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Bayer 04 Leverkusen bleibt stabil und punktet beim FC Bayern München

Stimmen zum Spitzenspiel : Bayer und Bayern können mit Remis gut leben

Bayer 04 Leverkusen trotzt dem FC Bayern München ein 1:1 ab, ohne selbst ein Tor zu schießen. Es ist ein Unentschieden wie ein Sieg für den Werksklub.

Thomas Müller hat schon viel erlebt. Die Kultfigur des FC Bayern stand bislang in 615 Spielen für den Rekordmeister auf dem Rasen, dabei hat er 224 Tore erzielt, 240 vorbereitet, und so gut wie jeden Titel gewonnen, den es zu gewinnen gibt. Beim 1:1 (1:1) gegen Bayer Leverkusen machte Müller allerdings eine neue Erfahrung. In der 36. Minute sprang der 32-Jährige mit gestrecktem Bein und klärender Absicht in einen harmlosen Freistoß von Kerem Demirbay. Sven Ulreich war schon auf dem Weg, den halbhoch vor sein Tor getretenen Ball abzufangen, doch Müller funkte dazwischen und markierte den Ausgleich. Es war das erste Eigentor in seiner außergewöhnlichen Karriere.

„Das passiert sogar den Besten. Es ist natürlich unglücklich, aber es wird ihn nicht nachhaltig umhauen“, kommentierte Julian Nagelsmann die letztlich entscheidende Szene. Der Bayern-Coach konnte mit dem Ergebnis leben, ohne zufrieden zu sein. In den ersten 30 Minuten brannte seine Mannschaft ein offensives Feuerwerk ab. München trat souverän auf, schnürte Bayer ein und machte teilweise mit sechs, sieben Spielern vor dem Strafraum der Gäste Druck. Die Werkself hatte einige Mühe, die stetig anrollenden Angriffswellen rechtzeitig branden zu lassen. Das erste Tor lag in der Luft – und nach 18 Minuten war es soweit. Durch ein Missverständnis zwischen Jonathan Tah und Piero Hincapie beim Klärungsversuch im Strafraum landete der Ball vor den Füßen von Niklas Süle. Der Nationalspieler zog ab, traf zum überfälligen 1:0 und ließ sich feiern – ausgerechnet Süle, der im Sommer ablösefrei nach Dortmund wechselt, unter anderem weil er sich in München nicht ausreichend wertgeschätzt fühlte.

An den Stimmen aus dem Lager des FC Bayern lies sich indes ablesen, dass nach dem 1:0 die Kontrolle Stück für Stück abhanden kam. „Wir haben mit die besten 30 Minuten in dieser Saison gespielt“, sagte der Torschütze. Nach Müllers Fauxpas seien die Gastgeber dann aber „ein wenig zusammengefallen“. So ging die Dominanz verloren und München geriet ins Schwimmen. „Wir ermöglichen es dem Gegner, wieder ins Spiel zurückzukommen. Das darf nicht passieren“, monierte Süle.

Es war einem Mix aus Glück und mangelnder Präzision von Amine Adli geschuldet, dass der FCB nicht in Rückstand geriet. Der Leverkusener Offensivspieler profitierte von mehreren Fehlern, konnte sie aber nicht effektiv nutzen. Auch der Abschluss von Charles Aránguiz aus wenigen Metern kurz vor der Pause führte nicht zum Erfolg, weil Ulreich stark parierte. „In der ersten Halbzeit hatten die Leverkusener einige Möglichkeiten. Im Endeffekt können wir auch ein bisschen froh sein“, räumte Münchens Serge Gnabry ein.

Nach dem Seitenwechsel waren die Bayern zwar spielbestimmend, Chancen gab es aber auf beiden Seiten. „Ich bin nicht enttäuscht, obwohl mehr drin gewesen wäre. Dennoch sind wir mit dem 1:1 zufrieden“, sagte Bayers Trainer Gerardo Seoane. Er stellte für das Gastspiel in München wohl auch wegen der Erfahrungen aus der denkwürdigen 1:5-Schlappe im Hinspiel auf eine Fünferkette um. „Ich würde sagen, das ist im Moment die einzige Möglichkeit, den Bayern auswärts richtig gefährlich zu werden.“

Das hat sich bestätigt – mit freundlicher Unterstützung von Thomas Müller.