Hockenheimring 2019: Ungewisse Zukunft des Großen Preises von Deutschland

Formel-1-Abschied von Hockenheim : Ungewisse Zukunft des Großen Preises von Deutschland

Die Formel 1 nimmt erst mal Abschied von Deutschland, das Bedauern war groß. Doch die Gründe sind vielschichtig, deshalb wird eine Rückkehr kompliziert.

Es lag eine gewisse Tragik in Mick Schumachers großem Auftritt. Im alten Weltmeister-Ferrari seines Vaters donnerte der Nachwuchspilot über den Hockenheimring, Vergangenheit und Zukunft des deutschen Motorsports waren eindrucksvoll vereint - und doch war es vielleicht das letzte Mal, dass Mick Schumacher ein Formel-1-Auto auf einer deutschen Rennstrecke steuerte.

Die Königsklasse verlässt Deutschland nach dem Grand Prix am Sonntag, ob und wann sie wiederkommt, ist offen. "Es wäre sehr schade", wenn diese Serie auf Dauer einen Bogen um eines ihrer Kernländer mache, sagte Schumacher, "auch sehr schade für den Sport." Und selbst wenn es in Hockenheim nicht mehr klappt, ein Rennen "irgendwo in Deutschland" würde der 20-Jährige sich wünschen.

Leider ist aber alles sehr kompliziert. Die Formel 1 verlangt für ihre Gastspiele viel Geld von den Rennstrecken, für Hockenheim war das seit Jahren ein Risikogeschäft, welches jetzt nicht mehr eingegangen werden soll. Schon 2015 hatte sich der Nürburgring angesichts der hohen Kosten zurückgezogen.

Dass nun vielleicht auch die Strecke in der Kurpfalz dauerhaft im Kalender fehlt, ist vielen schwer vermittelbar. "Ich verstehe es nicht", sagt selbst Jean Todt, Präsident des Weltverbandes Fia: "Deutschland ist wohl das Land, welches das Automobil am besten versteht. Sie sollten einen Grand Prix haben. Aber ein Rennen kostet eben Geld, und wenn das nicht da ist, wird es schwierig."

Es gibt allerdings gute Gründe, weshalb sich Deutschland so schwer tut im Kampf um die Ausrichtung eines der derzeit 21 Rennen. Zum einen müssen sich die deutschen Strecken grundsätzlich in einem ungleichen Wettbewerb behaupten. Zahlreiche Konkurrenten aus dem Ausland zahlen die Formel-1-Gebühr mithilfe staatlicher Unterstützung, besonders für mehr oder weniger neue Exoten wie Bahrain, Aserbaidschan oder Abu Dhabi spielt das Geld keine große Rolle. Hockenheim bekommt solche Hilfe nicht.

Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf mussten also genügen. Manchmal gelang das knapp, in einigen Jahren aber ziemlich deutlich nicht, die Formel 1 war für Hockenheim und Nürburgring zu oft ein Minusgeschäft. Die vergangene Saison, als Sebastian Vettel im Ferrari aussichtsreich um die WM fuhr, war die große Ausnahme. 71.000 Zuschauer sorgten für eine lange nicht mehr erlebte Stimmung, es war der beste Besuch seit 2005.

Der machte Hoffnung auf neuen Schwung, in diesem Jahr sprang dann Mercedes als Titelsponsor ein und ermöglichte das Rennen. Doch die große Kulisse des Vorjahres war unerreichbar, 61.000 Karten wurden für das Rennen am Sonntag verkauft. Das liegt knapp unterhalb der Marke, die Georg Seiler einmal als notwendig für eine schwarze Null bezeichnet hat.

Der Geschäftsführer des Hockenheimrings will eine Rückkehr der Königsklasse zwar nicht ausschließen. Ein Problem ist aber auch, dass die Formel 1 nicht auf Deutschland angewiesen ist. Interessenten gibt es genügend, 2020 kommen die Niederlande mit Zandvoort und Vietnams Hauptstadt Hanoi hinzu.

Es ist nun zwar sehr gut möglich, dass Mick Schumacher in naher Zukunft in die höchste Kategorie aufsteigt. Es ist auch gut möglich, dass er eine erfolgreiche Karriere hinlegt, dass er die Deutschen damit neu für die Formel 1 begeistert. Ob Mick Schumacher dann aber auch ein Heimrennen bekommt, bleibt abzuwarten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mick Schumacher fährt im Auto seines Vaters auf dem Hockenheimring

(rent/sid)
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