Formel-1-Analyse: Mercedes sorgt für die perfekte Show

Formel-1-Analyse: Mercedes sorgt für die perfekte Show

Drei Siege, zwei zweite Plätze, dreimal Startplatz eins: Die Silberpfeile sind das Maß aller Dinge. Die ersten Jahre nach dem Comeback 2010 waren zäh. Nun fahren Hamilton und Rosberg um den WM-Titel.

Ein Rennen hat ausgereicht, den Kritikern an der aktuellen Formel 1 die Munition zu nehmen. Mag ja sein, dass die Lautstärke der neuen V6-Turbomotoren, wie Sebastian Vettel monierte, eher der eines Staubsaugers ähnelt. Doch viel mehr Action als wie beim Grand Prix von Bahrain kann der Kampf um Sieg, Punkte und Platzierungen nicht bieten. Der dritte WM-Lauf zeigte, dass die neue Königsklasse trotz Spritbegrenzung und Hybrid-Triebwerken begeistert.

Allerdings fährt ein Team derzeit in einer eigenen Liga. "Mercedes ist ein Red Bull, der die Farben gewechselt hat", beschrieb die italienische Zeitung "Corriere della Sierra" die neuen Machtverhältnisse. Mercedes hat die Chance genutzt, die das vor fünf Jahren beschlossene Ende der V8-Saugmotoren bot. Allerdings spielte dem Automobilhersteller aus Stuttgart, dessen Formel-1-Autos in England, in Brixworth und Brackley, entwickelt und produziert werden, auch die eigene Schwäche in die Hände.

2010 war Mercedes als Werksteam in die Formel 1 zurückgekehrt. Drei Jahre wartete man vergeblich auf den Durchbruch. Im Konzern wurde das teure Projekt schon hinterfragt. Man reagierte Ende 2012, investierte deutlich mehr Geld, ergänzte und veränderte sein Personal. Die spektakulärsten Wechsel: Lewis Hamilton kam für Michael Schumacher. Toto Wolff wurde Motorsportdirektor und hat sein Büro nun, anders als Vorgänger Norbert Haug, in England. Er will nahe am Team sein, dessen Aufsichtsratsvorsitzender jetzt Niki Lauda ist. Die Veränderungen fruchteten. Drei Siege, neun Podestplätze dokumentierten den Aufschwung.

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Dennoch war Mercedes nie ein Titelkandidat. So konnte man früh die Entwicklung des Motors intensivieren. Ein weitere Vorteil gegenüber Renault, dem Lieferanten des zuletzt vier Jahre lang dominierenden Rennstalls Red Bull: Mercedes hatte die komplette Antriebseinheit auf dem Prüfstand. Das Zusammenspiel von Motor und Energierückgewinnungs-Systemen sowie die Software konnten getestet werden.

Mercedes hat den besten Motor gebaut. Zwei Sekunden waren Hamilton und Rosberg in Bahrain, als sie mit ihrem packenden Duell die perfekte Show boten, pro Runde schneller als Red Bull — in der Formel 1 eine Ewigkeit. Aber nicht nur die Schwaben, die souverän die Teamwertung anführen (111 Punkte), profitieren von der Power. Auch Force India (44) und McLaren (43), die vor Red Bull (35) und Ferrari (30) platziert sind, beliefert Mercedes.

Erstmals seit 1955 kann ein Mercedes-Fahrer den WM-Titel holen. Damals setzte sich der Argentinier Juan Manuel Fangio durch. Es gilt, sich ein Polster zu schaffen, da Renault den Rückstand wohl verkürzen wird. Hamilton, der seinen zweiten WM-Titel anstrebt, und Rosberg, der noch nie Champion war, dürfen sich weiter so heiße Duelle wie in Bahrain liefern. Teamorder, so heißt es, wird es nicht geben. Noch nicht.

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(RP)