Kolumne "Gegenpressing": Treu!

Kolumne "Gegenpressing" : Treu!

Der moderne Fußball wird in diesen Tagen immer wieder gescholten. Er bietet ja auch so herrlich viele Angriffspunkte. Videobeweis. Anstoßzeiten. Montagsspiele. Millionengehälter. Die Liste ließe sich beliebig fortschreiben, denn jede Woche kommen neue kuriose, absurde Geschichten dazu. Man ist mitunter schon derart verroht, dass man sich über die kleinen Hoffnungsschimmer überhaupt nicht mehr angemessen freut.

In einer Welt voller Fußballer, die ein immer größeres Stück vom Kuchen haben wollen, gibt es sie noch: die Treuen. Jonas Hector und Timo Horn bekennen sich trotz so gut wie sicherem Abstieg zum 1. FC Köln. Das verdient Respekt.

Der moderne Fußball wird in diesen Tagen immer wieder gescholten. Er bietet ja auch so herrlich viele Angriffspunkte. Videobeweis. Anstoßzeiten. Montagsspiele. Millionengehälter. Die Liste ließe sich beliebig fortschreiben, denn jede Woche kommen neue kuriose, absurde Geschichten dazu. Man ist mitunter schon derart verroht, dass man sich über die kleinen Hoffnungsschimmer überhaupt nicht mehr angemessen freut.

Doch es gibt sie noch. Und der 1. FC Köln hat ein großes Kapitel zu dieser Rubrik in den vergangenen Tagen beigesteuert. Was ist das für ein starkes Signal von Jonas Hector, sich nicht fluchtartig nach dem nahezu feststehenden Bundesligaabstieg von seinem Arbeitgeber zu verabschieden, sondern öffentlich seine Treue zu verkünden? Was ist das für ein starkes Zeichen, in einer Branche voller Spieler wie Max Meyer, die offenbar den Hals nicht voll bekommen, die ein immer größeres und noch größeres Stück vom Kuchen haben möchten - wenngleich ihre Leistungen eher dazu anraten, sie für eine Weile auf Schonkost zu setzen.

Nun also Hector. Der 27-Jährige entscheidet sich gegen deutlich mehr Geld an anderer Wirkungsstätte, Dortmund wurde als Alternative spekuliert, und bleibt in Köln. Er fühle sich einfach dort am wohlsten. Man kauft ihm das auch ab. Und dazu muss man nicht einmal hartgesottener Anhänger der Domstädter sein. In Köln hat offensichtlich eine Mannschaft zusammengefunden. Typen, die Lust haben, miteinander Fußball zu spielen. Timo Horn, der Torwart, bleibt auch. Weitere Spieler, so heißt es, würden nach diesen Signalen auch eher für einen Verbleib votieren.

Das Risiko für Hector, Horn und Co. ist freilich überschaubar. Mit einem Millionen-Etat ausgestattet und schon jetzt mit etlichen Fachkräften besetzt, wird es nur eine Saison dauern, bis der Betriebsunfall Abstieg vom 1. FC Köln wieder repariert worden ist. Und dennoch gehört eine Menge dazu, diesen Umweg auch tatsächlich zu gehen. Niemand hätte Nationalspieler Hector verdammt, wenn er sich für einen Wechsel entschieden hätte. Niemand hätte Horn beschimpft, wenn er eine neue Perspektive gesucht hätte. So haben sich beide etwas viel Wichtigeres verdient: Respekt.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Jonas Hector

(gic)
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