1. Sport
  2. Fußball
  3. 1. FC Köln

1. FC Köln: Darum hält diese Saison den Rheinländern den Spiegel vor

Konstante Inkonstanz : Darum hält die Saison dem 1. FC Köln den Spiegel vor

Der 1. FC Köln ist ein Phänomen. Für manche ist er eine Religion, andere halten ihn für einen Chaosklub. Von himmelhoch jauchzend, bis zu Tode betrübt, beim FC ist von Jahr zu Jahr eigentlich alles dabei. So auch in dieser Saison. Eine Analyse.

Am Samstag könnte es so weit sein. Dann könnte der 1. FC Köln im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt den Klassenerhalt endgültig perfekt machen. Dass den Rheinländern dies gelingen würde, hätten im vergangenen Dezember nicht sonderlich viele für möglich gehalten. Am Ende kann man fast enttäuscht darüber sein, dass es nur für einen Rang im unteren Mittelfeld reichen wird. Von Trainerwechsel bis Europa-Hoffnungen: Beim Effzeh war auch in dieser Saison wieder alles dabei.

Dabei nahm das Chaos bereits in der vergangenen Saison seinen Lauf. Trainer Markus Anfang und Sportvorstand Armin Veh wollten die Kölner nach dem Abstieg 2018 direkt wieder in die Beletage des deutschen Fußballs führen. Der Glaube, dies gemeisam zu bewerkstelligen, hielt allerdings nur neun Monate. Veh sah sich Ende April, als souveräner Tabellenführer, dazu genötigt, Anfang zu entlassen. Man könne sich nicht mehr mit dem Spielstil der Mannschaft identifizieren, hieß es. Interimstrainer André Pawlak übernahm und schaffte prompt ein Novum, indem er in seinem ersten Spiel den Aufstieg perfekt machte.

Zur neuen Saison übernahm dann Achim Beierlorzer das Kommando in der Domstadt. Ein Trainer, der für ansehnlichen Offensivfußball steht. Seine Devise: Gegenpressing mit Mentalität. Veh stand nun unter Druck, musste er sich nun auch selbst an dem neuen Trainer messen lassen. Der Erfolg war überschaubar. In den ersten elf Spielen holten die Kölner nur sieben Zähler. Anfang November zog er die Konsequenzen und löste seinen Vertrag auf. Wenige Tage später musste dann auch Beierlorzer gehen, die Rheinländer standen erneut vor einem großen personellen Umbruch.

Doch der Effzeh wäre nicht der Effzeh wenn er nicht wieder aufstehen würde. Horst Heldt wurde als neuer Sportchef verpflichtet, Markus Gisdol nahezu zeitgleich als Cheftrainer angestellt. Und die beiden Personalien sollten sich zumindest kurzfristig als Glücksgriff herausstellen. Nach kurzer Eingewöhnungsphase startete der FC eine wahre Erfolgsserie, gewann in zehn Spielen achtmal und nährte immer weiter die Hoffnung der Fans auf Europa. Es war ein nahezu beispielloser Aufstieg: Köln, der Aufsteiger, der kurz vor Weihnachten schon mausetot schien, nur drei Monate später auf dem Weg ins internationale Geschäft. Doch dann kam das Coronavirus. Und der erneute Einbruch.

Denn dass für den „spürbar anderen“ Klub, wie es im eigenen Slogan heißt, die eigenen Fans eine tragende Rolle spielen, zeigt sich besonders in dieser Zeit. Zu Beginn der Rückrunde noch von einer wahren Euphoriewelle getragen, gewann Köln seit der Einführung der Geisterspiele kein einziges Spiel mehr. Drei Punkte aus acht Spielen heißt die magere Ausbeute - nur Schalke ist schlechter. Durch diese Negativserie ist sogar der Klassenerhalt immer noch nicht endgültig in trockenen Tüchern. Am kommenden Samstag will der Klub gegen Frankfurt aus 99,9 Prozent eine hundertprozentige Sicherheit machen. Dennoch kommen bereits jetzt erste leise kritische Stimmen am Trainer auf. „Es wäre töricht, die gezeigten Leistungen in Frage zu stellen“, mahnt Heldt daher und schließt damit auch die des Trainers ein.

Mit diesem plant er natürgemäß bereits jetzt den Kader für die kommende Saison, auch wenn diese Planungen durch Corona von einigen Unwegbarkeiten betroffen sind. Die Verantwortlichen des 1. FC Köln müssen sich dennoch darüber im Klaren sein, dass die laufende Saison dem Klub erneut den Spiegel vorhält. Weder war alles schlecht, noch lief alles gut. Ein konstanter Mittelweg, ein wenig mehr Gelassenheit, würde den Rheinländern gut tun. Auch deshalb warnt Heldt mit Blick auf die kommenden Spielzeit: nur keine übertriebene Erwartungshaltung. „Es geht auch in der nächsten Saison nur um den Klassenerhalt. Klappt das, wäre es wieder eine gute Leistung“, erklärt der Sportchef.

Dass es sich hierbei nicht um das klassische Unterstatment eines ranghohen Funktionärs handelt, zeigt ein Blick auf die Gegebenheiten im Klub. Nicht nur die sportliche Leistung der vergangenen Wochen sorgt für Ernüchterung, auch die finanzielle Situation ist nicht rosig. Circa zehn Millionen Euro Verlust kalkuliert der Verein durch die Corona-Krise ein. Hinzu kommt ein völlig aufgeblähter Kader der 37 Spieler fasst. Heldt und Gisdol müssen also erst einmal ausmisten, bevor sie an neues Personal denken können. „Die Rahmenbedingungen sind nicht einfach“, sagt Heldt auch deshalb, „aber wir werden das Bestmögliche tun, um eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen.“

Wie er das schaffen will, steht noch in den Sternen. Das primäre Ziel sollte es aber sein, wieder die Ruhe in den Klub und das Umfeld zu bekommen, die die Kölner auch während der Ära Stöger/Schmadtke lange Zeit ausgezeichnet hat. Auch Heldt wünscht sich „Stabilität“, um die Kölner bestmöglich aufzustellen. Ob ihm das gelingt, wird die Zukunft zeigen.