Bruder Ralf hakt Titel ab: Michael Schumacher genießt Dominanz

Bruder Ralf hakt Titel ab : Michael Schumacher genießt Dominanz

Wien/Kitzbühel (rpo). Michael Schumacher genießt seine Dominanz in der Formel 1, sein Bruder sieht schon vor der Saison keine Chance auf den Weltmeister-Titel. Aber noch bevor es im März wieder losgeht, fallen bei BMW die wichtigsten Entscheidungen über die Zukunft des Formel-1-Engagements.

Der Ferrari-Star aus Kerpen nimmt die allgemeinen Klagen, die Formel 1 sei langweilig geworden, gern in Kauf. "Ich habe schon andere Probleme gehabt. Ich genieße es, momentan dieses Problem zu haben", sagte der fünfmalige Weltmeister bei einem Auftritt bei "Wetten, dass ...?" in Wien. Mit einer Vorherrschaft wie in der abgelaufenen Saison rechnet der Champion ohnehin nicht mehr. "Die Konkurrenz wird nicht schlafen", meinte er.

Sein Bruder Ralf glaubt dennoch nicht daran, 2003 selbst eine Chance auf die WM zu haben. "Nächstes Jahr wird es auf keinen Fall klappen, das zu behaupten wäre vermessen. Da muss ich mich noch gedulden", sagte der BMW-Williams-Pilot am Wochenende bei der Jahresabschluss-Veranstaltung seines Teams in Kitzbühel. Zumindest privat schien der Rennfahrer jedoch sehr flott gewesen zu sein. Nach Angaben des ORF und der "Bild am Sonntag" soll Schumacher auf dem Weg zur Weihnachtsfeier auf der Landstraße 50 km/h zu schnell gefahren sein. Dem 27-Jährige drohe Führerschein-Entzug, hieß es weiter. Ralf Schumacher erklärte: "Kein Kommentar."

Jagd auf die Roten

Der Rheinländer, der in der vergangenen Saison hinter seinem kolumbianischen Teamkollegen Juan Pablo Montoya den vierten WM-Platz belegte, will trotz der Ferrari-Dominanz Jagd auf die "Roten" machen. "Die Motivation ist da, wir wollen es ja ändern." Sein neues Auto, der FW 25, soll Ende Januar fertig sein.

Noch vor dem Beginn der Grand-Prix-Saison am 9. März in Melbourne fallen bei BMW die wichtigsten Entscheidungen über die Zukunft des Formel-1-Engagements. Der Vertrag mit Partner Williams läuft 2004 aus, derzeit prüfen die Münchner auch andere Möglichkeiten. "Wir erarbeiten alle Optionen", sagte Technik-Direktor Mario Theissen. "Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung vor dem ersten Rennen fällt." Die Optionen reichen vom Bau eines eigenen Autos über eine weitere Partnerschaft mit Williams bis hin zum Ausstieg.

Auch Motorsportdirektor Gerhard Berger muss über seine Zukunft entscheiden. Sein Fünfjahres-Vertrag mit BMW läuft zur Jahresmitte aus. "Ich will einfach mal in Ruhe nachdenken", sagte der frühere Formel-1-Pilot. Er müsse entscheiden, ob er erneut ein langfristiges Engagement eingehe oder nach 20 Jahren im Motorsport seiner Familie mehr Zeit widmen wolle. Er wolle sich zwar nicht ins Rentnerdasein zurückziehen, so der Österreicher. Aber er überlege, vielleicht "sein Leben ein bisschen auszubalancieren", so der 43-Jährige: "Wenn ich Rennsport mache, mache ich es 120 Prozent und nicht irgendwie halb."

Druck auf BMW wächst

Vor der vierten Formel-1-Saison wächst der Druck auf BMW. "Wir wissen ganz genau, dass es bis 2004 eigentlich mit der WM geklappt haben müsste", sagte Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel am Samstagabend bei der traditionellen Gala. Das würde heißen, so Göschel, dass man 2003 zumindest gleich schnell wie Ferrari sein sollte. "Wir wollen Ferrari einholen", formulierte Berger das Saisonziel, "es wäre nicht realistisch, sie überholen zu wollen." Mehr Siege mehr als 2002, als nur Schumachers erster Platz in Malaysia als größter Erfolg zu Buche stand, sollen es werden.

Dafür wurde der Zeitplan erneut gestrafft. Der neue Motor P 83 lief Ende Juli erstmals auf dem Prüfstand, wurde seitdem viermal im Auto getestet. "Damit sind wir drei, vier Wochen früher dran als im letzten Jahr", sagte Theissen, der nun auf den Werner Laurenz verzichten muss. Der bisherige Motorenchef wechselte zu Mercedes. Theissen: "Die Konkurrenz wird von diesem Know how profitieren."

(RPO Archiv)
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