Formel 1: Sebastian Vettel setzt Lewis Hamilton unter Druck

Sieg in Spa : Vettel setzt Mercedes unter Druck

Sebastian Vettels Sieg in Spa war mehr als nur ein Schritt auf dem Weg zum erhofften WM-Titel. Der Ferrari ist nach der Sommerpause das mit Abstand stärkste Auto, bei Mercedes schwächelt dagegen nicht nur der Motor.

Am Tag danach waren die italienischen Gazetten völlig außer Rand und Band. "Ferrari: Fast and Furios", titelte die Gazzetta dello Sport und beschwor die "rote Wende in der WM". Dass Sebastian Vettels Sieg in Spa tatsächlich mehr war als nur einer von vielen Schritten auf dem Weg zum erhofften Titel, fasste der geschlagene Weltmeister Lewis Hamilton erstaunlich offen in Worte. "Ferrari hat einen besseren Job gemacht als wir", sagte der Mercedes-Frontmann: "Ohne den Regen hätte Seb auch in Hockenheim und Budapest schon gewonne

Sebastian Vettel kümmerten die Probleme des Gegners nicht, er zog nach etlichen Rückschlägen in den vergangenen Wochen eine kleine Roadshow ab. Inbrünstig sang er bei der Siegerehrung die italienische Hymne mit, beantwortete Fragen in fließendem Italienisch und sprach von einem "totalen Einklang mit meinem Auto. Das ist der beste Ferrari, den ich je gefahren bin." Die heimische Presse bestätigte das nur zu gerne: "Ferrari hat eine Rakete gebaut", schrieb La Stampa.

Gut möglich, dass ein bärenstarker Sebastian Vettel in Spa tatsächlich die Wende im Titelkampf eingeläutet hat. "Unsere Fahrer haben gute Leistungen gezeigt, aber keiner von ihnen hatte ein Auto, um mehr zu erreichen", sagte Mercedes-Technikchef James Allison, und Teamchef Toto Wolff gab zu, dass "es nicht allein der Motor ist, der uns Probleme bereitet". Der Londoner Telegraph brachte das Dilemma auf den Punkt: "Sebastian Vettel und Ferrari haben Mercedes in Spa nicht einfach geschlagen - sie haben Hamilton und Co. eine ordentliche Tracht Prügel verpasst."

Nur kurz genoss Polesetter Hamilton nach dem Start in Spa den Ausblick an der Spitze, dann schob sich Vettel fast mühelos vorbei. Beim Restart nach der Safety-Car-Phase schien es, als könne Hamilton die alte Reihenfolge wieder herstellen, doch Vettel wehrte die Attacke eiskalt ab. "Das war der schlechteste Restart meiner Karriere", gab er zu: "Als ich das gemerkt habe, bin ich voll aufs Gas, die Räder sind ein bisschen durchgedreht, aber ich bin vorne geblieben."

17 Punkte trennen Vettel in der WM-Wertung von Spitzenreiter Hamilton, 17 Punkte, die er schon beim Ferrari-Heimspiel am Sonntag in Monza (15.10 Uhr/RTL) wettmachen kann. "Wer Vettel sieht, muss an Schumacher denken", schrieb der Corriere dello Sport. Wie einst sein berühmter Landsmann schafft es Vettel ganz allmählich, deutsche Gründlichkeit und Perfektion in die chaotische Ferrari-DNA zu implizieren. Selten lässt er sich von seinen Emotionen so treiben wie in Spa, als er seine Mechaniker beim missglückten Reifenwechsel im Qualifying in bestem Italienisch beschimpfte: "Basta! Fuck, Che cazzo fai!" - was soviel heißt wie: "Was macht ihr da für einen Scheiß!"

Den Druck auf Mercedes haben Vettel und Ferrari jedenfalls gewaltig erhöht, das Weltmeisterteam muss jetzt liefern. "Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und hart zu arbeiten", sagte Toto Wolff, und es klang ein bisschen wie das Pfeifen im dunklen Wald. "Wir hatten in Hockenheim und Budapest die besseren Resultate, aber nicht das bessere Auto", ergänzte Hamilton. Ein "paar Tricks" habe Ferrari im Auto, behauptete der Weltmeister, ruderte aber sofort zurück: "Tricks sind etwas Besonderes. Alle haben das."

Dass er durchaus in der Lage ist, schnellere Gegner zu beherrschen, belegte Hamilton mit einer Geschichte aus seiner Kindheit: "Die anderen hatten immer die besseren Gokarts, trotzdem habe ich meistens gewonnen." Vermutlich hat Sebastian Vettel damals nicht zu seinen Kontrahenten gehört.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vettel siegt in Spa

(sid/sef)
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