1. FC Köln: Leiche klopft von innen an den Sargdeckel

Köln hat nach Derbysieg wieder Hoffnung: FC-Leiche klopft von innen an den Sargdeckel

Beim 1. FC Köln keimt wieder einmal neue Hoffnung auf. Nach 190 Tagen hat der FC die Rote Laterne in der Bundesliga nach dem 2:0-Derbysieg gegen Bayer Leverkusen abgegeben.

Leonardo Bittencourt konnte sich gar nicht mehr einkriegen. "Wir haben von innen an den Sargdeckel geklopft, die Leiche lebt noch", sagte der Derbyheld des 1. FC Köln emotional aufgewühlt nach dem hochverdienten 2:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen, der dem ersten Bundesliga-Meister im Kampf um den Klassenerhalt neue Hoffnung gegeben hat.

Nach 190 Tagen hatten die Geißböcke die Rote Laterne des Tabellenletzten, die sie 24 Spieltage getragen haben, an den Hamburger SV weitergegeben und damit vor der Länderspielpause für eine nicht mehr geglaubte Aufbruchstimmung in der Domstadt gesorgt. "Das ist ein Zeichen, dass wir noch am Leben sind, und berechtigt uns, weiter vom Wunder zu träumen", sagte denn auch FC-Trainer Stefan Ruthenbeck, der erstmals in seiner Amtszeit in der Tabelle eine Verbesserung ablesen konnte.

Der umtriebige Japaner Yuya Osako (9. Minute) und Simon Zoller (69.) hatten für den fünften Saisonsieg der Kölner gesorgt. Bittencourt, den Ruthenbeck nach der Partie liebevoll als "Straßenköter" bezeichnete, war die Seele des Mannschaft, die auch spielerisch zu überzeugen wusste. "Das hat mir am meisten imponiert", sagte Sportchef Armin Veh, "wir haben wieder mal bewiesen, dass wir auch gegen Spitzenmannschaften bestehen können".

Köln spielt noch gegen Mainz und Wolfsburg

Bei je fünf Punkten Rückstand auf Relegationsplatz 16 (FSV Mainz) und Nichtabstiegsplatz 15 (VfL Wolfsburg) steht der FC allerdings nach wie vor einer Herkulesaufgabe. "Es ist schön, dass wir endlich vom letzten Platz weggekommen sind. Wir haben die Konkurrenten unter Druck gesetzt, und wir werden in den restlichen sieben Spielen weiter alles versuchen", sagte Torwart Timo Horn und verwies auf die noch ausstehenden Duelle gegen Mainz (7. April) und zum Saisonabschluss in Wolfsburg (12. Mai).

Dass auch noch Bayern München und Schalke 04 als Gäste im Restprogramm auftauchen, schreckt nach dem Auftritt gegen Leverkusen beim dreimaligen deutschen Meister keinen mehr. Der Glaube ist jedenfalls zurück. "Wir wollen das ganz Große erreichen", sagte Bittencourt. Er meinte den Klassenerhalt. Es wäre eine beispiellose Aufholjagd, wenn es der FC zumindest noch in die Relegation schaffen sollte. Aufgegeben hatte sich die von Ruthenbeck seit dem Jahreswechsel neu ausgerichtete und auf Aggressivität in den Zweikämpfen getrimmte Mannschaft freilich nie.

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"Es war aber schwer, wenn du nach Niederlagen immer in einer bedrückten Stimmung in die neue Trainingswoche gestartet bist", sagte Verteidiger Dominique Heintz. "Es tut deshalb extrem gut, das Tabellenende verlassen zu haben." Seit dem 3. Spieltag standen die Kölner auf dem letzten Platz, den sie nun an den Hamburger SV abgegeben haben. Ruthenbeck erkannte "ein Zeichen, dass wir noch am Leben sind".

Tränen bei Dominic Maroh

Es war ein Sonntagnachmittag mit viel "Jeföhl". Abwehrchef Dominic Maroh vergoss auf dem Platz Tränen, als die Anspannung abgefallen war. Seit November war er nicht mehr zum Einsatz gekommen, auf eine Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrags durfte der 31-jährige Deutsch-Slowene bislang auch nicht mehr hoffen - trotzdem präsentierte er sich als einer der Anführer. "In der Mannschaft stimmt es", stellte Bittencourt fest.

Trotz der ernüchternden Tabellensituation habe es keinerlei Auflösungserscheinungen gegeben. Dass die Besten, wie der angeblich von Borussia Dortmund ausgeguckte Jonas Hector oder Torwart Horn umworben werden, ist für ihn ein normaler Vorgang. "Ich glaube aber, dass fast alle bleiben werden, wenn wir die Klasse halten", sagte Bittencourt. Bis dahin ist es freilich ein weiter Weg.

Doch selbst beim Abstieg hätte dieser Sonntagnachmittag eine besondere Bedeutung im rheinischen Fußball-Universum. "Beide Derby-Heimspiele gewonnen - das ist die Hauptsache", meinte Heintz. Mitte Januar hatten sich der FC schon in dem für die Fans ungleich wichtigeren Treffen mit Borussia Mönchengladbach mit 2:1 durchgesetzt.

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(areh/sid/dpa)