Ein „Virus“ in der Kabine Oberligist trennt sich wegen Baller League von fünf Spielern

Bonn · Das Statement ist emotional, der Schritt drastisch: FV Bonn-Endenich trennt sich mitten in der Saison der Mittelrheinliga von fünf Spielern, die parallel auch in der Baller League mitmachen. Der Sportdirektor ist enttäuscht von den Akteuren und kritisiert die Organisatoren um Lukas Podolski scharf.

Baller League: Mit Kevin Großkreutz - So lief der 3. Spieltag
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So lief der dritte Spieltag der Baller League

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Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Seit Mitte Januar findet in der Motorworld in Köln-Ossendorf jeden Montag die Baller League statt: ein neues Hallenfußball-Format der beiden Weltmeister Mats Hummels und Lukas Podolski. Sie soll den Straßenfußball in Deutschland wieder aufleben lassen und damit eine Alternative zum altbekannten Fußball-Business darstellen. Die Organisatoren setzen dabei auf einen Mix aus Ex-Profis, Promis, Influencern und Amateurkickern. An den bisherigen fünf Spieltagen schauten über die Streamingseite Twitch jeweils rund 150.000 Menschen zu. Auch im TV wird ein Spiel der Baller League bei ProSieben Maxx gezeigt.

Nun regt sich aber zum ersten Mal größerer Unmut gegen das neue Projekt: Mittelrheinligist FV Bonn-Endenich, als 14. der fünfthöchsten Liga akut abstiegsgefährdet, hat sich am Donnerstag von fünf Spielern getrennt, die allesamt bei der Baller League mitspielen. Das erklärt Sportdirektor Markus Köppe in einem 24-minütigen Video-Statement auf der Facebookseite des Vereins.

Die „Achse“ des Aufstieges ist plötzlich weg

Tom Wüstenberg, Leonardo Dos Santos, Benedikt Palm, Florian Schöller und FV-Kapitän Abdenbi Oubelkhiri werden demnach nicht mehr Teil des Bonner Kaders sein. Die fünf Akteure gehörten laut Köppe zur „Achse und dem Grundgerüst der Mannschaft, die uns in der vergangenen Saison in die Mittelrheinliga geschossen haben“ und seien auch im aktuellen Abstiegskampf „eklatant wichtige Spieler“ für den Verein. Alle fünf spielen in der Baller League für die „Protatos“.

Köppe führt in seinem emotionalen Statement mit teils deutlichen Worten aus, wie es zu der Entscheidung des FV Bonn-Endenich gekommen sei. Zunächst kritisiert der Sportdirektor die eigenen Spieler, die sich ohne Rücksprache mit dem Verein zum Auswahlverfahren der Baller League angemeldet hätten. „Wenige Tage bevor es losging, haben wir durch Zufall über ein Posting davon erfahren“, so Köppe. Damals soll es sich noch um drei FVE-Spieler gehandelt haben, denen der Verein nach einem Gespräch die Teilnahme zunächst erlaubte.

Der Sportdirektor des Mittelrheinligisten war dann auch an den ersten Spieltagen in Köln vor Ort, um sich selber ein Bild vom Projekt und seinen Spielern zu machen. Zum Start sei noch alles okay gewesen, Köppe betont in seinem Statement auch, dass die „Baller League ja im Grunde eine ganz schöne Sache“ sei.

Verletzungsrisiko und „Virus“ in der Kabine

Danach sei die Stimmung bei ihm aber gekippt, wie er berichtet. Zum einen habe er nicht gewusst, dass die Spieler bei der Baller League einen Vertrag unterschrieben hätten: „Da bekommt man als Sportdirektor Bauchgrummeln“. Zum anderen standen statt der vereinbarten drei plötzlich sechs Spieler des Vereins auf dem Platz. Und auch die Atmosphäre auf dem Feld sei am zweiten Spieltag eine andere gewesen: „Dieses Shine-and-Smile vom ersten Spieltag wurde abgelegt, und es ging richtig hart intensiv zur Sache. Dieses Verletzungsrisiko unserer Spieler wollen wir als FVE nicht tragen“, so Köppe.

Neben der Verletzungsgefahr spricht der Sportdirektor aber auch über eine „vergiftete Kabine“ in Bonn, die durch die Teilnahme einiger Spieler an der Baller League entstanden sein soll. „Der Fokus auf den Abstiegskampf hat sich völlig verschoben, es ging nur noch um die Baller League. Wie ein Virus hat sich das Ding bei uns durch die Kabine gezogen“. Ein Spieler hätte beispielsweise nicht gewusst, gegen wen der FVE am Wochenende spiele. Köppe legte daraufhin sein Veto gegen das Engagement der sechs Spieler ein.

Gespräch mit Baller-League Organisatoren

Fünf der sechs Spieler entschieden sich bei der Wahl zwischen Baller League und Mittelrheinliga nun aber wohl für das Hallenfußballprojekt und werden dem Bonner Verein, der seine erste Saison in der fünften Liga absolviert, im Abstiegskampf nicht mehr zur Verfügung stehen. Lediglich Jakub Merlan-Jarecki, so erzählt es der Sportdirektor, habe sich für den FVE entschieden.

Markus Köppe berichtet auch davon, dass Baller-League-Organisator Felix Starck vor zwei Wochen den Kontakt mit ihm gesucht habe, um die Wogen zu glätten. Das Telefonat hätte aber nichts mehr an der Entscheidung des Vereins geändert.

„Kirmesliga in einer Soccerhalle“

Der emotional aufgebrachte Sportdirektor betont in seinem Statement, dass seine deutlichen Worte keine Hetz-Kampagne gegen die Spieler und das Projekt seien. Dennoch richtet er dann auch kritische Worte an die Baller League. „Es kann nicht sein, dass sich Spieler für so eine Kirmesliga in einer Soccerhalle entscheiden. Die spielen einmal in der Woche für zweimal 15 Minuten und denken, dass sie da entdeckt werden“. Diese Entwicklung, dass eine Freizeitliga einem Fußballverein vorgezogen werde, mache ihm Angst.

Am Ende verbleibt Köppe mit einem Wunsch: „Ich weiß, wir sind nicht der einzige Verein, der mit Unmut reagiert. Und ich würde der Baller League empfehlen, sich mal mit den Vereinen in Verbindung zu setzen, um darüber zu sprechen.“ Für den FV Bonn-Endenich startet am Sonntag die Rückrunde in der Mittelrheinliga gegen den Siegburger SV und damit das Projekt Klassenerhalt. Für die fünf Ex-Spieler, die sich gegen den Abstiegskampf entscheiden haben, steigt am Montag der sechste Spieltag in der Baller League.

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