1. FC Köln: Andre Pawlak sorgt mit Aufstieg für Novum

Rückkehr in die Bundesliga : Köln-Trainer Pawlak sorgt mit Aufstieg für Novum

Mit einem 4:0-Sieg am drittletzten Spieltag machte der 1. FC Köln den vorzeitigen Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Kölns Interimstrainer Andre Pawlak feierte dabei einen Einstand nach Maß - und sorgte für ein Novum.

Der 1. FC Köln ist „widder do“. Ein Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga haben die Kölner ihren sechsten Bundesliga-Aufstieg nach 2000, 2003, 2005, 2008 und 2014 perfekt gemacht. Selbst Tabellenplatz eins ist ihnen vorzeitig sicher.

Damit herrscht nur neun Tage nach dem Rauswurf von Trainer Markus Anfang, der trotz der Tabellenführung der Kölner nach vier Spielen ohne Sieg seinen Trainerposten räumen musste, Party-Stimmung bei den Geißböcken. Mittendrin in den Aufstiegsfeierlichkeiten Interimstrainer Andre Pawlak, der erst am 28. April die Nachfolge von Anfang angetreten hatte. Erstes Spiel, 4:0-Sieg bei Greuther Fürth – und direkt der Aufstieg in die Bundesliga mitsamt der Zweitliga-Meisterschaft. Ein absolutes Novum im deutschen Profi-Fußball. Ein Aufstieg im ersten Spiel als Trainer ist bislang noch keinem Zweitliga-Coach vor ihm gelungen.

„Das ist schon eine überragende Sache, das gibt es wahrscheinlich nur im Fußball“, sagte Pawlak, der aber auch Anfangs Anteil nicht vergaß. „Markus Anfang und das Trainerteam haben einen großen Anteil an diesem Aufstieg. Ich hab's - wir haben es jetzt über die Ziellinie gebracht.“ Aus dem fernen Japan gratulierte auch der frühere FC-Profi Lukas Podolski seinem Herzensklub. „Meine Stadt. Mein Verein. 9227 km voneinander getrennt, aber Köln und den FC immer im Herzen“, schrieb er.

Von der U21 der Kölner war Pawlak abkommandiert worden, um die Mission Aufstieg zu Ende zu bringen. Eine Mission, die die Chefetage der Kölner Anfang nicht mehr zutrauten, im Umfeld und innerhalb der Mannschaft war die Unruhe groß. Ein neuer Impuls musste her. „Die U21 hat unter Andre Pawlak sehr strukturiert gespielt. Er hat mich auch in unseren Gesprächen überzeugt", erklärte Armin Veh seine für ihn „logische Entscheidung“.

Für den 48-Jährigen ist es die große Chance, sich erstmals im Profibereich als Trainer zu beweisen. Pawlak, der als Spieler in der Oberliga kickte, arbeitet seit knapp 18 Jahren als Trainer, bislang aber eher in den unteren Profi-Ligen.

Vor allem im Ruhrgebiet hat sich Pawlak einen Namen gemacht. Seine Trainerkarriere startete er beim Nachwuchs des FC Schalke 04. Acht Jahre blieb er bei den Königsblauen, ehe er 2010 bei der Wattenscheid 09 anheuerte. Nach finanziellen Problemen war der Traditionsverein bis in die Westfalenliga abgestürzt – mit Pawlak kam die Trendwende. Innerhalb von vier Jahren führte er den Klub zurück in die Regionalliga. Von Wattenscheid ging es für Pawlak zur SSVg Velbert, wo er ebenfalls den Aufstieg in die Viertklassigkeit feierte. Aufgrund des drohenden Abstiegs entschied sich der Verein in der folgenden Spielzeit dann für eine Trennung.

Nach seinem Rauswurf in Velbert lockte der KFC Uerdingen um Klub-Boss Mikhail Ponomarev Pawlak nach Krefeld. Der gebürtige Gelsenkirchener sollte den ambitionierten Verein in die Regionalliga führen. Das gelang ihm - bereits zum dritten Mal mit einem Verein in seiner Laufbahn. Doch die Stimmung beim KFC war nach dem Aufstieg nicht so, wie sie sein müsste. Pawlak wurde entlassen. Offenbar traute Ponomarev ihm nicht zu, die Mannschaft auch in die 3. Liga zu bringen.

Beim 1. FC Köln dagegen vertraut man ihm. Zunächst in der U21, nun bei den Profis. Vertrauen, dass sich bereits schon jetzt für beide Seiten ausgezahlt hat. Nach drei Aufstiegen in die Regionalliga kann Pawlak seiner Vita nun einen in die Bundesliga hinzufügen – und das nach nur einem Spiel. Ob er nun vielleicht sogar selbst Chancen hat, die Kölner eine Klasse höher zu betreuen? Pawlak traut sich die Rolle zu, aber „am Ende ist es nicht meine Entscheidung, was wir machen“, sagte der Coach am Montagabend. Nach der Saison werde er sich wie vereinbart mit Veh zusammensetzen: „Alles andere wird man dann sehen.“

(old)
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