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Bayer 04 Leverkusen auf der Suche nach Balance

Bayer Leverkusen : Bayer 04 auf der Suche nach seiner Balance

Zu Beginn der Saison erzielte die Werkself viele Tore, kassierte aber auch viele. Nun steht sie stabiler, was auf Kosten der Offensivkraft geht.

Julian Brandt stand eisern seinen Mann. Auch die dritte, vierte und gefühlt fünfte Frage nach den Gründen für Bayers Offensivschwäche, mit der in dieser Ausgeprägtheit in der Rückrunde sicher nicht zu rechnen war, beantwortete der offensive Mittelfeldspieler geduldig. Josip Drmic, der nur 21 Minuten in Bremen zu verantworten hatte, war direkt an seiner Seite.

Ausgerechnet der jüngste Bayer-Profi auf dem Feld sollte erklären, warum es wieder nicht geklappt hat, eine Partie zu drehen, geschweige denn sie selbst zu gestalten. Die immer gleiche Frage nach dem "warum" hängt Leverkusens Profis derzeit wie ein Klotz am Bein. Und die Antwort ebenso, denn die hat die Mannschaft nach den ersten drei Spielen der Rückrunde spielerisch (noch) nicht geben können.

Die Werkself hat ihre Balance noch nicht gefunden. Auffallend ist die Diskrepanz zwischen Angriffs- und Abwehrleistung. Während sich die Defensive im Saisonverlauf stetig steigern konnte, mangelt es nach vorne an der Durchschlagskraft. Was auffällt: Vom ersten bis 20. Spieltag nahm die Zahl der Gegentore kontinuierlich ab. Das spricht für die Abwehr. Die Zahl der erzielten Treffer aber ebenso. Nach den ersten fünf Spieltagen standen zehn Punkte bei 11:9 Toren auf der Habenseite. Bayer verzückte dabei mit frechem, angriffslustigem Fußball und machte neugierig auf mehr. Die Liga staunte über die aggressive Pressing-Maschinerie, die den Gegnern nahezu jegliche Möglichkeit eines geordneten Spielaufbaus nahm. Vor allem der Bundesliga-Auftakt mit dem 2:0 bei Borussia Dortmund sorgte für Aufsehen.

Die neun Gegentore brachten Trainer Roger Schmidt aber auch erste Kritik ein. Denn: Brachen die Gegner einmal durch, kassierte Bayer 04 auch ein Tor. Auch bei Standardsituationen sah die Werkself nicht besonders glücklich aus. Die Folge: Leverkusen nahm etwas den Fuß vom Gas, was zu Lasten der Offensivkraft ging.

Es folgten fünf Partien mit sechs Zählern und 6:6 Toren. Schmidt sagte in dieser Phase der Saison: "Wenn man unsere Spiele analysiert, dann komme ich zu dem Schluss, dass wir sehr wenige Chancen zulassen" und "Wir haben viele Spiele dominiert. Was wir lernen müssen, ist, Spiele zu entscheiden."

Doch auch in der Folge verließ Bayer 04 nach engen Spielen zu selten den Platz als Sieger. Die Bilanz nach den Partien elf bis 15 waren acht Punkte und 9:4 Tore, wobei Bayer 04 von den neun Treffern alleine fünf gegen den 1. FC Köln erzielte. In den vergangenen fünf Spielen traf die Werkself dann nur noch vier Mal (4:3 Tore, acht Punkte). Rudi Völler legte nach der 1:2-Niederlage in Bremen - im Übrigen das siebte Spiel in Folge, in dem Leverkusen nicht mehr als ein Tor gelang - den Finger in die Wunde. "Wir haben nach der Winterpause in drei Spielen zwei Tore geschossen. Da sind auch unsere Angreifer gefragt. Man muss ein Tor auch mal wollen, es erzwingen", sagte der ehemalige Weltklassestürmer.

Statistisch hat Bayer 04 mit 63 Prozent Ballbesitz und 13:7 Torschüssen die Partie in der Hansestadt zwar gewonnen. Allerdings, und jetzt kommt das große Aber, kamen davon nur zwei Bälle auf das Tor. Karim Bellarabi beispielsweise spielte den Bremer Verteidigern manch Knoten in die Beine, allerdings hatte er mehrfach nicht den Blick für den besser postierten Nebenmann. "Die Ansätze sind gut, aber bei einer derartigen Überlegenheit ist ein Tor einfach zu wenig. Wir spielen zu kompliziert und sind im Strafraum nicht gierig und kaltschnäuzig genug", monierte Völler.

Die Statistik nach 20 Spielen lässt den Schluss zu, dass Bayer 04 die Balance zwischen Defensive und Offensive weiterhin nicht gefunden hat. Am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) kommt in Wolfsburg ein Gegner, an dessen Entwicklung sich Bayer in dieser Hinsicht ein Beispiel nehmen kann. Lief der Saisonbeginn mit 8:7 Toren und fünf Punkten in den ersten fünf Partien schleppend, sammelte der VfL in den vergangenen fünf Begegnungen elf Punkte bei 12:5 Toren. Wenn der Tabellenzweite für die Werkself in dieser Saison noch ein Konkurrent sein soll, dann ist für Bayer 04 siegen Pflicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bremen - Leverkusen: Einzelkritik

(RP)