1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. FC Köln

Trainer Steffen Baumgart weckt den 1. FC Köln auf

Emotionaler Trainer : Baumgart weckt die Kölner auf

Der Trainer verlangt Mut und Angriffslust von seinen Spielern. Die zeigt er auch selbst eindrucksvoll am Spielfeldrand. Damit belebt er den Abstiegskandidaten der vergangenen Saison und begeistert einen ganzen Klub.

Steffen Baumgart ist herumgekommen in seinem Fußballleben. Er spielte bei zehn Klubs in der Herren-Mannschaft, und der 1. FC Köln ist seine siebte Station als Trainer. Eine gewisse Rastlosigkeit zeichnet ihn auch bei der Arbeit in der Öffentlichkeit aus. Den Sitzplatz am Spielfeldrand können sich seine Vereine sparen. Denn Baumgart tigert 90 Minuten an der Linie entlang, unterbrochen von jenen stilbildenden Momenten, in denen er die Hände auf die Oberschenkel stützt, die Mütze ins Genick schiebt und gebeugt aufs Feld starrt. Mit einem Sumoringer hat ihn der ebenfalls so laufstarke Freiburger Kollege Christian Streich verglichen.

Die Statur passt nicht so ganz, die Explosivität schon. Baumgart ist ein Schauspiel an der Linie. Aber er ist kein Schauspieler. Er sieht sich eher als Vorbild. „Wenn der Trainer läuft, traut sich kein Spieler, nicht zu laufen“, sagt er.

So hat er den 1. FC Köln buchstäblich zum Laufen gebracht. Der Beinahe-Absteiger der vergangenen Saison marschiert derart unverdrossen durch die Liga, dass es eine wahre Freude ist. Selbstverständlich blühen im zu bildschönen Extremen neigenden Köln bereits wieder die fröhlichsten Träume. Auf Platz sieben liegt die Mannschaft nach fünf Spielen. Und Baumgart ist es offenbar gelungen, den vor allem in der Geisterspielphase der Corona-Pandemie in leiser Depression dahindämmernden Klub aufzuwecken.

Das hat natürlich etwas mit seiner Haltung zu tun. Einer seiner Grundsätze: „Langweiligen Fußball will ich nicht sehen.“ Baumgart verordnet Spektakel, Offensive und Leidenschaft. Selbst in München, wo andere FC-Mannschaften in stummer Opferbereitschaft die alljährliche Klatsche abholten, ließ er nach einer erfolgreichen Aufholjagd, in der aus einem 0:2 ein 2:2 geworden war, munter weiter stürmen. Dass es auch deshalb am Ende ein 2:3 gab, schien ihn gar nicht zu stören. Und dass ihm so mancher Naivität unterstellte, auch nicht. Kritikern hält er entgegen: „Es mag den einen oder anderen überraschen, aber ich habe schon das Gefühl, dass ich ein bisschen Ahnung vom Fußball habe.“ Darüber hinaus kann er sich selbst begeistern am Mut eines Außenseiters, der das scheinbar Unmögliche wagt. Diese Begeisterung überträgt er auf Mannschaft und Fans.

Das ist viel schwieriger, als es aussieht. Wäre es leicht, würden es ja alle machen. Es braucht schon eine große Persönlichkeit und entsprechendes Charisma. In dieser Hinsicht ist der Mann von der Küste Mecklenburg-Vorpommerns wie der ungleich berühmtere Schwarzwälder mit dem Zahnpasta-Werbelächeln. Jürgen Klopp weckte Borussia Dortmund und machte den BVB zur dauerhaften Spitzenmannschaft. Zuvor lehrte der Volkstribun das Fußballvolk in Mainz, dass mit Begeisterung und Sachverstand auch die Kleinen großen Erfolg haben können.

  • Überblick : Die Verträge der Bundesliga-Trainer
  • Steffan Bazmgart (r).
    Trainer Steffen Baumgart : Kölns „Löwe an der Linie“ träumt von langer Amtszeit beim FC
  • Nicht alle Baustellen geschlossen : So haben sich die Bundesligisten auf dem Transfermarkt geschlagen

Das Wort „klein“ kommt Baumgart im Zusammenhang mit dem 1. FC Köln gar nicht erst in den Sinn. „Nennen Sie mir größere Vereine als den FC“, erklärte er neulich einem, der wissen wollte, ob Köln eine Art Durchgangsstation zu größeren Aufgaben sein könne, „es gibt nur drei: Der eine spielt in der Zweiten Liga, der zweite wird immer Deutscher Meister, der dritte versucht, Deutscher Meister zu werden.“ Seither streiten die Gelehrten, ob der „eine“ Schalke 04 oder der Hamburger SV ist. Aus diesem Streit hält Baumgart sich heraus. Für ihn steht fest: „Ich bin bei einem großen Klub, und ich hoffe, dass ich noch lange hier bin.“ Klopp arbeitete sieben Jahre für Dortmund. In Köln hat das zu Bundesligazeiten noch niemand geschafft. Wenn es dem so rastlosen Baumgart gelingen sollte, dann hätte er den großen FC wirklich nachhaltig verändert. Und nicht nur für fünf Spieltage. Das fänden wahrscheinlich viele ziemlich gut – außer in Mönchengladbach vielleicht.