1. FC Köln: Sportchef Armin Veh klagt über fehlendes Vertrauen

Ärger beim 1. FC Köln : Armin Veh klagt über fehlendes Vertrauen

Der 1. FC Köln steht wieder an der Spitze der 2. Liga - und verlebt doch ein stürmisches Karnevalsfest. Sportchef Veh beklagt einen Vertrauensverlust, ein Machtkampf mit Präsident Werner Spinner bahnt sich an. Und sogar über Vehs Rücktritt wird spekuliert.

Es stürmte, es regnete, und der Rosenmontagszug wurde zum perfekten Gleichnis für die Situation beim 1. FC Köln. Bunt gekleidet standen die Jecken auf den Festwagen, die Karnevalskapellen gaben alles, auch die Massen schunkelten mit - und dennoch wirkte irgendwie alles ein wenig grau. Und ungemütlich. Wie beim größten Fußballklub der Stadt.

Zwar steht der FC nach drei Siegen in neun Tagen wieder an der Spitze der 2. Bundesliga, doch in der Führung des Klubs drückt ein Machtkampf auf die Stimmung, der sich zum Sturm auswachsen könnte: Manager Armin Veh hat Spekulationen um seinen Abgang losgetreten.

"Es gibt für mich ein Problem innerhalb des Vereins", sagte der 58-Jährige nach dem wichtigen 2:1-Sieg am Sonntag beim FC Ingolstadt im Gespräch mit Kölner Journalisten. Dieses Problem habe "mit Vertrauen zu tun und ist wenig reparabel".

Die Person, an der sich Veh rund 15 Monate nach seiner Amtsübernahme beim FC derart reibt, ist offenbar Klub-Präsident Werner Spinner. Nach der enttäuschenden 2:3-Niederlage beim SC Paderborn vor zweieinhalb Wochen hatte Veh die Mannschaft und das Trainerteam um Markus Anfang in seiner Funktion als Sportchef deutlich kritisiert und öffentlich Druck ausgeübt.

Spinner soll darin ein Fehlverhalten Vehs gesehen und sich mehr Rückendeckung für den Coach gewünscht haben - dies bemängelte er intern aber angeblich hinter Vehs Rücken. Der 70-Jährige weilte zuletzt im Ski-Urlaub und wurde erst am Rosenmontag zurück in Köln erwartet. Laut Express will er öffentlich zunächst nichts zum Thema sagen, sondern zunächst das Gespräch mit Veh suchen.

Allerdings sprach dieser schon bemerkenswert offensiv, er schien nicht sonderlich daran interessiert, dem Präsidenten Brücken zu bauen. "Wenn man bei mir einen Vertrauensverlust hat, kann man das nicht reparieren", sagte Veh, und: "Ich weiß nicht, was das für Konsequenzen hat. Aber irgendwann gibt es welche."

Fraglich ist nun, welche Absichten der frühere Stuttgarter Meistertrainer verfolgt. Dass Veh tatsächlich seinen Abgang vorbereitet, scheint möglich, sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2020. Allerdings wird im September der Klub-Vorstand ohnehin neu gewählt. Und eine weitere Amtszeit Spinners wirkte schon vor Vehs jüngsten Äußerungen aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich.

Denkbar also auch, dass Veh mit Blick auf den Spätsommer schon mal den Machtkampf mit Spinner probt. So oder so könnten dem FC ungemütliche Monate bevorstehen. Dabei böte der Blick auf die Tabelle ja durchaus Anlass zur Heiterkeit.

(dpa/sid/old)
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