1. FC Köln: "Wilde Horde" provoziert mit Choreografie

Ultragruppe feiert 20. Geburtstag: "Wilde Horde" provoziert mit Choreografie

Die Kölner Ultragruppierung "Wilde Horde" hat beim Heimspiel des FC gegen Borussia Dortmund am Samstag ihren 20. Geburtstag gefeiert. Dabei zeigte die "Wilde Horde" vor Anpfiff eine mehr als zweifelhafte Choreografie.

Als die Mitglieder der "Wilden Horde" am Samstag vor dem Anpfiff der Bundesligapartie zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund über der kompletten Südkurve eine riesige Blockfahne enthüllten, staunten die restlichen Fans im Rhein-Energie-Stadion nicht schlecht. Aus der Bewunderung über die eigentlich tolle Choreo wurde schnell Fassungslosigkeit: Auf der Blockfahne waren zahlreiche Anspielungen auf die dunkelsten Stunden der "Wilden Horde" zu sehen.

Darunter eine Zeichnung des Gladbacher Fanbusses, den mittlerweile Ex-Mitglieder der Ultra-Gruppierung im März 2012 auf einer Autobahnraststätte mit Steinen beworfen hatten. Oder die geklaute Zaunfahne der Ultras Mönchengladbach. Oder der Platzsturm in Mönchengladbach mit weißen Maleranzügen im Februar 2015. Außerdem war das Logo der befreundeten Supras aus Paris sowie die Zahlen "1312" zu lesen — ein Code für die Buchstabenkombination "ACAB", was "All Cops are Bastards" bedeutet. Von den Sitzplätzen gab es als Reaktion einige Pfiffe. Garniert wurde die Blockfahne von Pappschildern mit der Aufschrift "Uefa Mafia". Unter der Fahne war zu lesen: "Der Schlüssel zur Unsterblichkeit ist es, ein Leben zu führen, an das man sich erinnert."

Womöglich wollte die "Wilde Horde" mit dieser Choreo nur an die Probleme erinnern, die sie in der Vergangenheit immer wieder hatte. Allerdings wäre es wohl besser gewesen, die Kölner Ultras hätten auf die Details verzichtet anstatt sie zu verherrlichen — das jedenfalls könnte man beim Anblick der riesigen Blockfahne annehmen.

  • Köln lacht Sorgen weg : Geschlossene Gesellschaft
  • Bundesliga 16/17 : Hier muss Modeste querlegen

Auch unter den Köln-Fans ist eine hitzige Diskussion darüber entbrannt, ob die Choreo nun übertrieben war oder nicht. Ja, sagen die einen, nein, die anderen. Als Begründung führen sie an, dass jene Ereignisse, von denen sich die "Wilde Horde" distanziert, in Grau gehalten waren — so wie der Angriff auf den Mönchengladbacher Fanbus. Im Fan-Forum ist von "kritischer Selbstreflexion" die Rede.

Vielleicht ist es das. Dennoch ist die Choreo der "Wilden Horde" für Außenstehende ein bisschen befremdlich. Und dass der Verein eine solche Choreo tatsächlich erlaubt hat, ist kaum vorstellbar.

(seeg)