Formel 1: Sebastian Vettel muss Ferrari neu aufstellen

Nach verlorenem WM-Kampf: Geschlagener Vettel muss Ferrari neu aufstellen

Sebastian Vettel hat die WM endgültig verloren. Um 2019 gegen Lewis Hamilton eine Chance zu haben, steht der Heppenheimer vor seiner wohl größten Aufgabe - er muss Ferrari neu aufstellen.

Sebastian Vettel schaute einfach nur traurig. Der Blick war leer, seine Mundwinkel hingen herunter. Vettel saß da wie ein Geschlagener. Am Boden zerstört. "Es ist ein schrecklicher Moment", sagte der Hesse nach dem endgültig verlorenen Kampf um die Formel-1-WM gegen Lewis Hamilton.

Natürlich hatte sich die Niederlage angedeutet, aber es sei eben doch etwas anderes, wenn man "realisiert", dass es wirklich vorbei ist und sich "die ganze Arbeit" nicht ausgezahlt hat. Vettel, ein Häufchen Elend nach seinem zweiten Platz von Mexiko, presste viele Sätze eher heraus, als dass er sie sprach. Doch aufrichtig sagte der Heppenheimer auch: "Lewis war der bessere Mann in diesem Jahr." Rang vier reichte dem Briten zur erfolgreichen Titelverteidigung.

Er und das gesamte Ferrari-Team hätten immer an ihre Chance geglaubt, sagte Vettel: "Und jetzt ist es vorbei." Hamilton, nun fünfmaliger Weltmeister, habe seine und die Fehler der Scuderia eben "gnadenlos" ausgenutzt. Der 31-Jährige gratulierte seinem Rivalen höflich und besuchte trotz all der Enttäuschung zudem die Mercedes-Box, um den Machern die Ehre zu erweisen.

Vettel bemühte sich aufrichtig, tapfer nach vorne zu schauen, und versprach den Tifosi, im nächsten Jahr einen neuen Anlauf auf den Formel-1-Thron zu nehmen. "Wir arbeiten weiter unter Hochdruck", sagte der Deutsche, der nur zu gut weiß: "Wir müssen noch viel lernen, um nächstes Jahr den Schritt zu machen." Viel zu lange, seit Kimi Räikkönen 2007, wartet der stolzeste aller Rennställe ja nun schon auf einen Fahrertitel.

Der Druck auf Vettel wird jetzt enorm zunehmen, schließlich schien Hamilton schon in diesem Jahr über weite Strecken schlagbar. Aber durch eigene Patzer beraubten sich Vettel und die Scuderia selber der Chance, ihre Sehnsucht zu stillen. Der Heppenheimer geht 2019 in seine fünfte Saison mit Ferrari, sein großes Vorbild Michael Schumacher holte in seiner fünften Saison den ersten von fünf Titeln in Rot. Doch wenn sich die Geschichte der deutsch-italienischen Traumehe noch einmal wiederholen soll, sind laut Experten vor allem umfangreiche Reformen bei Ferrari nötig.

Ferrari sollte "sich darauf fokussieren, einen Weg zu finden, das Talent von Sebastian voll auszuschöpfen", sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn, der einst bei Benetton und Ferrari als "Superhirn" hinter den sieben WM-Titeln von Schumacher berühmt wurde. Schumacher hatte Ferrari in all den Jahren voll auf sich eingeschworen, dies ist Vettel noch nicht gelungen. In der nächsten Saison wird ihm zudem Supertalent Charles Leclerc an die Seite gesetzt.

Bei Ferrari wurde und wird stets auch Politik gemacht. Italienische Medien machten zuletzt einen Machtkampf zwischen Teamboss Maurizio Arrivabene und Technikchef Mattia Binotto verantwortlich dafür, dass der SF-71H über Wochen so einbrach. "Sebastian hatte nicht den nötigen Rückhalt und die Unterstützung seines Teams", sagte der ehemalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone der Bild-Zeitung: "Er hatte darunter zu leiden. Ich glaube, er war allein."

Vettel steht nun vor der riesigen Aufgabe, Ferrari für sich neu aufzustellen, um gegen Hamilton 2019 zu bestehen. "Es müssen ein paar Dinge geregelt werden", sagte er. Sonst droht wieder Frust pur.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vettel gratuliert Hamilton zum WM-Titel

(sid/ako)
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