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Bayer 04 Leverkusen: Auch ohne EM2020 winkt ein Fußballsommer

Reaktionen zur EM-Verschiebung : Bayers Saison könnte im Sommer weitergehen

Die Uefa hat die Europameisterschaft verschoben. Das eröffnet neue Planungsspielräume. Bayer-Geschäftsführer Rudi Völler begrüßt das ausdrücklich – Torhüter Lukas Hradecky nimmt’s gelassen.

Am 15. November 2019 war die Welt noch in Ordnung – und für Lukas Hradecky war sie sogar mehr als das. Mit der Nationalmannschaft Finnlands gelang ihm die erste Qualifikation für eine Europameisterschaft in der Geschichte des skandinavischen Landes. Es war ein historischer Moment. Wenige Monate später hat das Coronavirus alle Planungen für Sportgroßveranstaltungen hinweggefegt. Die Uefa hat daher entschieden, die EM um ein Jahr zu verschieben. Hradecky muss sich also noch etwas gedulden – ebenso wie die anderen Nationalspieler der Werkself, die im Juni dabei gewesen wären.

„Wir Finnen haben über 80 Jahre darauf gewartet, an einer Endrunde eines großen Fußball-Turniers teilzunehmen“, kommentierte Bayers Nummer eins die Entscheidung des europäischen Fußballverbandes. „Da kommt es auf ein paar Monate nicht an, bis unser und mein persönlicher EM-Traum in Erfüllung geht.“ Natürlich stehe die Gesundheit angesichts der grassierenden Pandemie an erster Stelle. Der 29-Jährige versucht, die wenigen Vorteile einer ansonsten schwierigen Situation zu sehen: „Das ist auch eine Chance für die Spieler, die aktuell schwerer verletzt sind, an dem Turnier teilzunehmen.“

Zudem hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) durch die verschobene EM nun Spielraum, die bis jetzt offiziell abgesagten Bundesligaspieltage 26 und 27, denen wohl noch weitere folgen werden, im Sommer nachzuholen. Das gilt auch für den ausgesetzten DFB-Pokal, in dem die Werkself im Halbfinale gegen den Viertligisten 1. FC Saarbrücken antreten soll. Abgesehen davon müsste die Uefa freilich auch die Termine der Kontinentalwettbewerbe auf Klubebene nach hinten verlegen, wenn sie trotz allen Verwerfungen noch vor dem im Fußball magischen Stichtag am 30. Juni mit einem Sieger beendet werden sollen.

Bayer 04 steht nach dem Achtelfinal-Hinspielsieg bei den Glasgow Rangers (3:1) mit einem Bein im Viertelfinale der Europa League – einem Wettbewerb, in dem Trainer Peter Bosz gute Erfahrungen gesammelt hat. In der Saison 2016/17 coachte er seinen ehemaligen Klub Ajax Amsterdam bis ins Endspiel, das allerdings 0:2 gegen Manchester United verlorenging. Einen Beschluss, ob und wann die Vereinswettbewerbe fortgesetzt werden, gibt es noch nicht. Die Uefa will das „zu gegebener Zeit“ entscheiden und kommunizieren, wie es der Mitteilung des europäischen Fußballverbandes heißt. Bis auf Weiteres sind die Wettbewerbe ausgesetzt, aber nicht abgebrochen.

Sportgeschäftsführer Rudi Völler begrüßt die EM-Verschiebung als notwendigen Schritt, um den nationalen Ligen Planungsspielräume zu eröffnen. Er wünscht sich, dass die „laufenden Wettbewerbe möglichst auf sportlicher Basis fair und unter gleichen Bedingungen für alle“ beendet werden können. „Bayer 04 Leverkusen wird sich nun umso mehr den großen Herausforderungen durch das Coronavirus stellen, alles für den Schutz seiner Spieler und Mitarbeiter tun und darüber hinaus in Kooperation mit allen anderen Klubs dafür arbeiten, die Saison zu einem guten Abschluss zu bringen.“

Dr. Karl-Heinrich Dittmar, Mannschaftsarzt und Pandemie-Beuftragter bei Bayer 04, erklärte derweil in einem Interview im Klub-TV, was im Fall einer nachgewiesenen Corona-Infektion bei Spielern, Trainern oder Betreuern passieren würde. „Aktuell ist es so, dass wenn wir einen positiv getesteten Spieler hätten, die ganze Mannschaft und alle Personen, die mit ihm Kontakt hatten, in eine 14-tätige Quarantäne gehen müssten.“ Noch ist das eine theoretische Erwägung. Der Internist gab zudem Tipps, wie das Immunsystem etwas robuster gegenüber Viren werden kann: „Gesunde, vitaminreiche Ernährung ist sehr, sehr hilfreich – ebenso wie Bewegung und frische Luft.“