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Formel 1: Vettel lächelt den Druck weg

Formel 1 : Vettel lächelt den Druck weg

Nürburgring (RP). Der Formel-1-Fahrer aus Heppenheim hat in dieser Saison schon zwei Rennen gewonnen – in Schanghai und Silverstone. Auch morgen, auf dem Nürburgring, zählt er wieder zu den Favoriten. Doch als Star fühle er sich nicht, sagt der 22-Jährige.

Nürburgring (RP). Der Formel-1-Fahrer aus Heppenheim hat in dieser Saison schon zwei Rennen gewonnen — in Schanghai und Silverstone. Auch morgen, auf dem Nürburgring, zählt er wieder zu den Favoriten. Doch als Star fühle er sich nicht, sagt der 22-Jährige.

Am Bradbourne Drive im Industriegebiet in der Nähe von Milton Keynes wird der Raum für die Pokale allmählich knapp. Verantwortlich sind Sebastian Vettel (22), der sich oft in der Zentrale von Red Bull Technology sehen lässt, und sein fast elf Jahre älterer Teamkollege Mark Webber. Der Heppenheimer und der Formel-1-Pilot aus Australien fuhren in diesem Jahr schon jeweils viermal aufs Podium. Durch seine Siege in Schanghai und Silverstone sorgte Vettel dafür, dass zwei weitere Trophäen für den siegreichen Konstrukteur auf die britische Insel gingen.

Wenn morgen (14 Uhr/RTL) auf dem Nürburgring das neunte von 17 WM-Rennen beginnt, zählt Vettel erneut zu den Favoriten. Nur Jenson Button hat in dieser Saison auch schon gewonnen. Das allerdings gleich sechsmal. Und deshalb führt der Engländer (64 Punkte) vor seinem Brawn-Teamkollegen Rubens Barrichello (41/Brasilien), Vettel (39) und Webber (35,5) die WM-Wertung an.

"Ein absolut kompletter Fahrer"

"Sie sind in einer besseren Position. Aber wir wollen jedes Rennen gewinnen. Deshalb sind wir hier", sagte Vettel, der vor drei Wochen in Silverstone Gastgeber Button auf und davon gefahren war. "Wir hatten dort zahlreiche Neuerungen am Auto, die uns wirklich geholfen haben. Aber in diesem Jahr können einige Veränderungen dein Auto schon entscheidend schneller machen. Deshalb wird es ein enger Kampf bis zum Saisonende", meinte der neben Button zweite Aufsteiger des Jahres.

Vettels Teamchef Chris Horner gerät ins Schwärmen, wenn er von dem jungen Mann spricht, der 2008 noch beim zweiten Red-Bull-Team, Toro Rosso, für Furore sorgte. Er habe außergewöhnliche Fähigkeiten, beschreibt Horner seinen Hoffnungsträger. Hochintelligent sei Vettel und in der Lage, über das Auto und die Entwicklung des Rennens nachzudenken, obwohl er am Limit fährt. Horner: "Sebastian ist ungeachtet seiner Jugend ein absolut kompletter Fahrer."

Nach 34 Rennen ist Vettel für viele schon reif für den Titel, auch weil er in einem siegfähigen Auto sitzt. Rivale Button hat nun das Material, mit dem er sein Talent in Erfolge umsetzten kann. "Du fühlst dich niemals richtig wohl, solange du nicht so viele Punkte hast, dass dich kein anderer mehr schlagen kann", sagte Button. Morgen bestreitet er seinen 162. Grand Prix. Sechs seiner sieben Siege errang er in diesem Jahr. Beim Brawn-Team wird alles getan, um den Vorsprung zu verteidigen. "Die Jungs in der Fabrik haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Teile, die erst in drei Rennen erwartet wurden, sind nun schon für den übernächsten WM-Lauf fertig", erzählte Button. Er stuft nicht nur Vettel, sondern auch Webber als gefährlich ein.

Gestern, beim Freien Training, in dem die Teams vor allem an der Abstimmung ihrer Autos arbeiten, lag Vettel als Zweiter knapp vor Button und Webber. Dass Weltmeister Lewis Hamilton (England) im McLaren-Mercedes die Tagesbestzeit erzielte, war wohl eher Blendwerk und ein Schmankerl für die Fans der Silberpfeile, deren Original vor 75 Jahren hier am Ring "geboren" worden war.

Vor den eigenen Fans zu fahren sei Extra-Motivation, sagte Vettel. Seine Kollegen Nico Rosberg (Wiesbaden), Nick Heidfeld (Mönchengladbach), Adrian Sutil (Gräfelfing) und Timo Glock (Wersau) stimmen ihm zu. Aber letztlich gebe es auch in der Eifel nur zehn Punkte für einen Sieg. Dabei lächelte Vettel wie auch bei der Frage, wie er sich fühle, als Star nach Deutschland zu kommen. "Ich fühle mich nicht so", antwortete Vettel — und hatte wieder jenes Lächeln im Gesicht, das zuletzt an Strahlkraft gewonnen hat. Druck lässt er sich nicht anmerken. Noch lächelt er ihn weg.

Hier geht es zur Infostrecke: Quali-Duelle aller Formel-1-Teams 2009

(RP)