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Bayer 04 Leverkusen: Bei der Werkself hapert es im Angriff

„Expected Goals“ im Fokus : Bei der Werkself hapert es im Angriff

In den vergangenen Jahren stellte Bayer 04 stets einen der besten Offensivreihen der Liga. In dieser Saison hat das Team allerdings erst drei Tore in vier Partien erzielt. Sowohl in Sachen Effizienz als auch Effektivität ist Luft nach oben.

In den klassischen US-Sportarten wie Baseball, Basketball, Eishockey und Football haben die sogenannten „advanced statistics“ (zu deutsch: „fortgeschrittene Statistiken“) längst Einzug in den Diskurs bei Fachleuten und Fans genommen. Sie sollen dabei helfen, die Produktivität und Effizienz von Mannschaften sowie einzelner Sportler anhand von Zahlen genauer einordnen und bewerten zu können – und nicht nur anhand des reinen Resultats. Was das betrifft, ist Fußballdeutschland hingegen ein Entwicklungsland.

Immerhin ein fortgeschritten-statistisches Modell hat es inzwischen geschafft, sich allmählich den Weg in die Köpfe der Experten und Klubanhänger zu bahnen: das der „Expected Goals“ (zu deutsch: „zu erwartende Tore“; siehe Info-Kasten). Anhand dieses Modells wird zum Beispiel klar, dass die Werkself in dieser Saison bislang weniger Tore erzielt hat, als statistisch zu erwarten gewesen wäre – dafür allerdings auch weniger kassiert.

In den bislang vier absolvierten Partien erzielte die Mannschaft von Trainer Peter Bosz insgesamt drei Treffer: Kerem Demirbay traf per Traumtor zum 1:1 gegen Leipzig, Patrick Schick gelang der zwischenzeitliche Führungstreffer beim 1:1 in Stuttgart und Lucas Alario erzielte das Tor des Tages am vergangenen Samstag beim 1:0-Erfolg in Mainz. Hinzu kommt das torlose Remis zum Liga-Start in Wolfsburg. In diesen vier Spielen erarbeitete sich die Werkself einen Gesamtwert von 3,51 xG (=„Expected Goals“). In puncto Effizienz ist demnach noch etwas Luft nach oben, schließlich durften die Bayer-Profis erst drei Mal ein Tor bejubeln.

Dass es dem Bosz-Team nach den Abgängen der wichtigen Offensivspieler Kai Havertz und Kevin Volland sowie einer quasi kaum existenten Vorbereitung noch schwer fällt, sich Chancen herauszuspielen, ist bei der Betrachtung der bisherigen Partien nicht nur offensichtlich, sondern spiegelt sich auch mit Blick auf den xG-Wert wider. Nur Aufsteiger Bielefeld (3,02) sowie die sieglosen Teams aus Mainz (2,52) und Schalke (2,04) wiesen Stand Sonntagmittag einen niedrigeren xG-Wert als Leverkusen auf, haben sich ergo noch weniger gute Gelegenheiten auf Treffer erspielt. Nach dem knappen Erfolg in Mainz monierte Coach Bosz daher nicht ohne Grund und zum wiederholten Male: „Am letzten Pass ist es in der Schlussphase oft gescheitert – das können wir besser.“

Betrachtet man die einzelnen Spiele, fällt auf, dass Bayer 04 dem xG-Wert zufolge lediglich in den Partien zuletzt in Stuttgart und Mainz die klareren Torchancen für sich verbuchte, in den Spielen in Wolfsburg und gegen Leipzig waren die Gegner statistisch gesehen die bessere Mannschaft. Mit sechs Punkten nach vier Begegnungen hält Bayer 04 dennoch Kontakt zur oberen Tabellenhälfte, was nicht zuletzt daran liegt, dass Torhüter Lukas Hradecky erst zwei Mal hinter sich greifen musste.

Laut des xG-Werts hätten die Rheinländer bislang 3,50 Tore kassieren können – die Chancen waren offenbar da, auch wenn der Wert im Ligavergleich dennoch sehr niedrig ist, was für eine stabile Defensive spricht. Warum den Gegnern dennoch nicht mehr Tore gelangen, darf jeder für sich selbst entscheiden. Ob es nun schlicht an der mangelnden Effizienz der gegnerischen Stürmer, der schieren Präsenz der Innenverteidiger Sven Bender und Edmond Tapsoba oder an den überragenden Reflexen des finnischen Schlussmannes in Diensten der Werkself lag: Die Interpretationsvielfalt ist groß.

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass die Werkself im Angriff nicht nur effizienter, sondern auch effektiver werden muss. Leverkusens Kreativabteilung ist gefordert.