Bayer 04 Leverkusen: Aleksandar Dragovic spendiert Sonderlob für Werkself

„Spielerisch die beste Mannschaft Deutschlands“ : Dragovics Sonderlob für die Werkself

Für Bayer Leverkusens Aleksandar Dragovic ist die Werkself die spielerisch beste Mannschaft Deutschlands – zumindest, wenn er sich das vergangene halbe Jahr anschaut. Den Konkurrenzkampf mit Jonathan Tah und Sven Bender scheut er nicht.

Gleich zum Vorbereitungsstart setzte Aleksandar Dragovic ein Ausrufezeichen – allerdings zunächst nur optischer Natur. Mit schneeweiß gefärbten Haaren erschien der 28-Jährige nach seinem verlängertem Urlaub zum Training. Auch im Trainingslager in Zell am See war seine auffällige Frisur ein Hingucker. „Ich wollte mir die Haare eigentlich schon Ende letzter Saison färben, aber da waren wir im Endspurt um die Champions League und das hätte nur unnötig abgelenkt“, erzählt Dragovic. „Da stand das Sportliche im Vordergrund.“ Ohnehin sei der neue Stil nur ein vorübergehendes Phänomen: „Einmal werde ich es noch nachfärben, aber dann ist genug. Ich will ja meine Haare noch ein paar Jahre haben“, sagt der Innenverteidiger und lacht.

Auch auf dem Platz macht er wieder eine gute Figur. Zwar kam er wie sein Landsmann Julian Baumgartlinger mit einer Verletzung aus der Länderspielreise im Juni zurück, doch inzwischen sind seine Adduktorenbeschwerden überwunden und er mischt wieder voll im Training mit. „Der Start in die Vorbereitung war speziell für mich“, sagt der Österreicher. „Im Urlaub hatte ich jeden Tag Physiotherapie, um fit zu werden und konnte ansonsten nicht viel machen. Daher war der Anfang nicht einfach, aber ich bin zufrieden, wie es bisher gelaufen ist.“

Für seine jüngere Vergangenheit dürfte das indes nur bedingt gelten. Zwar bahnte sich Dragovic mit der Werkself auf den letzten Drücker den Weg in die Champions League, doch er nahm dabei nur eine Nebenrolle ein. Im Grunde kam der 74-malige Nationalspieler Österreichs nur dann zum Einsatz, wenn Jonathan Tah oder Sven Bender nicht spielen konnten. Vor drei Jahren wechselte er von Dynamo Kiew nach Leverkusen. Zufrieden kann der gebürtige Wiener nicht damit sein, wie sich seine Karriere seitdem entwickelt hat. Im ersten Jahr leistete er sich einige schwache Spiele und wurde anschließend an Leicester City verliehen.

Bei den Engländern kam er ebenfalls nur sporadisch zum Einsatz, kehrte aber trotzdem mit guten Erfahrungen im Gepäck zurück ins Rheinland. „Es ist einfach eine andere Kultur. Ich habe mich sehr wohl in England gefühlt und es war eine lehrreiche Zeit“, sagt Dragovic im Rückblick. Es folgte ein Jahr bei Bayer 04, in dem er in 18 Bundesligapartien zum Einsatz kam, dabei zwei Tore erzielte und auch sonst überwiegend zu überzeugen wusste. Entsprechend professionell geht er mit seiner Rolle im Team um.

„Konkurrenz gibt es überall“, sagt er. „Ich versuche, jeden Tag mein Bestes zu geben und den anderen Innenverteidigern Konkurrenzdruck zu machen. Das Einzige, was ich beeinflussen kann, ist meine Leistung.“ Den Rest müsse der Trainer entscheiden. „Klar ist aber auch, dass ein Spieler gleich mit Fußball aufhören sollte, wenn er dauerhaft mit einem Platz auf der Bank zufrieden wäre.“

Ein Sonderlob hat Dragovic für die Werkself parat. „Das vergangene halbe Jahr waren wir meiner Meinung nach aus spielerischer Sicht die beste Mannschaft in Deutschland. Daran müssen wir anknüpfen – und noch ein paar Prozent draufsetzen“, fordert der Abwehrspieler. „Wenn jeder 100 Prozent gibt und sich weiterentwickelt, ist einiges möglich mit der Mannschaft. Aber es bringt nichts, jetzt schon Druck aufzubauen.“ Stattdessen will er lieber vom Rekordmeister FC Bayern München lernen. Talent und Qualität sei bei Bayer 04 reichlich vorhanden, „aber wir müssen lernen, auf den Punkt da zu sein, wenn es darauf ankommt.“ Als Beispiel nennt er das Pokal-Aus im Achtelfinale beim Zweitligisten in Heidenheim. „Auch die Bayern haben sich gegen sie schwergetan, doch sie haben es letztlich geschafft – und wir nicht. Diesen Entwicklungssprung müssen wir noch machen.“

Angst vor großen Namen hat Dragovic nicht. Das gilt auch für die Champions League. „Egal, welchen Gegner wir bekommen – sie werden auch nicht froh sein, dass wir in ihrer Gruppe sind. Wir sind in der Lage, gegen jeden zu gewinnen.“

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