Lewis Hamilton: Bessere Karten als Nico Rosberg

Nico Rosberg : So kühl wie der Vater

Vor dem Saisonfinale der Formel 1 am Sonntag in Abu Dhabi ist für Nico Rosberg selbst ein Sieg keine Garantie für den WM-Titel. Mercedes-Teamrivale Lewis Hamilton hat die besseren Karten. Doch der 29-jährige Deutsche glaubt an seine Chance.

Am kommenden Sonntag (14 Uhr MEZ/Live-Ticker) starten die Formel-1-Piloten in Abu Dhabi bei Tageslicht. Wenn sie im Ziel sind, ist es dunkel. Noch 305,055 Kilometer — dann ist die Saison beendet, und einer steht im Rampenlicht. Auf jeder der 55 Runden fährt bei Lewis Hamilton die Furcht mit, dass es vielleicht doch nichts wird mit seinem zweiten WM-Titel nach 2008. Und bei Nico Rosberg, seinem Teamrivalen bei Mercedes, ist es die Hoffnung, doch noch seinem Vater Keke (65) nacheifern zu können.

Der Finne hatte 1982 nur eines von 16 Rennen gewonnen. Beim Finale in Las Vegas aber erreichte der kühle Taktiker den Platz, den er zum Titelgewinn benötigte: Rang fünf. Sohn Nico, der eine deutsche Mutter hat und neben der finnischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, hat zwar fünf der 18 Rennen gewonnen, doch es liegt nicht allein an ihm, ob er sich den Kindheitstraum erfüllen kann.

"Der Fehler, den Lewis heute gemacht hat, beweist, dass die Sache noch nicht gelaufen ist. Im Rennsport kann so viel passieren", sagte der 29-Jährige in Sao Paulo. Dort hatte Rosberg am 9. November die Siegesserie des Engländers (fünf Erfolge) durchbrochen und seinen Rückstand auf 17 Punkte reduziert. "Ich kämpfe bis zur letzten Kurve", betonte der Zweite im WM-Klassement. Sein Problem: Er und Hamilton sitzen im stärksten Rennwagen. Und der ermöglichte es dem Engländer, in Brasilien trotz des Fehlers locker auf Platz zwei zu fahren. Elf Doppelsiege lassen den Schluss zu: Kommen beide Autos ins Ziel, wird es schwer für Rosberg. Ihm reicht selbst ein Sieg nicht, wenn Hamilton Zweiter wird.

"Der Rennwagen ist wie die Erweiterung deines Körpers", hat Rosberg einmal gesagt. Im Idealfall seien Mensch und Maschine eins. Der 29-Jährige, in der Schule im Fach Physik sehr gut, investiert viel Zeit, wenn es darum geht, dem Idealzustand recht nahe zu kommen. "Er hat immer viel Wert auch auf kleinste Details gelegt. Er redete über alles, wirklich alles. Er ließ nie nach, wollte immer alles wissen. Für ihn war ein Ingenieurs-Meeting nie zu Ende", erinnerte sich Frederic Vasseur. Der Franzose war Teamchef von Rosberg, als dieser im Jahr 2005 die Nachwuchsklasse GP2 gewann. 2006 feierte Nico, dessen Vater zu Beginn seiner Karriere manche Tür öffnete, der sich aber schon früh mehr und mehr zurückzog, seine Premiere in der Königsklasse.

Die Neugier und den Arbeitseifer hat sich der kühle Analytiker Rosberg bewahrt. In den drei Jahren an der Seite von Michael Schumacher, den er entgegen allen Voraussagen seit Teamgründung im Jahr 2010 in jeder Saison hinter sich ließ, hat er viel gelernt und sein Selbstbewusstsein noch gestärkt. Im Duell mit Hamilton geht es auch um die Führungsrolle im Rennstall. Den ersten Silberpfeil-Sieg seit 1955 - Juan Manuel Fangio in Monza - feierte Rosberg am 15. April 2012 in Schanghai. Der erste WM-Titel wäre die Krönung seiner Karriere.

(RP)