Fornel 1 2018: Fernando Alonso und McLaren erneut im Krisenmodus

Fornel 1: Alonso und McLaren erneut im Krisenmodus

Für Fernando Alonso und McLaren geht es auch mit dem neuen Motorpartner Renault nicht vorwärts. Der Ex-Weltmeister und das Traditionsteam sind die Sorgenkinder der Testfahrten.

Radverlust, lockerer Auspuff, defekte Batterie, Hydraulikleck, Motorschaden nach Ölleck: Was nach einem launigen Auszug aus "Pleiten, Pech und Pannen" klingt, ist die Bilanz des früheren Formel-1-Weltmeisterteams McLaren - nach gerade einmal sechs Tagen Testfahrten. Star-Pilot Fernando Alonso flüchtete sich deswegen am Mittwochabend in Barcelona mal wieder in Sarkasmus: "Wenn morgen Saisonstart wäre, wären wir bereit."

Allerdings ist der Spott des zweimaligen Weltmeisters nicht mehr so beißend wie im Vorjahr. Damals warf der Spanier seine gesamte öffentliche Geltung in die Waagschale, um den ungeliebten Motorenpartner Honda nach zahllosen Defekten bei jeder Gelegenheit zu demontieren.

Alonsos Boxenfunk war ein Spektakel, bei den sogenannten "Meet the Team"-Presserunden nach jedem Qualifying verspottete er die Arbeit von Honda-Projektleiter Yusuke Hasegawa und seinen Mitarbeiten solange, bis im vergangenen September kam, was kommen musste: Die Partnerschaft zwischen McLaren und Honda, die Ende der Ära Senna/Prost noch für Siege en masse gestanden hatte, zerbrach.

Alonso weiß, dass er mit dem neuen Partner Renault nicht das selbe Spiel spielen kann. Deswegen wiegelte der 36-Jährige am Mittwoch noch ab: "Natürlich hatten wir geplant, mehr Runden zu schaffen. Aber Defekte treten bei Testfahrten einfach auf. Das war immer so. Nur wird viel mehr darüber berichtet, weil viel mehr Journalisten da sind. Jede rote Flagge löst gleich Hysterie aus."

Überhaupt suchte und fand Alonso etwas Positives in den Problemen. Man habe trotz der wenigen Runden "etwas entdeckt", erklärte der Champion von 2005 und 2006 und fügte beschwichtigend an: "Besser, die Pannen treten hier auf als in der zehnten Runde in Melbourne."

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Es sind versöhnliche Worte des ehrgeizigen Spaniers, der im Juni erstmals beim Langstreckenklassiker 24 Stunden von Le Mans startet und dessen Fokus damit nicht nur auf der Formel 1 liegt.

Am Mittag hatte er noch mit einer gehörigen Portion Zynismus auf das Ölleck reagiert, das ihn rund sechseinhalb Stunden zum Zusehen verdammte: "Heute eine frühe Mittagspause", twitterte Alonso. Dahinter setzte er vier Daumen-hoch-Emojis. Zumindest auf einer schnellen Runde scheint McLaren mit dem Renault-Motor Boden gutgemacht zu haben. Das allein nützt allerdings wenig, wenn der Bolide das Ziel nicht erreicht.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass McLaren abermals die wenigsten Testrunden aller Teams absolviert hat. Auch eine positive Entwicklung ist kaum zu erkennen: Stoffel Vandoorne drehte am Dienstag 38 Runden, Alonso einen Tag später 57. Zusammengerechnet sind das 95 Runden beziehungsweise 442 Kilometer. Das sind nicht einmal eineinhalb Renndistanzen in 17 Stunden Netto-Fahrzeit.

McLaren-Renndirektor Eric Boullier musste deswegen einräumen, dass das Team mittlerweile deutlich hinter seinem Zeitplan zurückliegt. Spott gab es obendrein noch von der Konkurrenz von Toro Rosso. Der Tochterrennstall von Red Bull wird seit diesem Jahr von Honda motorisiert und ist mit dem japanischen Aggregat durchaus gut unterwegs. "All systems Woking fine", twitterte der Rennstall am Mittwoch. Was wie ein Rechtschreibfehler wirken mag, ist nichts anderes als ein Seitenhieb auf den Sitz von McLaren in Woking.

(sid)