Großer Preis von Belgien: Mercedes setzt auf Lewis Hamilton und das Momentum

Großer Preis von Belgien : Mercedes setzt auf Hamilton und das Momentum

Lewis Hamilton und Mercedes haben zwar nicht den stärksten Motor, aber das Momentum ist auf ihrer Seite. Gewinnt der Weltmeister auch in Spa, könnte das im Kampf um den Titel schon ein deutlicher Fingerzeig sein.

Sein Urlaub war ereignisreich, Lewis Hamilton hat so ziemlich nichts ausgelassen. Er war als Umweltschützer unterwegs, hat zusammen mit drei überdimensionalen Stofftieren im brandneuen Mercedes AMG Coupe einen Kindergeburtstag besucht und sich einen Wochenendtrip mit einer 109 PS starken MV Agusta Brutale gegönnt. Zwischendurch hat er auch noch die Zeit für eine kleine Laudatio auf die verstorbene Soul-Diva Aretha Franklin gefunden.

Aber jetzt ist erstmal Schluss mit lustig, nach der Sommerpause der Formel 1 ist Hamilton wieder in seiner Rolle als Mercedes-Topstar, Weltmeister und WM-Spitzenreiter gefragt. Zum Auftakt der "Rückrunde" am Wochenende auf der Ardennen-Achterbahn in Spa-Francorchamps ist Mercedes allerdings zumindest auf dem Papier nur die zweite Kraft hinter dem bärenstarken Ferrari-Motor.

Toto Wolff weiß das, aber der Mercedes-Motorsportchef kennt natürlich auch die Gesetzmäßigkeiten der Branche. "Wenn uns der bisherige Saisonverlauf eines gelehrt hat, dann ist es die Tatsache, dass es keinen klaren Favoriten für bestimmte Strecken mehr gibt und dass nicht immer das schnellste Auto gewinnt", sagte Wolff.

In den beiden letzten Rennen vor der Sommerpause war das jedenfalls so, in Hockenheim und Ungarn gewann Hamilton, obwohl eigentlich alles für Vettel gesprochen hatte. Das Wetter und der Gegner spielten Mercedes in die Karten: In Hockenheim warf Ferrari-Star Sebastian Vettel im Nieselregen einen sicher geglaubten Sieg weg, in Ungarn bedankte sich Hamilton für eine misslungene Ferrari-Strategie.

Es führte unter dem Strich dazu, dass der Weltmeister mit einem Vorsprung von 24 Punkten auf Verfolger Vettel in die zweite Saisonhälfte startet. Dennoch bleibt der exzentrische Brite zumindest nach außen hin demütig. "Perfekt? Ich bin alles andere als perfekt", versicherte Hamilton im Gespräch mit dem Daily Express. Muhammad Ali oder Roger Federer seien "viel näher an Perfektion als ich, aber wenn ich das Wort Perfektion höre, denke ich viel eher an einen Musiker, der bei jedem Konzert jeden Ton trifft."

Damit Hamilton und sein Teamkollege Valtteri Bottas in Spa die Ideallinie treffen, hat Mercedes in der Sommerpause hart gearbeitet. "Aus Sicht des Teams ist der Kurs relativ knifflig, da es dort nicht einfach ist, das richtige Set-up zu finden", sagte Wolff. Der Gegner werde "alles geben und uns einen sehr harten Kampf liefern. Deshalb müssen wir von Rennen zu Rennen blicken, die Ärmel hochkrempeln und hart arbeiten, um unsere Schwächen auszubügeln und unsere Stärken noch besser auszuprägen."

Die Statistik der letzten Saison spricht für Mercedes, nach der Sommerpause 2017 hatte Lewis Hamilton seine stärkste Phase. Er gewann nacheinander in Belgien, Italien und Singapur, belegte Platz zwei in Malaysia und gewann erneut in Japan und den USA. Am Ende holte er die WM mit komfortablen 46 Punkten Vorsprung auf Vettel, und sollte Hamilton am Wochenende sein insgesamt vierter Belgien-Sieg nach 2010, 2015 und 2017 gelingen, wäre das bereits wieder ein beachtliches Polster.

Wolff erwartet allerdings bis zum Saisonfinale im November in Abu Dhabi ein enges Duell um den Titel. "Das Jahr 2018 scheint sich zu einer Saison zu entwickeln, an die wir uns noch viele Jahre lang erinnern werden", sagte der Österreicher: "Und wir können es kaum erwarten, dass es endlich weitergeht."

(ako/sid)
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