Strafe für Charles Leclerc Fragen und Antworten zum F1-Grand-Prix von Saudi-Arabien

Dschidda/Düsseldorf · Für Ferrari-Pilot Charles Leclerc wird der Auftakt in die Saison immer schlimmer. Den Monegassen erwartet die erste Strafe der Saison. Was noch so ansteht beim zweiten Formel-1-Rennen in Dschidda.

Als sei der Ausfall im ersten Rennen nicht schlimm genug: Charles Leclerc muss in Saudi-Arabien zehn Plätze weiter hinten starten.

Als sei der Ausfall im ersten Rennen nicht schlimm genug: Charles Leclerc muss in Saudi-Arabien zehn Plätze weiter hinten starten.

Foto: AP/Ariel Schalit

Was steht an?

Die Formel 1 zieht weiter, allerdings nicht allzu weit: Nach dem Start in Bahrain steht am Sonntag (18.00 Uhr MEZ/Sky) das zweite Saisonrennen in Saudi-Arabien auf dem Programm. Max Verstappen und Red Bull haben den Auftakt dominiert, für die Konkurrenz war die Überlegenheit der Weltmeister bisweilen frustrierend. Es gibt allerdings zumindest ein wenig Anlass zur Hoffnung auf mehr Spannung.

Wer kann Red Bull stoppen?

Zunächst lohnt der Blick auf die Strecke. Der Jeddah Corniche Circuit ist ein Stadtkurs, hat allerdings recht wenig mit seinen Brüdern und Schwestern im Kalender gemein: Rasend schnell und fließend geht es über die 6,17 Kilometer, der Asphalt ist nach der Premiere im Dezember 2021 noch recht neu. Damit bildet Dschidda auch einen deutlichen Kontrast zum ersten Schauplatz der Saison, auf altem Asphalt in Bahrain fordern harte Brems- und Beschleunigungszonen die Reifen ganz besonders. Möglich, dass einige Teams in Saudi-Arabien (noch) besser zurechtkommen - zum Beispiel Aston Martin.

Ist Aston Martin jetzt ein Spitzenteam?

Der frühere Rennstall von Sebastian Vettel war so etwas wie der Retter des Saisonauftakts. Fernando Alonso auf Rang drei, das war eine Geschichte, die sogar den doch ziemlich langweiligen Doppelsieg von Red Bull überstrahlte. Der Altmeister hat nach fast zehn Jahren ohne Sieg noch immer höchste Ambitionen - und sitzt nun endlich wieder in einem Auto, mit dem diese realistisch wirken. Das Fahrerlager traut dem neureichen Rennstall in diesem Jahr Siege zu, vielleicht sogar schon in Saudi-Arabien? Bei Aston Martin zumindest geht man davon aus, dass die Strecke dem AMR23 noch besser liegt als Bahrain. Verstappen gegen Alonso, dieses Duell birgt vor dem Rennen die größte Spannung.

Und was machen die „echten“ Spitzenteams?

Mercedes und Ferrari überlassen Aston Martin die Bühne - zumindest in Bahrain war es so. Die Scuderia war im Qualifying stark, im Rennen aber nicht nur von Red Bull weit weg. Charles Leclerc musste mit defektem Antrieb aufgeben. Der Defekt am Ferrari des Monegassen hat auch folgenden für den anstehenden Grand Prix: Er wird in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten versetzt. Grund für die Sanktion ist der erneute Ausbau der Kontrollelektronik für die Power Unit. Leclercs Teamkollege Carlos Sainz fuhr der Spitze hinterher.

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Das galt auch für Mercedes, das sich gar auf einem Irrweg wähnte. Das aktuelle Konzept des Autos werde wohl auch in Zukunft nicht konkurrenzfähig sein, sagt Motorsportchef Toto Wolff. Auch Mercedes gehört allerdings zu den Teams, die auf dem Kurs in Dschidda zumindest leichte Verbesserungen erwarten.

Ist Nico Hülkenberg schon wieder angekommen in der Formel 1?

Das Comeback nach drei Jahren ohne Stammcockpit begann verheißungsvoll. In Bahrain stellte Hülkenberg den Haas im Qualifying gleich auf Rang 10 - das Rennen wurde dann aber zur Enttäuschung. Das Auto war schon früh beschädigt, der Frontflügel verabschiedete sich, am Ende verpasste der Deutsche die Top 10 deutlich. „Mit einem neuen Team“, sagte Hülkenberg allerdings, „fühlen sich die ersten Rennen an wie eine neue Beziehung, wie die Flitterwochen: Alles ist gut.“ Und die Punkteränge scheinen für den 35-Jährigen tatsächlich ein realistisches Ziel zu sein.

Was ist eigentlich mit den Menschenrechten?

Es ist wie so oft, wenn Sportswashing zum Einsatz kommt. Als die Beziehung der Formel 1 zu Saudi-Arabien noch frisch war, war auch die Kritik an diesem Rennen laut und vielstimmig. Nun steht bereits das dritte Gastspiel an, und offenbar tritt ein gewisser Gewöhnungseffekt ein - und damit genau das, was die Machthaber mit derartigen Events im Sinn haben. Organisationen wie Human Rights Watch bezeichnen Saudi-Arabien gleichwohl weiterhin als „globalen Ausreißer, was die Menschenrechte angeht“, die Zustände seien unverändert „miserabel“. Mit Blick auf die Formel 1 ist nun interessant, wie sich Lewis Hamilton und seine Kollegen verhalten: „Politische Botschaften“ der Fahrer sind nicht erwünscht, das unterstrich der Weltverband FIA vor der Saison noch einmal.

(SID/loy)