Fazit, Kritik, Ausblick So geht es nach der ersten Saison der Baller League weiter

Analyse | Düsseldorf · Die Debütsaison der Baller League liegt hinter den prominenten Teammanagern, Spielern und Fans. Das Final Four im ausverkauften Düsseldorfer Dome hat die Stärken des Hallenfußball-Projektes unterstrichen, aber auch die Probleme aufgezeigt. Wie es weitergeht.

Düsseldorf: So spektakulär war das Final Four der Baller League​
26 Bilder

So spektakulär war das Final Four der Baller League

26 Bilder
Foto: Georg Salzburg (salz)

Es benötigte schon einen zweiten Blick, um sich zu vergewissern, dass er es wirklich ist. Unter den vielen Prominenten, die sich beim ersten Final Four der Baller League im ausverkauften Düsseldorfer Dome auf dem Platz, den Trainerbänken und den Zuschauerrängen tummelten, stach ein Gast noch einmal besonders hervor: Tatsächlich stand da am Montagabend der französische Fußball-Weltmeister und Juventus-Turin-Star Paul Pogbader sich aktuell gegen eine Dopingsperre wehrt – in der Halle und verfolgte mit den insgesamt 12.000 Fans das Final Four der ersten Baller-League-Saison.

 Fußball-Weltmeister Paul Pogba war am Montag beim Final Four der Baller League in Düsseldorf zu Gast.

Fußball-Weltmeister Paul Pogba war am Montag beim Final Four der Baller League in Düsseldorf zu Gast.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Was der Weltmeister von 2018 zu sehen bekam, war der vorläufige Höhepunkt des neuen Hallenfußball-Projektes, das die beiden deutschen Fußball-Stars Lukas Podolski und Mats Hummels Mitte Januar ins Leben gerufen hatten. In den elf Wochen zuvor ermittelten die zwölf Teams, alle von prominenten Teammanagern aus der Fußball- und Unterhaltungsbranche unterstützt, die besten vier Mannschaften fürs Final Four.

Poldi-Team gewinnt erste Saison der Baller League

Für den Finalabend ging die Baller League am Montagabend den Schritt auf die ganz große Bühne. Aus der Motorworld in Köln-Ossendorf – mit 500 Fans vor Ort und stets über 100.000 Live-Zuschauern auf der Streamingplattform Twitch – in den mit 12.000 Plätzen ausverkauften Düsseldorfer Dome, wobei online ebenfalls Fans im sechsstelligen Bereich zuschauten. Nach einem langen Fußballabend mit drei temporeichen Partien, einem Live-Auftritt von Rapper Marteria und viel Prominenz auf und neben dem Feld, krönte sich Streets United, das Team von Mitgründer Podolski und Fußballspielerin Alisha Lehmann, zum ersten Sieger der Baller-League-Geschichte.

Gewinner des Abends war aber nicht nur das Siegerteam mit den Ex-Profis Sascha Bigalke und Julian Schieber, sondern das gesamte Format, wie es Baller-League-Chef Felix Starck in seinem Fazit durchblicken ließ: „Wir haben unsere Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen – mit der Hälfte an Zuschauern und sportlicher Qualität wären wir schon zufrieden gewesen.“ Man habe in der Debütsaison das geschafft, was schon zu Beginn als Ziel formuliert wurde. „60 bis 70 Prozent unserer Jungs waren mal in einem Nachwuchsleistungszentrum, haben den Sprung in den Profibereich aber nicht nachhaltig geschafft. Über Umwege bekommen sie jetzt doch noch große Aufmerksamkeit. Wir geben Straßenkickern eine Bühne“, so Starck weiter.

Die Spieler von Streets United jubeln über den Sieg bei der Baller League.

Die Spieler von Streets United jubeln über den Sieg bei der Baller League.

Foto: dpa/Bahho Kara

Wie sich das Publikum am Montagabend in Düsseldorf zusammengesetzt hat, davon war selbst der Cheforganisator ein wenig überrascht. „Ich hatte zu Beginn erwartet, dass unsere Zielgruppe jünger ist, aber ich sehe hier viele Menschen Mitte 20 und älter.“ Das merkte auch Tim Elsner, Marketingchef von Hauptsponsor Xing am Rande des Finalabends an. „Für uns ist es das perfekte Umfeld. Das Finale hat noch einmal alle Zutaten zusammengebracht, die den Erfolg der Baller League seit Beginn ausgemacht haben. Es ist Fußball, der anders ist, und ein Publikum anspricht, das vom traditionellen Fußball nicht mehr so sehr abgeholt wird“, so Elsner.

Neuhaus fühlt sich an den Hasseröder-Cup erinnert

Für Ex-Profi Hans Sarpei, der als Manager bei Eintracht Spandau Teil der Baller League ist, macht die Mischung aus „Entertainment und Fußball“ das Erfolgsrezept aus. „Viele kennen das so noch aus ihrer Kindheit – von der Straße und den Bolzplätzen. Aus meiner Sicht ist das eine spannende und einmalige Sache in Deutschland.“ Gladbachs Florian Neuhaus, der in der Debütsaison Teamkollege Christoph Kramer bei „Golden XI“ am Seitenrand unterstützt hat, verglich das Konzept mit den früheren Hallenfußballturnieren auf DSF. „Viele sind damit aufgewachsen, ich denke zum Beispiel an den Hasseröder-Cup. Ich bin froh, dass ich in der ersten Saison dabei sein durfte“, so der Borussia-Spieler.

Über den Reiz der Baller League sprach am Montag auch Ex-Profi Bastian Oczipka, der als wichtige Stütze im Team Calcio Berlin erst im Endspiel an Streets United scheiterte. „Die Stimmung hier ist außergewöhnlich und es macht unheimlich viel Spaß. Ich wollte zu Beginn eigentlich gar nicht mitspielen und habe mich dann zum Glück überreden lassen. Jetzt bin ich Feuer und Flamme“, so der Ex-Profi, der unter anderem für Leverkusen, Frankfurt und Schalke aufgelaufen ist.

Eine zweite Saison ist bereits angekündigt

Dem pflichtete auch Moritz Leitner von den Las Ligas Ladies bei. „Es ist ein Wahnsinn zu sehen, was hier nach zwölf Wochen entstanden ist“, so der ehemalige Spieler von Borussia Dortmund und VfB Stuttgart. „Dass sich Fanklubs gebildet haben und jetzt hier so eine große Halle voll machen, ist unglaublich. Und meiner Meinung nach ist noch kein Ende in Sicht.“

Davon gehen auch die Verantwortlichen aus und kündigten bereits die zweite Saison an. Mitte Juli geht es nach dem EM-Finale mit der nächsten Spielzeit weiter. Den Auftakt macht erneut ein Draft – ähnlich wie in den US-Sportarten – bei dem die prominenten Manager aus einem großen Spielerpool ihre Mannschaften zusammenstellen. Und schon jetzt steht fest: Alle Profifußballer, Promis und Influencer der Debütsaison bleiben an Bord – und es kommen sogar noch zwei weitere Mannschaften hinzu, sodass es in knapp drei Monaten mit 14 Teams in die reguläre Saison geht. Dann ist auch Ex-Profi Max Kruse mit Youtuber Knossi und dem gemeinsamen Team „Hollywood United“ wieder dabei: „Ich sehe hier noch enorm viel Potenzial und bin gespannt, welche Stadien in Zukunft noch gefüllt werden können, wenn die Liga noch größer wird.“

Felix Lobrecht, Montanablack und Co. sorgen für Reichweite

Die große Aufmerksamkeit, die die Baller League durch das Mitwirken der bekannten Teammanager bekommt, sei aus Sicht der Verantwortlichen von Anfang an ein Baustein für das schnelle Wachstum gewesen: „Das Line-Up ist erstklassig und aus meiner Sicht war es von Beginn an abzusehen, dass das Projekt so funktionieren würde – das hat man zuvor bereits an der Kings League in Spanien gesehen“, sagte Tim Elsner vom Jobnetzwerk Xing. Und auch Organisator Felix Starck erklärte die Relevanz der Teammanager für die Reichweite der Baller League: „Wir erreichen unsere Zuschauer über die unterschiedlichen Communitys. Felix Lobrecht erreicht andere Leute als Montanablack, Kontra K wiederum andere als Gamerbrother und die Tisis.“

Die Finalspiele in Düsseldorf haben noch einmal unterstrichen, wieso sich das Format in seiner Premierensaison so einer großen Beliebtheit erfreut hat: Torreiche Spiele, sehenswerte Dribblings und Treffer, spannende und unvorhersehbare Wendungen durch die Einführung neuer Spielmodi oder Sonderregeln, bekannte Promis und Ex-Fußballstars, die beim Allstar-Game gegeneinander antraten – und eine Halle voller Fans, die sich zum Teil bereits in Fanklubs organisiert haben und mit Fahnen, Trommeln und Choreografien für Stimmung gesorgt haben.

Starck: „Unzählige Dinge, die wir besser machen können“

An dem Abend wurde aber ebenso deutlich, welche Aspekte für die kommende Saison noch verbessert werden könnten. Schon die regulären Spieltage erstreckten sich in der Regel von 18.15 Uhr bis nach Mitternacht über sechs Stunden. Auch das Final Four am Montag startete um 18 Uhr und war erst kurz vor 24 Uhr beendet. Insbesondere für einen Großteil der Fans vor Ort war das offensichtlich ein zeitliches Problem, denn mit dem Abpfiff des Endspiels leerten sich die Ränge schlagartig – sodass bei der Siegerehrung nur noch wenig Zuschauer vor Ort waren.

Sowieso fühlten sich einige Elemente in der Halle noch so an, als wären sie eher für die Zuschauer im Online-Stream und nicht die Fans vor Ort konzipiert: Die Akustik der Interviews war in den meisten Fällen zu leise, dafür war die Lautstärke von Rapper Marteria viel zu laut für die Halle, zwischen den Spielen und Showeinlagen vergingen teilweise mehrere Minuten, ohne dass überhaupt etwas passierte – für einige Fans vor Ort war das ein Ärgernis.

Auch die über die Saison immer wieder geäußerten Probleme mit dem schlechten Rasen in Köln waren beim Final Four in Düsseldorf sichtbar. Häufig rutschten Spieler aus und weg, da sie zu wenig Halt hatten. Cheforganisator Starck kündigte am Montag an, dass man die Premierensaison in naher Zukunft analysieren werde, um daraus mögliche Veränderungen abzuleiten. Schon im laufenden Spielbetrieb haben die Verantwortlichen immer wieder kleine Änderungen am Format vorgenommen und sind dabei auch auf Feedback aus der Community eingegangen. „Es gibt unzählige Dinge, die wir noch besser machen können – daran werden wir arbeiten“, so Starck.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort