Vertrag bis 2024 Auf Gerardo Seoane kommt viel Arbeit zu

Leverkusen · Die Trainerfrage ist beantwortet: Der Schweizer Gerardo Seoane übernimmt im Sommer Bayer Leverkusen. Der 42-Jährige hat den Auftrag, die Werkself mit attraktivem Offensivfußball in die Champions League zu führen.

Gerardo Seoane winkt bei der Meisterfeier der Young Boys Bern Fotografen zu. Nach der Saison wird er Trainer von Bayer Leverkusen.

Gerardo Seoane winkt bei der Meisterfeier der Young Boys Bern Fotografen zu. Nach der Saison wird er Trainer von Bayer Leverkusen.

Foto: imago images/Geisser/Manuel Geisser

Der Name kursierte bereits länger im Umfeld der Werkself, am Mittwoch folgte die Gewissheit, dass Gerardo Seoane Bayer Leverkusens neuer Trainer wird. Der Schweizer soll die Mannschaft nach zwei Jahren Abstinenz wieder in die Champions League führen. Dass das kein Selbstläufer ist, hat nicht nur die aktuelle Saison gezeigt. Der 42-Jährige steht vor drei Herausforderungen. Ein Überblick.

Spielidee Seoane hat in der Europa League mit den Young Boys Bern gegen Leverkusen genau das gezeigt, was man eigentlich bei Bayer sehen will. Der Schweizer Meister präsentierte sich in beiden Partien angriffslustig, dominant und forsch. Mit Tempo, Technik und Effektivität vor dem gegnischen Tor überrumpelte der Außenseiter im Februar die damals noch von Peter Bosz trainierte Werkself regelrecht. Dem 4:3-Sieg im Hinspiel folgte ein 2:0 im Rückspiel – und der Bundesligist musste sich bereits im Sechzehntelfinale aus dem Wettbewerb verabschieden. Es war ein Pflasterstein für den Weg, der letztlich zur Entlassung von Bosz im März führte. Seine attraktive Spielidee muss Seoane nun in Leverkusen etablieren und entwickeln. Dabei gilt es, die seit Monaten fehlende richtige Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden.

Kader In Leverkusen steht ein mittelschwerer Umbruch an, den Seoane managen muss. Die größte Baustelle ist die Defensive. Sven und Lars Bender beenden ihre Karrieren, der Vertrag von Aleksandar Dragovic läuft aus, und dass Jonathan Tah nach sechs Jahren in Leverkusen nichts gegen einen Tapetenwechsel hätte, ist kein Geheimnis. Hinzu kommt der Langzeitverletzte Thimothy Fosu-Mensah (Kreuzbandriss). Offen ist, welche Rolle zuletzt ausgemusterte Profis wie Mitchell Weiser oder Tin Jedvaj in den Plänen des Trainers spielen – und ob er auch in der kommenden Saison noch mit Topscorer Leon Bailey rechnen kann, den immer wieder Wechselgerüchte umranken. Weitere Abgänge sind denkbar bis wahrscheinlich. Die Werkself wird in der Saison 2021/22 definitiv ein anderes Gesicht haben.

Psychologie Eine wichtige Aufgabe des neuen Traines wird sein, nach der schwierigen Saison mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen neue Euphorie in der Mannschaft, aber auch im Klub und bei den Fans zu entfachen. Im Umfeld des Werksklubs sehe er „ideale Bedingungen, um attraktiven Fußball zu spielen und in der Liga und in Europa unter den Top-Teams mitzumischen“, sagt der dreifache Meistercoach der Young Boys. Für ihn sei Leverkusen „ein Sprung auf das nächste Level.“ Verglichen mit der Schweizer Super League ist die Bundesliga freilich eine andere Dimension. Viel wird von der Vorbereitung unter seiner Regie abhängen. Im Umgang mit den Profis sollten Sprachbarrieren kein Hindernis sein. Seoane spricht neben Deutsch auch fließend Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch und Portugiesisch. Das ist eine nahezu ideale Mischung für den Kader der Werkself – wenn er dabei den richtigen Ton trifft.

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