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Sebastian Vettel wechselt zu Ferrari: Chance und Risiko zugleich

Formel 1 : Vettel zu Ferrari: Chance und Risiko zugleich

Der Wechsel von Sebastian Vettel zu Ferrari war seit Anfang Oktober ein offenes Geheimnis. Damals hatte der viermalige Formel-1-Weltmeister seinen Abschied von Red Bull bekanntgegeben. Ferraris Problem war, sich mit Fernando Alonso zu einigen.

Der Spanier, der seit 2010 für die Scuderia fährt, musste erst seine Zukunft (vermutlich bei McLaren) sichern und war offenbar ein zäher Verhandlungspartner, als es darum ging, die Bedingungen für seine Vertragsauflösung festzulegen.

Vettel und Ferrari — Parallelen werden gezogen zu Michael Schumacher und Ferrari. Der Kerpener schaffte es, das damals chaotische Team umzubauen. Er schuf Strukturen und Arbeitsweisen, die von 2000 bis 2004 die erfolgreichste Zeit der Firmengeschichte möglich machten — und an die Alonso nicht anknüpfen konnte. Aber Schumacher hatte auch starke Mitstreiter wie Jean Todt, Ross Brawn und Rory Byrne, von denen jeder auf seine Art einen großen Anteil daran hatte, alteingesessene Strukturen aufzubrechen.

Der Wechsel nach 15 Red-Bull-Jahren zu Ferrari ist für Vettel eine Herausforderung, aber auch Chance und Risiko zugleich. Nach vier WM-Serien, an deren Ende jeweils der Gewinn der Fahrer- und der Konstrukteurs-Titel stand und er auf der Überholspur unterwegs war, kroch der Heppenheimer diesmal eher auf dem Standstreifen durch die Saison. In 18 Rennen blieb er sieglos. Er stand oft im Schatten seines Teamkollegen Daniel Ricciardo, der mit dem neuen Auto besser zurechtkam. Kritiker sahen sich bestätigt, dass Vettel die Erfolge nur deshalb errungen habe, weil er im stärksten Autos saß. Eine Feststellung, die allerdings auf viele Champions zutrifft.

Vettel kommt zu Ferrari in einer Zeit, in der die Scuderia ihren Ansprüchen weit hinterher fährt. Sein neuer Teamkollege Kimi Räikkönen war 2007 der letzte Weltmeister in einem Auto aus Maranello, ein Jahr später holte sich Italiens Automobil-Stolz zum bislang letzten Mal den Konstrukteurs-Titel.

Vettel muss beweisen, dass er ein Team führen kann. Er sprach von einer großen Ehre, endlich die Chance zu erhalten, einen Ferrari zu fahren. Die Vorfreude beim 27-Jährigen ist groß. Die Aufgabe, die er lösen möchte, ist es nicht minder. Schafft er es, wird er seine erfolgreiche Karriere krönen. Scheitert er, bleibt er der viermalige Champion — nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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