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Bayer 04 Leverkusen: Das Verletzungspech bleibt der Werkself treu

Viele Ausfälle : Das Verletzungspech bleibt Bayer 04 treu

Die Werkself hat in dieser Saison extrem viele Ausfälle zu beklagen. Trainer Peter Bosz hat diese Situation angesichts des dicht gestaffelten Spielplans vorhergesagt. Doch Belastung ist nicht der einzige Grund für die Misere.

Ein Experte für Körpersprache war nicht notwendig, um die Gefühlslage von Julian Baumgartlinger zu erkennen. In der 80. Minute blieb der Österreicher nach einem Zweikampf am Boden liegen und fasste sich ans vorab verdrehte Knie. Binnen Sekunden richtete er seinen Blick Richtung Trainer Peter Bosz und signalisierte kopfschüttelnd, dass es nicht mehr weitergeht. Baumgartlinger krümmte sich vor Schmerzen, schlug auf den Rasen und humpelte gestützt von zwei Betreuern vom Platz. Wenige Minuten nach seiner Einwechslung war sein Arbeitstag beendet.

Am Sonntag folgte nach dem 0:1 gegen Wolfsburg die nächste bittere Gewissheit des Wochenendes. Der Werksklub teilte mit, dass Verdacht auf eine schwere Knieverletzung bestehe. Der Mittelfeldstratege werde einen Münchner Experten konsultieren. „So soll endgültige Klarheit über die Art und Schwere der Verletzung geschaffen werden“, heißt es in der Mitteilung. Bayer 04 befürchte einen „längerfristigen Ausfall“ des in der Hinrunde oft stark spielenden Österreichers.

Er ist inzwischen der 18. Spieler im Kader, der Aufgrund von Verletzungen, Quarantäneregeln oder Coronainfektion mindestens eine Partie verpasst hat oder noch verpassen wird. Die bisherige Ausfallliste ist eine Chronik des Grauens. Es gab Spieltage, an denen Bosz die Ersatzbank nicht vollständig besetzen konnte – zum Beispiel Ende November gegen Hertha BSC (0:0). Der Niederländer hatte die Notlage vorhergesehen. Bereits vor der Saison sagte er mit Blick auf den eng getakteten Spielplan, dass mit vielen Verletzungen zu rechnen sei.

Doch die Dauerbelastung ist nicht die einzige Ursache für die Misere. Angefangen hat es im Sommer 2020. Kurz vor dem Pokalfinale gegen den FC Bayern riss Paulinho im Training das Kreuzband. Atlético-Madrid-Leihgabe Santiago Arias verletzte sich bei einer Länderspielreise mit Kolumbien im Oktober dann so schwer, dass bis heute fraglich ist, ob er bis zum Saisonende überhaupt noch für die Werskelf spielen kann. Unter anderem brach sich der Rechtsverteidiger das Wadenbein und riss sich diverse Bänder im betroffenen Sprunggelenk.

Etwa zum gleichen Zeitpunkt konnte Königstransfer Patrik Schick mehrere Wochen nicht mitwirken, weil er sich am 3. Spieltag in Stuttgart einen Faserriss zuzog und aktuell wegen Fußproblemen raus ist. Hinzu kommt Kapitän Charles Aránguiz, der von einer Länderspielreise mit Chile mit Achillessehnenproblemen zurückkehrte, es am 4. Spieltag in Mainz nochmal versuchte, dann aber monatelang passen musste. Erst Mitte Januar kehrte der 31-Jährige zurück. Bei Exequiel Palacios wird es noch länger dauern. Der Argentinier ist nach seinen Brüchen an drei Querfortsätzen der Lendenwirbelsäule im November immerhin schon wieder im Teamtraining.

Abwehrchef Sven Bender fehlt seit dem 21. November – erst mit Sprunggelenksproblemen, dann mit einer Kapselverletzung im Knie und könnte Bosz zufolge kommende Woche wieder ins Training einsteigen. Sein Bruder Lars fiel bereits im Dezember mehrere Spiele wegen Oberschenkelproblemen aus. Auch gegen Wolfsburg musste er aufgrund von Wadenproblemen und einer Prellung am Hinterkopf verfrüht vom Platz. Lucas Alario (Knieprobleme), Florian Wirtz (Schonung/Schmerzen in der Kniekehle), Karim Bellarabi (Handbruch) Edmond Tapsoba, Kerem Demirbay, Wendell, Daley Sinkgraven (alle Corona), Leon Bailey (Quarantäne), Nadiem Amiri (Krankheit) sowie Mitchell Weiser (Oberschenkel) fehlten ebenfalls bereits eine oder mehrere Partien.

Das Verletzungspech wurde von den Verantwortlichen bislang mit bemerkenswertem Gleichmut hingenommen – auch wegen guter Ergebnisse. Doch die werden seltener. Einzig Bosz betonte bei verschiedenen Gelegenheiten, dass der Kader zu dünn besetzt sei und beklagte mehrfach mangelnde Alternativen. Mit Timothy Fosu-Mensah haben Sportgeschäftsführer Rudi Völler und Sportdirektor Simon Rolfes bislang nur einmal im Wintertransferfenster zugeschlagen. Gut möglich, dass bis Anfang Februar noch etwas passiert.