Bayer Leverkusen: Bayer 04 — der unsichtbare Dritte

Bayer Leverkusen : Bayer 04 — der unsichtbare Dritte

Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser beklagt eine zu geringe Würdigung der Leverkusener Saison in der Öffentlichkeit.

In den Jubel über die mit 65 Punkten zweitbeste Spielzeit einer Werkself in den vergangenen zehn Jahren mischte sich bei Wolfgang Holzhäuser auch ein wenig Groll. Groll darüber, dass dieser Erfolg in der öffentlichen Wahrnehmung aus seiner Sicht keinen gebührenden Platz findet. "Was die Mannschaft in dieser Saison geleistet hat, wird mir viel zu wenig gewürdigt", sagte der Geschäftsführer von Bayer 04. "Wir sind immerhin Dritter geworden, mit nur einem Punkt Rückstand auf den Zweiten."

National absorbiert der Zweikampf zwischen Bayern München und Borussia Dortmund einen Großteil der (medialen) Aufmerksamkeit, und regional musste sich die Werkself in dieser Saison die öffentliche Plattform nicht nur mit den bekannten Größen Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln teilen, sondern zusätzlich auch mit dem gehypten Fortuna Düsseldorf. Allerdings sorgte man in Leverkusen in den vergangenen Monaten teilweise auch selbst und allzu freiwillig dafür, dass andere Themen — Sascha Lewandowskis ungewisse Zukunft, die Hängepartie um André Schürrles anstehenden Wechsel zum FC Chelsea — dem rein sportlichen Geschehen die Schlagzeilen streitig machten. Hinzu kommt die mögliche Forderung seitens des TelDaFax-Insolvenzverwalters.

"Nicht nur guten, auch erfolgreichen Fußball gespielt"

So nahm dann beim Saisonfinale letztlich auch kaum jemand Notiz davon, dass Bayer 04 in den letzten sechs Spielen genauso viele Punkte geholt hatte wie der FC Bayern München (16) und mit fünf Siegen in Serie in die Sommerpause geht. "Wir haben nicht nur guten, sondern auch erfolgreichen Fußball gespielt", sagte der scheidende Trainer Sascha Lewandowski, der nach eigener Aussage jetzt die Aufgabe als Nachwuchs-Cheftrainer übernimmt, "die ohnehin vor 14 Monaten angedacht war".

Während nun die Profis der Werkself in Urlaub oder vorher noch zur jeweiligen Nationalmannschaft reisen, haben die Kaderplaner um Rudi Völler, Michael Reschke und Jonas Boldt alle Hände voll zu tun, diverse Personalentscheidungen zu einem Abschluss zu bringen. Dabei herrscht aktuell mehr Klarheit auf der Seite der Abgänge. Neben Manuel Friedrich (Ziel unbekannt) und Daniel Schwaab (VfB Stuttgart) wird wohl auch Junior Fernandes den Verein verlassen. Der Chilene, der in dieser Saison überhaupt keine Rolle spielte, wird auf Leihbasis zu Dinamo Zagreb wechseln. Hajime Hosogai steht vor einem Wechsel zu Aufsteiger Hertha BSC, mit deren Trainer Jos Luhukay der Japaner bereits in Augsburg zusammengearbeitet hatte. Michael Ortegas Zukunft ist nach seinem Abschied aus Bochum ungewiss, klar ist nur: In Leverkusen liegt sie nicht. Christoph Kramers Ausleihe in Bochum endet ebenfalls. Bayer 04 tendiert wohl eher zu einer Weiterleihe nach Freiburg als zu einem Verkauf nach Lissabon. André Schürrle drängte in Hamburg öffentlichkeitswirksam auf seinen Wechsel zu Chelsea ("Ich gehe davon aus, dass das mein letztes Spiel für Leverkusen war") und manövrierte sich damit nach Ansicht vieler im Umfeld ins Abseits.

Als Zugang gilt bislang nur Robbie Kruse (Fortuna Düsseldorf) als sicher. Ein neuer Verteidiger muss her, Leverkusen buhlt weiter um Bremens Sokratis. Für Münchens Co-Trainer Peter Herrmann hat der Verein eine Stelle als Scout reserviert, es liegt nun an ihm. Der noch zu findende neue Co-Trainer soll jemand aus dem Nicht-Fußballbereich werden, dessen Qualitäten vor allem in der Videoanalyse liegen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Andre Schürrle

(RP)
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