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Conference League: Steffen Baumgarts bemerkenswerte Selbstkritik​

„Muss vielleicht noch lernen“ : Baumgarts bemerkenswerte Selbstkritik

Die Euphorie war groß, die Ernüchterung am Ende auch: Dem 1. FC Köln droht nach der 1:2-Heimniederlage gegen Fehérvár FC das Verpassen der Gruppenphase in der Conference League. Vom Weiterkommen sind dennoch alle Kölner überzeugt.

Nach seinem bitteren Europacup-Debüt als Trainer übte Steffen Baumgart bemerkenswerte Selbstkritik - und das gleich zweimal im Abstand von 14 Stunden. „Das sind Situationen, in denen vielleicht der Trainer auch noch lernen muss“, hatte der Coach des 1. FC Köln am Donnerstagabend nach dem 1:2 im Play-off-Hinspiel zur Conference League gegen Fehérvár FC gesagt: „Da hat er vielleicht auch nicht immer die Erfahrung, dass er auf jede Situation richtig reagiert.“

Als er am Freitagmittag wieder vor die Presse trat, wiederholte und erläuterte der 50-Jährige auch ohne das Adrenalin des Spiels sein ungewöhnliches Eingeständnis. „Für mich ist das auch ein Lernprozess“, sagte der Fußballlehrer: „Nicht nur die Spieler gehen einen Weg. Den gehe ich auch.“

Baumgart bezog sich nach seinem 199. Spiel als Profi-Coach aber nicht auf seine Gelbe Karte wegen Meckerns. Sondern seine taktische Maßnahme nach der Roten Karte von Jeff Chabot in der 20. Minute beim Stand von 1:0. Statt auszuwechseln, stellte Baumgart um, beorderte Außenverteidiger Kristian Pedersen nach innen und korrigierte seinen bis dahin gelungenen Schachzug, Kapitän Jonas Hector ins zentrale Mittelfeld zu ziehen. Plötzlich stimmten die Zuordnung und die Laufwege nicht mehr. „Die Lösung war nicht sofort ersichtlich“, sagte Baumgart: „Ich hoffe, dass wir künftig schneller eine Lösung für eine Rote Karte haben. Noch besser wäre, wenn wir gar keine kriegen.“

Zur Halbzeit brachte er Innenverteidiger Luca Kilian für Pedersen. Doch da lag sein Team nach Toren von Budu Zivzivadze (32.) und des gebürtigen Berliners Palko Dardai (40.), Sohn von Ex-Hertha-Coach Pal Dardai, schon zurück. „Ich habe mich direkt warm gemacht. Aber es liegt natürlich im Ermessen des Trainers, was er macht“, antwortete Kilian auf die Frage, ob er mit einer Einwechslung direkt nach dem Platzverweis gerechnet habe. Nach der Pause - und dem Wechsel - war der FC wieder in der Spur, zum Ausgleich reichte es aber nicht mehr.

So steht nun viel auf dem Spiel im Rückspiel am kommenden Donnerstag in Ungarn. Finanziell braucht der Bundesligist die Zusatzeinnahmen von rund zehn Millionen für den Einzug in die Gruppenphase dringend. Und für die Euphorie im Umfeld wäre das Playoff-Aus nach dem Scheitern in der ersten DFB-Pokalrunde ein echter Genickschlag.

Doch mit einer Mischung aus Trotz und Überzeugung stellten die FC-Profis nach der Niederlage Optimismus zur Schau. „Wir werden versuchen, im Rückspiel da hinzufahren und denen den Arsch aufzureißen“, sagte Kilian: „Und ich bin guter Dinge, dass uns das mit Elf gegen Elf gelingen wird.“

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Daran glaubt auch Ex-Nationalspieler Hector. „Da wurden schon ganz andere Ergebnisse gedreht“, sagte der Kapitän am zehnten Jahrestag seines Profi-Debüts für den FC: „Wir waren sogar mit zehn Mann überlegen. Da ist auf jeden Fall was drin nächste Woche.“

Fehérvárs deutscher Trainer Michael Boris war dagegen vorsichtig. „Das war ein sehr toller Fußball-Abend für uns und den ungarischen Fußball“, sagte der gebürtige Bottroper: „Aber in der zweiten Halbzeit konnte man nicht sehen, wer elf und wer zehn Mann auf dem Platz hatte. Da mussten wir hintenraus richtig leiden.“ Deshalb wisse er nicht, was am kommenden Donnerstag passiert. „Aber wir werden vorbereitet sein.“ Doch der FC und Baumgart haben ebenfalls ihre Lehren gezogen.

(lonn/dpa)