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Analyse: 100 Tage Bayer-04-Chef Schade – eine Bilanz

Analyse : 100 Tage Bayer-04-Chef Schade – eine Bilanz

Der Geschäftsführer der Werkself hat erste Spuren hinterlassen. In seiner Arbeit verbinden sich mehrere Rollen zu einem Gesamtbild.

Ein Phantomtor in Sinsheim, ein 0:5 gegen Manchester, ein Sieg in Dortmund, dazu die Vertragsverlängerungen von Lars Bender und Bernd Leno — die ersten 100 Tage von Michael Schade als Geschäftsführer von Bayer 04 waren wahrlich nicht ereignisarm. Schade selbst hinterließ seit dem 1. Oktober erste Spuren — in verschiedenen Bereichen, in unterschiedlichen Rollen. Eine Bilanz.

Der Medienprofi Der Ex-Journalist Schade kennt das Mediengeschäft. Ihm, der seit 2008 "Executive Vice President Global Corporate Communications" der Bayer AG war, sind die Mechanismen des Journalismus allzu gut vertraut. Waghalsige Interview-Aussagen oder verbale Verdribbler im Affekt sind ihm nicht zu entlocken. Wo Vorgänger Wolfgang Holzhäuser zuweilen auch als Bauch-Mensch formulierte, ist Schade in der Öffentlichkeit Kopf-Mensch. Beiden gleich ist indes die regelmäßige Präsenz nach Spielen in der Mixed-Zone. Unverständnis erntete Schade einzig, als er nach dem Phantomtor ohne Not die regeltechnisch unantastbar gute Position des Werksklubs aufgab, indem er kundtat, Bayer würde im Zweifelsfalle auch ein Wiederholungsspiel akzeptieren.

Der Konzernmensch 33 Jahre Arbeit in der Bayer AG haben Schade geprägt. Er kennt den Konzern in- und auswendig und hat sich auch auf die Fahnen geschrieben, den Mutterkonzern und seine 100-prozentige Tochter, die Bayer 04 Fußball GmbH, enger zu verzahnen. So will Schade das in der AG vorhandene Know-how für die Fußballer nutzen, so schwingt bei der Suche nach neuen Sponsoren und Märkten immer auch der Nutzen für den Hauptsponsor mit. Schade und Ex-Bayer-Chef Werner Wenning kennen sich aus gemeinsamen Jahren im Konzern. Nun besetzen sie als Geschäftsführer und als (in der Öffentlichkeit unsichtbarer, aber letztlich final entscheidender) Aufsichtsratsvorsitzender die zwei wichtigsten Positionen im Klub.

Der Entwickler Er wolle den Klub nicht umkrempeln, sondern von der Basis aus weiterentwickeln, die Holzhäuser hinterlassen habe, sagte Schade bei seinem Amtsantritt. Drei Punkte liegen ihm besonders am Herzen: die Erhöhung der Zuschauerzahl bei Heimspielen, die ergebnisoffene Innovation des Jugendbereichs und die Erschließung neuer Werbefelder außerhalb Europas. "Ich denke, man ist sich einig darüber, dass der Kuchen hierzulande eine Größe erreicht hat, aus der sich nur noch schwer mehr Scheiben herausschneiden lassen", sagte er Mitte Oktober im Interview mit unserer Zeitung.

Der Anpacker Das erste, das Schade intern anpackte, war, die Mitarbeiter zu bitten, einen Bayer-04-Pin auch in ihrer Freizeit ans Revers zu heften, um die Identifikation mit dem Arbeitgeber zu verdeutlichen. Die Resonanz auf diese Maßnahme ist ausbaufähig. Das hatte Schade einkalkuliert. Sein offensiv vorgetragenes offenes Ohr für die Fans untermauerte er unlängst, indem er bei den anstehenden Champions-League-Spielen gegen Paris St. Germain Dauerkarteninhaber und mitreisende Anhänger mittels verbilligter Ticketpreise belohnt.

Der Fan Schade macht keinen Hehl daraus, dass er sich zum Ende seines Berufslebens mit dem Job bei Bayer 04 auch einen Traum erfüllt hat. TV-Bilder zeigen ihn bei Spielen stets mit einem Fanschal um die Schultern, zudem scheint ihm die Protagonistenrolle im boomenden Fußballgeschäft nicht gerade zu widerstreben.

(RP)