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1. FC Köln: Timo Horn empfiehlt sich bei Borussia Dortmund für höhere Aufgaben

Kölner Torwart sichert 0:0 : Timo Horn empfiehlt sich für größere Aufgaben

Timo Horn (21) steht nicht im dringenden Verdacht, zum Überschwang zu neigen. Deswegen wehrte der Torwart des 1. FC Köln Glückwünsche zum siebten torlosen Unentschieden der Saison ebenso reaktionsschnell ab wie die wenigen, aber gefährlichen Schüsse, die zuvor im ehemaligen Dortmunder Westfalenstadion auf sein Tor geflogen waren.

Die Kölner zeigten auch Borussia Dortmund, warum sie auswärts zu den besten Teams der Bundesliga gehören. Über weite Strecken versperrten sie dem BVB durch gute Laufarbeit, prima Raumaufteilung und taktisches Verständnis die Entfaltungsmöglichkeiten im offensiven Zentrum. Das war der Schlüssel zu einem verdienten Punktgewinn, der nur in der Schlussphase ein wenig in Gefahr geriet. Da erinnerten sich einige Dortmunder - vornehmlich der eingewechselte Kevin Kampl - daran, dass Fußball auch ein Laufspiel ist. Köln stand ein paar Minuten mit dem Rücken zur Wand, aber es wusste diesen kühlen, ziemlich erwachsenen 21-Jährigen hinter sich. Horn parierte unter anderem einen im letzten Moment komisch abgefälschten Schuss von Marco Reus mit der Selbstverständlichkeit des großen Könners.

Horn für kommenden Nationaltorhüter gehalten

Er muss sich nicht darüber wundern, dass ihn nicht nur die besonders euphorischen Fans seines Klubs für einen kommenden Nationaltorhüter halten. Doch auch auf solche Lobpreisungen reagiert er defensiv und mit einem Griff in die Kiste der Stellungnahmen wohlerzogener Berufsspieler. "Natürlich ist es mein großes Ziel, über die U 21 in den Kreis der Nationaltorhüter aufzurücken", erklärte er, "ich kann mich jetzt in der Bundesliga jede Woche zeigen und auf höchstem Niveau beweisen. Mein Traum war es von klein auf, mit dem 1. FC Köln in der Bundesliga zu spielen. Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen. Jetzt will ich dabei helfen, den FC in der Bundesliga zu etablieren." Er unterstreicht das mit Leistungen und mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2019. Sollte eines vielleicht nicht fernen Tages der sportliche Stellenwert des 1. FC Köln nicht mehr völlig mit Horns Ansprüchen übereinstimmen, wird der Klub auf jeden Fall eine sehr ordentliche Ablösesumme kassieren.

Vorerst jedoch darf der "Effzeh" in Erstliga-Kategorien denken. Und vorerst schaut Horn lieber nicht über den Zaun des Geißbockheims hinweg. Er ist klug genug zu erkennen, dass in Köln etwas wächst, das wenig Ähnlichkeit mit dem von vielen Aufgeregtheiten immer wieder erschütterten Karnevalsverein der jüngeren Vergangenheit hat. Trainer Peter Stöger bringt nicht nur in seinen Auftritten eine fast schon schwerblütige Gelassenheit aufs Parkett, er verordnet seinem Team auch eine unterkühlte Art des Fußballs. So etwas bringt Punkte, selbst wenn es dem Klub über die Stadtgrenzen hinaus wenig neue Freunde beschert. Allenfalls Anerkennung für die Fähigkeit, ganz nüchtern Kosten und Nutzen abzuwägen. Profisport nennt man das.

In dieser Hinsicht, auch gemessen an den fußballerischen Möglichkeiten, war Köln den Dortmundern am Samstag überlegen. "Wir haben uns zu wenig bewegt", räumte der Dortmunder Star Marco Reus zerknittert ein. Das sagt einiges über einen (vorübergehenden) Mangel an Einstellung aus. Reus' Kumpel Pierre-Emerick Aubameyang übertraf seine Kollegen in dieser Frage noch. Er leistete sich ein geschmackloses Handtor nach einem Hechtsprung durch den Strafraum. Danach bekam er die Gelbe Karte, und er lächelte schief wie ein ertappter Lausejunge. Es war sein einziger Auftritt in diesem Spiel.

(RP)