Bayer 04 Leverkusen: 0:1 in Bremen trübt Hinrunden-Bilanz

Bayer 04 Leverkusen : 0:1 in Bremen trübt Hinrunden-Bilanz

Mit der zweiten Niederlage in Folge verpasst Bayer die Chance, die Krise beim BVB in einen beträchtlichen Punktevorsprung umzuwandeln.

Rudi Völler bemühte sich um Diplomatie in seiner Aussage. Aus alter Verbundenheit zu Werder Bremen sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor nach der überraschenden 0:1-Niederlage im Weserstadion: "Ich wäre auch mit einem Unentschieden total unzufrieden gewesen." Was er meinte, und was wohl auch alle neutralen Zuschauer nach den letzten 90 Minuten der so erfolgreichen Leverkusener Hinserie gedacht haben müssen, war indes eher das: Wie konnte eine qualitativ hoch überlegene Werkself eigentlich gegen eine gruselig limitierte Bremer Mannschaft ein Spiel verlieren?

Es ist eine Frage, die sie bei Bayer 04 als Hausaufgabe mit in die Weihnachtspause und die Rückrundenvorbereitung nehmen. Genauso wie den nachhallenden Groll, sich mit zwei Niederlagen zum Abschluss die Wahrnehmung der tollen Halbserie zerkratzt zu haben. "Zwei Niederlagen nach so einer tollen Vorrunde, das ist jetzt erst einmal ein Rucksack, den man mit sich trägt", gab Völler zu.

In Bremen füllte sich die Bayer-Elf diesen Rucksack mit der vierten Saisonniederlage, weil die Kräfte nicht mehr ausreichten, um tiefstehende und einzig auf Defensive eingeschworene Werderaner spielerisch auseinanderzunehmen. "Wir haben es nicht geschafft, wahnsinnig viele Torchancen herauszuspielen", sagte Kapitän Simon Rolfes. Ideenlos, zu langsam und nach Schema F trugen die Gäste ihre Angriffe vor, und selbst die Motivation, dem streitbaren und am Samstagabend vor Glück den Tränen nahen Ex-Trainer Robin Dutt die Festtage zu vermiesen, setzte keine erkennbaren Kräfte frei.

"Wir waren einfach nicht effektiv genug. Der letzte Wille, das Tor zu machen, der hat gefehlt", sagte Völler, während Geschäftsführer Michael Schade bemängelte: "Es wirkte in Teilen saft- und kraftlos." So verpasste Bayer 04 den möglichen Hinrundenrekord von 40 Punkten und darüber hinaus vor allem die Chance, aus der Krise des BVB einen fast schon nicht mehr aufzuholenden Vorsprung herauszuschlagen. "Das ist bedauerlich", fand Schade.

In der Rückrunde geht es nun für die Werkself darum, die Leistungen vor den beiden Abschlussniederlagen zu finden. Ob Zugänge wie ein Kevin de Bruyne dabei mitelfen werden, ist noch ungewiss. "Wenn es Dinge gibt, die Sinn machen, werden wir vielleicht was tun", sagte Völler. In jedem Fall Sinn macht es, die Leistung der Spieltage 16 und 17 zu analysieren. "Das schärft vielleicht wieder alle Sinne für die Rückrunde", sagte Rolfes.

(RP)
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