga in Leverkusen keine weiteren hinzufügen und war im Grunde abgemeldet. „Ich habe mir natürlich vorher angeschaut, was er so macht und die Jungs haben mich unterstützt, versucht mir zu helfen und von hinten zu coachen. Der Plan ist aufgegangen“, sagte Tah, der in der für ihn völlig ungewohnten Position des rechten Verteidigers überzeugte. „Ich habe gemerkt, dass ich einen neuen Skill gelernt habe. Das freut mich.“

Dazu hat der 25-jährige Nationalspieler auch allen Grund. Bislang war Tah festgenagelt auf die Rolle des Innenverteidigers. Nun hat er gezeigt, dass mehr in ihm steckt. Trainer Hannes Wolf vertraute darauf, dass der gebürtige Hamburger der ungewohnten Aufgabe gewachsen ist. Es war allerdings auch eine aus der Not geborene Lösung.

Neun Spieler haben in dieser Saison bereits Rechtsverteidiger bei Bayer gespielt. Hauptgrund dafür ist das Verletzungspech. Santiago Arias, der von Atlético Madrid ausgeliehen wurde, zog sich wenige Wochen nach dem Wechsel im Länderspiel mit Kolumbien gegen Venezuela einen Wadenbeinbruch nebst diverser Bänderverletzungen zu. Seit Anfang Oktober fehlt er – und es sieht nicht so aus, als würde er in dieser Saison auf den Platz zurückkehren. Dass Leverkusen die Kaufoption zieht, gilt als extrem unwahrscheinlich.

Lars Bender fehlt seit Ende Januar mit einer Meniskusverletzung, hatte aber auch davor immer wieder Blessuren. Er beendet nach der Saison gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Sven seine Karriere. Im Winter legte der Werksklub nach und verpflichtete Timothy Fosu-Mensah von Manchester United. Nach ordentlichen ersten Einsätzen für Leverksuen erlitt er beim 1:2 gegen Freiburg Ende Februar einen Kreuzbandriss. Und dann ist da noch Mitchell Weiser, der unter Wolfs Vorgänger Peter Bosz kaum zum Einsatz kam, im Januar einen Faserriss im Oberschenkel erlitt und seit seiner Genesung Ende Februar noch keine Minute auf dem Platz stand. Sein Vertrag läuft bis 2023, doch es wäre wohl in seinem sportlichen Interesse, wenn er sich einen neuen Klub sucht.

Tin Jedvaj, Aleksandar Dragovic sowie die eher offensiv gepolten Jeremie Frimpong und Karim Bellarabi versuchten sich in dieser Saison zudem hinten rechts – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Zuletzt war es Tah, der die Rolle übernahm. Doch ob der 25-Jährige auch kommende Saison noch das Trikot der Werkself trägt, ist fraglich. Er hat bereits bei verschieden Gelegenheiten mit einem Wechsel kokettiert.

Es besteht also Handlungsbedarf. Doch gute und bezahlbare Außenverteidiger sind rar. In den vergangenen Wochen kursierten einige Namen, die als potenzielle Zugänge gehandelt wurden. Marvin Friedrich (25) von Union Berlin ist einer davon. Doch der ist eigentlich Innenverteidiger, der nur ab und an auf der rechten Seite spielt. Gleiches gilt für Odilan Kossounou (20) vom FC Brügge, an dem Bayer interessiert sein soll. Becir Omeragic (19), der beim FC Zürich ebenfalls auf beiden Positionen spielt, ist ein weiterer Kandidat, doch auch Mönchengladbach und Wolfsburg sollen bereits ihre Fühler nach ihm ausgestreckt haben – unter anderem.

Drei Spieltage sind es noch bis zum Saisonende. Das Problem hinten rechts lässt sich so lange provisorisch lösen. Wolf dürfte froh sein, in Tah um eine Option reicher zu sein. Doch die Suche nach einer Dauerlösung läuft.

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