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Nico Rosberg: "Keine Lust, dass Red Bull gewinnt"

Nach Platz zwei in Kanada : Rosberg: "Keine Lust, dass Red Bull gewinnt"

Mercedes kann noch verlieren, Red Bull noch gewinnen - das chaotische Rennen in Montreal lieferte viele Erkenntnisse, doch die wichtigste lautet: Nico Rosberg ist reif für den WM-Titel.

Das verrückteste Rennen der Formel-1-Saison hatte seine Hauptdarsteller aufgekratzt - und ein wenig ratlos zurückgelassen. Die erste Saison-Niederlage für Mercedes, der erste Karriere-Sieg für Daniel Ricciardo, Reizüberflutung in Kanada - die wichtigste Erkenntnis fischte schließlich Niki Lauda aus dem Chaos von Montreal. "So, wie der Nico gefahren ist", sagte der dreimalige Champion, "das war weltmeisterlich."

WM-Spitzenreiter Nico Rosberg hatte seinen Mercedes trotz erheblicher technischer Probleme noch auf Platz zwei über die Linie bugsiert und sich damit innerhalb weniger Wochen zum klaren Favorit im Duell der Silberpfeile um den Titel gemausert. Sein Stallrivale Lewis Hamilton ging nach dem frühzeitigen Aus wegen Bremsproblemen bereits zum zweiten Mal leer.

Rosberg selbst wirkte nach 70 kräftezehrenden Runden zunächst zwar wenig euphorisch. Den Sieg hatte er erst spät an Ricciardo verloren, den zweiten Platz nur knapp vor Weltmeister Sebastian Vettel im zweiten Red Bull verteidigt.

"Ohne einen Sieg aus Kanada abzureisen", sagte Rosberg, "ist eine große Enttäuschung für uns. Ich habe keine Lust, dass Red Bull gewinnt, das ist nix - wir wollen die immer schlagen." Nach zuletzt fünf Doppelsiegen war das tatsächlich das erste Gefühl bei Mercedes - und nur auf ausdrückliche Nachfrage freute sich Rosberg dann ein bisschen über seinen Vorsprung auf Hamilton, der in der Gesamtwertung nun bereits 22 Punkte beträgt.

Dieser Kampfgeist spricht für Rosberg, und er dokumentiert auch ein wenig den Wandel im Duell der Silberpfeile. Innerhalb von nur zwei Wochen haben sich die Kräfteverhältnisse komplett gedreht, nicht nur wegen Rosbergs Sieg in Monaco und seinem zweiten Platz in Montreal - Rosberg kämpft mittlerweile sichtbar um die Chance auf seinen ersten Weltmeistertitel, und er wirkt dabei zunehmend wie jemand, der diesen Kampf auch gewinnen kann.

Dass die WM weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit an Mercedes gehen wird, daran änderte zudem auch die unfreiwillig komische Panne von Montreal nichts. Beide Autos waren scheinbar ungefährdet dem sechsten Doppelsieg in Folge entgegengefahren, als plötzlich die Elektromotoren der Hybrid-Triebwerke keine Leistung mehr brachten - innerhalb einer Minute, an beiden Boliden.

"Es sind genau die gleichen Antriebsstränge, bei genau der gleichen Geschwindigkeit und genau der gleichen Temperatur unterwegs gewesen", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, so unwahrscheinlich sei das daher gar nicht. Auf den langen Geraden bekam Mercedes nun Probleme, bis zu 160 PS fehlten Rosberg und Hamilton plötzlich. Der Engländer schied bald darauf mit Bremsproblemen aus, der furiose Rosberg dagegen hielt trotz des Handicaps abgesehen von Ricciardo alle Konkurrenten hinter sich.

Weltmeister Vettel musste sich so mit dem dritten Platz trösten, erneut stahl ihm sein junger Teamkollege Ricciardo die Show. Das wird allmählich zur Gewohnheit bei Red Bull. "Das ist Daniels Tag", sagte Vettel und gratulierte fair, ordnete das erste Doppel-Podium für Red Bull 2014 aber gleich ein: "Wir hatten eben viel Hilfe von Mercedes, das war sonst anders." Glücklicher als der Weltmeister war Nico Hülkenberg, der im Force India bereits zum vierten Mal in diesem Jahr den fünften Platz erkämpfte.

Gesteigerte Sorgen muss sich bei Mercedes wegen des Defekts nun aber wohl niemand machen, die Silberpfeile waren in der bisherigen Saison ein Muster an Zuverlässigkeit. Und trotz des erheblichen Nachteils fuhr Rosberg ja sogar auf das Podest - wahrlich weltmeisterlich eben.

(sid)