Bayers Außenstürmer Amine Adli sieht sich in Topform für den Ligastart

Leverkusen · Bayer 04 Leverkusens Offensivspieler Amine Adli ist neben Florian Wirtz der Gewinner der Winterpause. Der 22-Jährige hat sich für den zweiten Teil der Saison viel vorgenommen.

 Bayers Stürmer Amine Adli lässt sich nach seinem Siegtor gegen Kopenhagen von Florian Wirtz (l.) und Mitchel Bakker (r.) feiern.

Bayers Stürmer Amine Adli lässt sich nach seinem Siegtor gegen Kopenhagen von Florian Wirtz (l.) und Mitchel Bakker (r.) feiern.

Foto: Bayer 04

Zum Start der Trainingswoche stand ein internes Spiel an. Die Profis der Werkself, die am Sonntag beim 1:0 im Test gegen den FC Kopenhagen nicht oder nur kurz zum Einsatz kamen, waren gegen eine Auswahl der U19 gefordert. Standesgemäß setzten sie sich mit 5:0 gegen die Talente durch. Die Tore erzielten Kerem Demirbay, Zidan Sertdemir, Amine Adli, Karim Bellarabi und Sardar Azmoun per Elfmeter. Es war indes die letzte öffentliche Einheit dieser Woche. Dienstag hat Trainer Xabi Alonso den Spielern freigegeben, ab Mittwoch richtet sich der Fokus ganz auf das Ligaspiel am Sonntag bei Borussia Mönchengladbach (17.30 Uhr).

Das Abschotten vor dem Start in den zweiten Teil der Saison zeigt, wie immens der Druck unter dem Bayer-Kreuz ist. Die Partie bei der Elf vom Niederrhein hat in zweifacher Hinsicht herausragende Bedeutung. Zum einen ist es zumindest ein Mini-Derby, zum anderen geht es für Leverkusen um eine Weichenstellung: Setzt die Werkself den positiven Trend nach drei Siegen in Serie vor der Winterpause fort oder folgt ein Rückschritt? Geht die Partie in Gladbach schief, wäre das ein deutlicher Dämpfer für die mühsam entfachte Aufbruchsstimmung.

Adli schaut jedenfalls durchweg positiv auf das Duell am Niederrhein, denn er ist einer der Gewinner der Wintervorbereitung. Gegen Kopenhagen erzielte er kurz nach seiner Einwechslung in der 67. Minute den Siegtreffer, auch in den Tests gegen Venedig und Zürich netzte der Franzose mit marokkanischen Wurzeln ein. Drei Tore in drei Spielen sind eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. „Ich bin darüber sehr glücklich. Tore sind natürlich gut fürs Selbstbewusstsein.“ Insgesamt sei er optimistisch, was das Spiel am Sonntag angehe. „Wir haben eine gute Vorbereitung absolviert und sind bereit für die Bundesliga.“

Das gilt vor allem für ihn selbst. In der bisherigen Hinrunde musste der vielseitig einsetzbare Offensivspieler meistens zusehen. Nach einem Sehnenriss im Oberschenkel in der Endphase der vergangenen Saison gab er Mitte August beim 1:2 gegen Augsburg sein Comeback – und brach sich in der Partie prompt das Schlüsselbein. Die Folge war eine weitere Zwangspause von etwa sechs Wochen. Nach dem Trainerwechsel zu Xabi Alonso fand Adli langsam zurück zu alter Stärke. Beim Debüt des Spaniers steuerte er eine Vorlage zum 4:0 gegen den FC Schalke bei, danach wurde er vier Mal als Joker und drei Mal in der Startelf eingesetzt. Nur das 1:5-Debakel gegen Frankfurt erlebte er in voller Länge auf der Bank mit.

Die zuletzt starken Auftritte wecken nicht nur bei ihm neue Erwartungen. „Ich denke, dass jeder aufgeregt ist, dass es nach der langen Zeit endlich wieder losgeht – auch die Fans“, sagt Adli. „Die Pause war gut für mich. Jetzt bin ich wieder bei 100 Prozent.“ Das sind positive Nachrichten, denn Bayer kann einen fitten Angreifer aktuell gebrauchen, auch weil weiterhin unklar ist, wie lange Patrik Schick noch ausfällt. Der tschechische Torjäger arbeitet nach wie vor individuell in der Reha, um seine hartnäckigen Probleme an der Leiste in den Griff zu bekommen.

Adli, der als Links- sowie Rechtsaußen, aber auch im Sturmzentrum spielen kann, hat sich für den zweiten Teil der Saison viel vorgenommen. Ob als Ersatzspieler oder in der ersten Elf, ist für ihn nebensächlich. „Wenn man von der Bank kommt, muss man dem Coach zeigen, dass man spielen will. Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben, um dem Team zu helfen. Den Rest werden wir sehen“, sagt er.

Für Florian Wirtz, der seinen Siegtreffer gegen Kopenhagen vorbereitete, hat Adli nichts als lobende Anerkennung übrig. „Wir kennen alle die Qualität von ihm. Er muss wie ein klassischer Zehner spielen, in der Mitte, mit vielen Freiheiten, um die Verbindung zwischen Defensive und Angriff zu knüpfen“, befindet der 22-Jährige. „Flo kann ein ‚Gamechanger‘ sein. Spieler wie er machen es für das gesamte Team einfacher.“

Seine persönlichen Ziele für die kommenden Monate definiert Adli mit aufgeräumter Klarheit: „Ich will häufiger spielen und dem Team helfen, indem ich mehr Tore schieße und mehr Vorlagen gebe. Die zweite Hälfte der Saison muss besser werden – für uns, die Fans und den Klub. Wir arbeiten hart daran, dass wir in die Position kommen, die wir verdienen.“ Beim Thema Nationalmannschaft bleibt der Angreifer indes zurückhaltend. Der gebürtige Franzose könnte auch für Marokko spielen. Angeblich hat der Verband des WM-Überraschungsteams auch schon seine Fühler ausgestreckt. Allerdings betont Adli: „Zu dem Thema werde ich mich zu gegebener Zeit äußern.“