Formel 1: Schumacher fehlen PS

Formel 1: Schumacher fehlen PS

Manama (RP). Ob das stimmt? "Mit dem sechsten Platz kann ich sehr gut leben. Er ist für das Team und für mich eine Basis, auf der wir aufbauen können", teilte Michael Schumacher nach seinem Formel-1-Comeback, das er auf Platz sechs beendete, mit. Er schrieb auf seiner Homepage aber auch: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das Auto verbessern werden." Heißt: Der Mercedes wird höchsten Ansprüchen (noch) nicht gerecht.

Die Italiener spotten derweil über ihn. "Schumacher, der Weltmeister der Arroganz", schrieb die Zeitung "Il Secolo XIX". Und "Tuttosport" kommentierte: "Okay, es war Michaels erstes Rennen seit drei Jahren, doch er hat schönes Geld bekommen."

Die Formel-1-Familie hat die Sakhir-Wüste und damit Bahrain verlassen. Nächster Treffpunkt ist Melbourne, Australien. Dort findet am 28. März das zweite von 19 WM-Rennen statt. Auf dem Weg zurück in die Heimat waren Sorgen und Hoffnungen dabei. Etwa, dass Michael Schumacher noch die Rolle des — nun gealterten — Helden spielen und die Generation Playstation fordern kann. Oder, dass es — wie der spanische Auftaktsieger Fernando Alonso betonte — vier gleichwertige Teams mit Fahrern gibt, die reif für den WM-Titel sind und möglichst bald für eine bessere Show sorgen.

In Manama fuhren die Ferrari mit Alonso und Felipe Massa in einer eigenen Liga. Zu der gehörte auch Sebastian Vettel (Heppenheim), ehe den Vizeweltmeister eine defekte Zündkerze am Renault-Motor des Red Bull von der Spitze auf Rang vier zurückwarf. Nicht vorne dabei waren Nico Rosberg (Wiesbaden) und dessen Mercedes-Kollege Schumacher, die Fünfter und Sechster wurden, aber ohne den Hauch einer Siegchance über die Strecke fuhren.

Im Schnitt 10,5 Millionen Fernsehzuschauer bei RTL bekamen nur ein müdes Rennen präsentiert. Das neue Tankverbot, das die Autos am Start mit nun prall gefüllten Tanks schwerer macht und die Reifen mehr belastet, hat im Auftaktrennen zu Zurückhaltung animiert. Es fehlten Erfahrungswerte.

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Doch manch einer glaubt, dass die Neuerung generell nicht hilfreich ist, dass nachgebessert werden sollte — falls es nicht bald besser wird. Martin Whitmarsh, Chef des McLaren-Teams und der Vereinigung der 13 Rennställe (Fota), brachte einen zweiten Pflichtboxenstopp ins Gespräch und regte an, dass sich die beiden Reifenmischungen mehr unterscheiden müssen.

"Wir brauchen einen Typ, der richtig weh tut", sagte der Brite. Einen, der die Fahrer wählen lässt: voll zu pushen, dabei die Reifen zu ruinieren und deshalb einen Stopp mehr zu machen. Oder konservativ zu fahren und einmal weniger an die Box zu kommen.

In Bahrain konnte man mit der weichsten Mischung rund 25 Runden fahren. "Da kannst du dann mit der harten beliebig lange draußen bleiben", betonte Whitmarsh. Die Folge war Langeweile. Überwiegend spulten die Fahrer ihre Jobs unaufgeregt, wenig gefordert ab, doch Prozessionen sind nicht das, was der Motorsportfan sehen will. "Früher ist man 20 Runden voll gefahren, hat getankt und neue Reifen aufgezogen und ist wieder voll gefahren. Das fehlt uns allen jetzt", sagte Vettel .

Die Reifen sind bei Michael Schumacher, Nico Rosberg und Mercedes nicht das Top-Gesprächsthema. Dort sucht man dringend zusätzliche Pferdestärken, um den Rückstand auf Ferrari und Red Bull aufholen zu können. Im Team war man mit dem Rückkehrer, der nach 1239 Tagen wieder ein Formel-1-Rennen bestritt, zufrieden. "Das ist ermutigend", sagte Geschäftsführer Nick Fry, "Michael ist bester Dinge." Wie lange noch?

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(RP)