1. Sport
  2. Formel 1

Sky zeigt ab 2021 die Formel 1 - vier Rennen im Free-TV

Nach Ausstieg von RTL : Sky zeigt ab 2021 die Formel 1 - vier Rennen im Free-TV

RTL steigt nach drei Jahrzehnten aus der Formel 1 aus. Der Nachfolger heißt Sky. Das hat Folgen für die Formel-1-Fans in Deutschland. Der Großteil der Rennen wird nur gegen zusätzliche Bezahlung zu sehen sein.

Die Formel 1 rast im kommenden Jahr hinter die Bezahlschranke, die Fans des PS-Spektakels müssen für ihre Leidenschaft künftig in die Tasche greifen. Der Pay-TV-Sender Sky sicherte sich zur Saison 2021 "langfristig" die exklusiven Übertragungsrechte an der Motorsport-Königsklasse.

Gänzlich aus dem Free-TV wird die Motorsport-Königsklasse auch nach dem am Sonntag verkündeten Rückzug des Privatsenders RTL nach drei gemeinsamen Jahrzehnten aber nicht verschwinden: Pro Jahr werden vier ausgewählte Rennen und eine 30-minütige Highlight-Show nach jedem Rennen auf dem frei empfangbaren Sender Sky Sport News HD gezeigt.

"Wir werden unseren Zuschauern das beste Motorsport-Erlebnis aller Zeiten bieten", kündigte Sky-Deutschland-CEO Devesh Raj an. Das von Sky geschnürte Motorsport-Paket umfasst neben dem gesamten Formel-1-Wochenende auch sämtliche Rennen der Formel 2, der Formel 3 sowie des Porsche Super Cups. Zudem geht Sky mit einem eigenen linearen Formel-1-Sender ("Sky Sport F1") an den Start, auf dem täglich 24 Stunden ausschließlich Motorsport-Content gezeigt werden soll.

Es ist eine Umstellung für Sky, das bislang wie RTL sämtliche Rennen überträgt - und für die Zuschauer. Nach der in knapp zwei Wochen startenden Saison 2020 brechen hierzulande gleich zwei lieb gewonnene Traditionen weg: Die Formel 1 als bunt präsentiertes Unterhaltsprodukt im Free-TV und der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel im Ferrari-Cockpit als Anwärter auf Top-Platzierungen. Die Abschiedstour beginnt am 5. Juli in Österreich.

Bei RTL, der unter anderem den Aufstieg des Rekordweltmeisters Michael Schumacher begleitete, liegt der Fokus künftig auf dem Fußball. Der Wettbewerb um die Formel-1-Rechte habe sich verändert, den Markt "teils überhitzt", hatte RTL-Geschäftsführer Jörg Graf am Sonntag gesagt.

Es ist das Ende einer Ära. In den 90er Jahren war die Formel 1 dank der Schumacher-Erfolge TV-Quotenkönig bei den Kölnern, stand auf einer Stufe mit dem zum Nischenprodukt verkommenen Boxen und dem Fußball.

Leer ging neben RTL auch Eurosport aus, das als interessanter Bewerber galt: Die Sender gehören zum US-Unternehmen Discovery mit dem Vorsitzenden John Malone. Der Milliardär ist zugleich Chairman bei Liberty Media.

Die Formel 1 verschwindet nun fast gänzlich hinter die Bezahlschranke - und damit weiter aus dem Sichtfeld vieler Zuschauer? Der sportliche Wettbewerb zumindest überzeugte zuletzt nicht immer. Die Formel 1 war in der jüngeren Vergangenheit zu oft ein vorhersehbarer Wettkampf, in dem wenige Autos um den Sieg stritten, der Weltmeister seit 2014 im Mercedes saß und fünf Mal Lewis Hamilton hieß.

Die Frage nach der ökologischen Nachhaltigkeit des Motorsports in Zeiten des Klimawandels sowie die jüngst aufkeimende Debatte über fehlende kulturelle Vielfältigkeit erschweren den Stand der Formel 1 zusätzlich. Nichts würde das Interesse in Deutschland aber wohl derart mindern wie ein Abgang von Vettel, dessen Zeit bei Ferrari nach der Saison 2020 endet. Ein neues Cockpit hat er noch nicht gefunden.

Die Formel 1 könnte 2021 erstmals seit 1981 ohne deutschen Piloten starten - es wäre die nächste Zäsur. Zwischen 1997 und 2017 waren stets mindestens drei deutsche Fahrer im Feld vertreten, 2010 waren es derer sogar sieben.

Auf dem Nürburgring und in Hockenheim fanden mitunter gleich zwei Rennen in Deutschland statt. 176 Grand-Prix-Siege holten die Piloten seit 1992, Schumacher (7), Vettel (4) und Nico Rosberg (1) gewannen zwischen 1994 und 2016 insgesamt zwölf WM-Titel.

Ein Rennen in Deutschland war 2020 nicht geplant, auch im wegen der Coronakrise veränderten Rennkalender fand der Hockenheimring bislang keine Beachtung.

(dpa/old)