Nico Hülkenberg vor letztem Formel-1-Rennen: Der Unvollendete tritt ab

Hülkenberg vor letztem Formel-1-Rennen : Der Unvollendete tritt ab

Nico Hülkenberg bestreitet in Abu Dhabi sein wohl letztes Formel-1-Rennen - und blickt auf eine achtbare Karriere zurück, in der allerdings etwas fehlt.

They never come back, sagen sie im Boxsport über entthronte Weltmeister. Sie kommen nie zurück. Und was ist mit Formel-1-Piloten, wenn sie die Königsklasse verlassen? Nico Hülkenberg jedenfalls möchte eher nicht auf sein Comeback wetten. "Sowas passiert eigentlich nicht", sagt er vor seinem wohl letzten Grand Prix, "oder gibt es da Beispiele?"

Es gibt welche, aber sie sind nicht besonders zahlreich. Und vor dem Großen Preis von Abu Dhabi am Sonntag (14.10 Uhr MEZ/RTL und Sky) spricht einiges dafür, dass es die letzte Formel-1-Ausfahrt des Renault-Piloten sein wird.

"Aber das ist ja nicht mehr neu, ich konnte mich eine Weile darauf einstellen", sagt Hülkenberg, "ein Teil von mir freut sich auch auf dieses neue Kapitel."

Was es bringen wird, ist weiterhin unklar. In seinen zumindest vorübergehenden Ruhestand wird der 32-Jährige die Erinnerung an zehn Jahre und 177 Starts in der Formel 1 mitnehmen. Und einen Rekord, auf den er wohl gerne verzichtet hätte: In all diesen Rennen stand Hülkenberg nie auf dem Podest.

Und das, obwohl ihm keineswegs das Image des Hinterherfahrers anhaftete. Zeit seiner Karriere galt er als einer der Talentiertesten im Feld. Doch wann immer sich die Chance auf etwas Größeres auftat, sei es auf der Rennstrecke oder im Vertragspoker, wurde sie durch Pech, unglückliche Entscheidungen oder eigene Fehler vertan.

Die Kräfteverhältnisse im Mittelfeld der Formel 1 ändern sich schnell, und manchmal wurde ein vermeintlicher Schritt nach vorn letztlich zum Schritt zurück.

Die wohl größte Chance seiner Karriere tat sich vor der Saison 2014 auf, doch auch aus dem erhofften Sprung zu Ferrari wurde nichts: Die Scuderia entschied sich für Kimi Räikkönen. "Du hast Chancen, du verpasst Chancen, und dann machst du eben weiter", sagt Hülkenberg. Und das ist irgendwie die Story seiner Karriere.

Keine Chance mehr hatte er letztlich bei Renault. Seit 2017 war er Aufbauhelfer der Franzosen, die sich aber schwer tun, zu den drei Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull aufzuschließen. Nach einer durchwachsenen Saison neben Daniel Ricciardo wird Hülkenberg nun durch Esteban Ocon ersetzt.

Reue ist ihm allerdings nicht anzumerken, wenn er auf seine Karriere zurückschaut, er wirkt in der Tat mit sich im Reinen. Nur ein Tag im November 2012 geht Hülkenberg einfach nicht aus dem Kopf.

Beim Großen Preis von Brasilien führte er im schnellen Force India das Rennen an, der Vorsprung auf Platz vier war zwischendurch riesig. Doch ein Safety Car machte alles zunichte. "Ich habe mir das Rennen zuletzt noch mal angeschaut", sagt Hülkenberg, "und mein Herz hat geblutet."

Denn an diesem Tag hätte nicht nur die Jagd nach dem ersten Podest schon früh enden können. "Vielleicht", sagt Hülkenberg, "wäre dann alles anders gelaufen. Aber das ist schwer zu sagen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Nico Hülkenberg

(sid/old)