Bayer Leverkusen: Angriff mit Plan B im Gepäck

Bayer Leverkusen: Angriff mit Plan B im Gepäck

Bayers Torhüter Benedikt Fernandez macht 2011 seinen Uni-Abschluss in VWL. Er sehe das Studium als Sicherheit und als Anspruch an den mündigen Spieler. Den Traum, irgendwo die Nummer eins zu werden, verfolgt er weiter.

Als sich seine Mitspieler an diesem Donnerstag Ende Juli Krabbenspieße und Antipasti beim Mannschaftsabend im St. Galler Szene-Bistro munden ließen, saß Benedikt Fernandez schon mit Buchhalter Gerold Grips im Auto Richtung Rheinland. Bayer Leverkusens Torhüter verließ das Trainingslager vorzeitig, weil am anderen Morgen für ihn eine Klausur an der Uni Köln anstand. 2011 will der 25-Jährige die Doppelbelastung aus Profidasein und Studium mit dem Abschluss in VWL beenden.

Ins 12. Semester kommt Fernandez jetzt. "Als das Studium begann, war ich noch gar kein Profi. Da war ich noch Amateurspieler. Damals war es der erste, richtige Weg nach der Schule. Als ich Fußballprofi geworden bin, ist das Studium natürlich in den Hintergrund gerückt", sagt der gebürtige Bonner, der seit 2000 für Bayer Bälle hält. Die Kölner Mensa kenne er mittlerweile wahrscheinlich besser als manchen Hörsaal, gibt Fernandez mit einem Lächeln zu.

Doch trotz der Belastung eines Bundesligaprofis ist der Sohn eines spanischen Vaters vom Status des Langzeitstudenten weit entfernt. "Im Januar bin ich scheinfrei", sagte er. Dann geht es an die Diplomarbeit. Ein Thema hat er dabei auch schon im Visier: Es soll um die Gehälterstruktur im Profisport währen der jüngsten Wirtschaftskrise gehen. In der Schule sei es eigentlich immer sein Traum gewesen, Sport zu studieren, aber die Berufsaussichten hätten ihn davon abgehalten, sagt Fernandez.

"Ich mache mir keine Illusionen"

In all seinen Jahren bei Bayer habe es übrigens nie einen Trainer gegeben, der ihm das Studium mit Schwerpunkt Wettbewerbspolitik ausreden wollte — kein Skibbe, kein Labbadia und auch Jupp Heynckes nicht. "Trainer wünschen sich heutzutage doch den mündigen Spieler. Ich verstehe darunter auch Spieler, die sich auch für andere Sachen interessieren — außer für Fußball und Playstation also", sagt Fernandez. Außerdem sei es ja auch nicht so, dass er jeden Monat zwei-, dreimal zum Trainer renne und sage: Bitte, bitte, kann ich da frei haben. Teamkollegen hätten sich schon öfter wegen des Studienthemas bei ihm erkundigt, sagt er.

Dass er bald das VWL-Diplom in der Tasche haben wird, beruhigt ihn. Aber es heißt nicht, dass er den Fußball im Schatten René Adlers langsam ausklingen lassen will — im Gegenteil. "Mein Vertrag läuft zum Saisonende aus. Und ich weiß nicht, ob und wie es dann hier bei Bayer weitergeht. Bevor ich den Vertrag unterschrieben habe, hatte ich mir das Ziel gesetzt, dass ich mit 25, 26 irgendwo mal als Nummer eins angreifen möchte. Und das will ich weiterhin", sagt er, der bisher sechs Bundesligaspiele absolvierte. "Ich mach mir auch keine Illusionen, ich werde jetzt nicht innerhalb der Bundesliga wechseln und sofort Nummer eins werden. Vielleicht muss man wie Tom Starke auch mal einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorn zu machen. Von der Entwicklung her ist das ein Paradebeispiel", sagt Fernandez über den Ex-Leverkusener, der in Hoffenheim das Tor hütet. Fernandez ist dabei keiner, dem es missfällt, in der Regionalliga für Bayers Zweite aufzulaufen. "Mir ist lieber, ich spiele in der zweiten Mannschaft, als immer nur zu trainieren."

Ins Schwärmen gerät er aber, wenn er von seinem Einsatz beim 5:0-Europacupsieg beim FC Zürich im Dezember 2007 erzählt. Damals hielt er zu Null, und anschließend ging es zum Mannschaftsabend in eine Züricher Szene-Disco. "Das war eine runde Sache", sagt Fernandez. Und die Uni-Ordner waren an diesem Abend ganz weit weg.

(RP)
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