Sebastian Vettel verspürt keinen Druck vor dem 1000. Rennen der Formel-1-Geschichte

Jubiläum in China : Vettel verspürt keinen Druck vor dem 1000. Rennen der Formel-1-Geschichte

Die Erwartungen sind hoch, der Druck ist enorm: Sebastian Vettel ist die zentrale Figur beim 1000. Rennen der Formel-1-Geschichte in Shanghai. Der 31-Jährige gibt sich locker.

Sebastian Vettel steht eisern zu seinem Schnäuzer. Mit dicker Sonnenbrille und dem mittlerweile berühmten Oberlippenbart enterte der viermalige Formel-1-Weltmeister am Donnerstag das Fahrerlager des Shanghai International Circuit. Die Botschaft an seine Kritiker, für die zuletzt sogar Vettels Behaarung zwischen Mund und Nase ein kleines Politikum war, ist eindeutig: Ich gehe meinen Weg - gegen alle Widerstände.

"Das Urteil mancher Leute reicht eben nur eine Woche vor- und rückwärts", sagte Vettel vor dem 1000. Formel-1-Rennen am Sonntag (8.10 Uhr MESZ/RTL und Sky) und gab sich unbeeindruckt vom Getöse um seine Person. Nach zwei enttäuschenden Auftritten zum Saisonstart weiß der Ferrari-Star, dass er die Kritiker mit seinem zweiten China-Sieg nach 2009 mit einem Schlag mundtot machen würde. Und er ist überzeugt, dass dies gelingen kann: "Vor jedem Rennen stelle ich die Uhr auf Null. Ich kann es besser als zuletzt, ich muss es nur zeigen."

Der Heppenheimer, der nach vier erfolglosen Anläufen mit den Roten in diesem Jahr zum WM-Gewinn verdammt ist, solle "einen Mentalcoach anheuern und sich den Schnurrbart abrasieren", hatte „La Stampa“ nach Vettels schwachem Rennen in Bahrain voller Polemik geurteilt. Dessen neuer Teamkollege Charles Leclerc dagegen scheint nach zwei starken Auftritten derzeit kaum etwas verkehrt machen zu können.

Anhänger hat Vettel immer noch - vor allem in China, wo bereits am Donnerstag zahlreiche Fans in Ferrari-Rot bei wenig mehr als zehn Grad das Paddock säumten und seinen Namen skandierten.

Nach Ansicht des langjährigen Formel-1-Promoters Bernie Ecclestone ist Vettel eindeutig "unterschätzt", wie der 88-jährige Engländer der „Sport Bild“ sagte: "Er hat das Wettbewerbs-Gen, das die Fahrer früher auch hatten. Es gibt keinen Grund, warum neben Lewis Hamilton nicht auch Sebastian die sieben Titel von Michael Schumacher erreichen kann."

Jener Hamilton ist mit fünf Erfolgen mit klarem Abstand der Rekordsieger in China, als Favorit geht der fünfmalige Champion aus England aber nicht in den dritten Saisonlauf. Ferrari präsentierte sich schließlich vor zwei Wochen in Bahrain in Hochform, die Konkurrenz mit Mercedes an der Spitze zittert seither vor den Beschleunigungswerten der roten Renner - zumal es auf dem Shanghai International Circuit eine 1,2 km lange Gerade gibt. "Ferraris Stärke auf der Gerade ist beeindruckend, aber ich bin sehr zuversichtlich. Es wird ein enges Rennen, es gibt nicht nur Seb und mich", sagte Hamilton.

Tatsächlich verliefen die ersten beiden Rennen durchaus überraschend. In Australien machte Ferrari Fehler beim Set-up, in Bahrain verlor Leclerc wegen eines Zylinderdefekts den sicher geglaubten Sieg. Mercedes mag zwar nicht den Grundspeed der Roten haben, aber der Silberpfeil ist zuverlässig wie eh und je. Das reichte für zwei Doppelsiege und die WM-Führung durch Valtteri Bottas (46) vor Weltmeister Hamilton (45). Vettel ist mit 22 Zählern nur Fünfter, Leclerc hat vier Punkte mehr. Vettel ist jedoch entschlossen, das Bild zu seinen Gunsten zu ändern.

(sid/old)