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Bayer 04 Leverkusen: Bernd Leno — der Turm in der Schlacht

Bayer Leverkusen : Bernd Leno — der Turm in der Schlacht

So aufgeräumt, entspannt und gut gelaunt war Bernd Leno lange nicht mehr. "Zum Glück durfte ich mich ein paar Mal auszeichnen. Das tut gut nach den Gegentoren, die wir in den letzten Wochen bekommen haben", sagte der Torwart von Bayer Leverkusen mit zufriedenem Gesichtsausdruck nach dem 1:0 (0:0)-Erfolg der Werkself im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Atletico Madrid.

Gegen den klar favorisierten Vorjahresfinalisten und spanischen Meister war der Bayer-Keeper der Turm in der Schlacht. "Weltklasse", urteilte der frühere Welttorwart und heutige ZDF-Experte Oliver Kahn vor allem mit Blick auf die Glanztat von Leno kurz vor der Pause, als der 22-Jährige den Ball nach einem verdeckten Schuss von Tiago aus kurzer Distanz sensationell abwehrte.

"Leverkusen hat einen sehr starken Torwart, der unsere Stürmer zur Verzweiflung gebracht hat. Ihn müssen wir im Rückspiel überwinden", lobte denn auch Gäste-Trainer Diego Simeone den Bayer-Keeper, der zuletzt in der Bundesliga das ein oder andere Mal gepatzt hatte. "Ich freue mich besonders für Bernd, denn er musste zuletzt viel Kritik einstecken. Wenn er in Madrid wieder einen solch tollen Tag erwischt, können wir das Viertelfinale erreichen", sagte denn auch Leverkusens Trainer Roger Schmidt.

Der Bayer-Coach war aber nicht nur von seinem Torwart, sondern von seinem ganzen Team angetan, das mit einem couragierten und leidenschaftlichen Auftritt dem Favoriten den Schneid abgekauft hatte. Der Siegtreffer von Hakan Calhanoglu (57.) war der Lohn für eine beherzte Vorstellung, in der die robuste Werkself auch in der Foulstatistik der hitzigen Partie (25:10) die Nase vorn hatte. Sperren für das Rückspiel am 17. März handelte sich aber nur der Arbeiterklub aus der spanischen Hauptstadt ein. Tiago (Gelb-Rot) und Diego Godin (3. Gelbe Karte) fehlen Atletico in knapp drei Wochen.

"Das wird für Madrid kein Nachteil sein, sie verfügen über genug Alternativen", sagte Schmidt dazu und hofft vielmehr, dass Bayer auch im Estadio Vicente Calderon starke Nerven beweist: "Ich erwarte, dass meine Mannschaft in diesem Hexenkessel kühlen Kopf bewahrt und sich nicht provozieren lässt. Wir müssen genauso selbstbewusst auftreten wie im Hinspiel."

Das attestierte dem Bundesliga-Sechsten auch die spanische Presse. "Bayer bereitet Atletico Kopfschmerzen", urteilte Marca und AS schrieb von einem "Albtraum in Leverkusen." Noch drastischer drückte es Sport aus: "Bayer macht Atletico zur Schnecke."

Ganz so extrem war es zwar nicht, aber der "Sieg gegen eine solche Klassemannschaft ist schon mal ein Pfund", stellte Sportchef Rudi Völler zu Recht fest. Nach den historischen Achtelfinalpleiten in der Vergangenheit gegen den FC Liverpool (1:3/1:3), den FC Barcelona (1:3/1:7) und Paris St. Germain im Vorjahr (0:4/1:2) kann Bayer auch für die Bundesliga Großes leisten. Die einstige graue Maus hat immerhin schon ein Ausrufezeichen gesetzt, nachdem die anderen drei deutschen Vertreter Bayern München, Schalke 04 und Borussia Dortmund in den Hinspielen sieglos geblieben waren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bayer - Atletico: Einzelkritik

(sid)