Formel 1: Renault-Pilot Nico Hülkenberg im Interview

Formel-1-Pilot Hülkenberg im Interview: "Ich will mir ein Topteam bauen"

Im dritten Jahr bei Renault will Nico Hülkenberg den nächsten Schritt in Richtung Spitze unternehmen. Im Interview spricht er über die Entwicklung bei den Franzosen und den Traum von großen Erfolgen in der Zukunft.

Herr Hülkenberg, mit Ihrer Hilfe will Renault beinahe aus dem Nichts ein künftiges Weltmeisterteam aufbauen. Wie bewerten Sie das Projekt vor ihrer dritten Saison mit dem Team?

Nico Hülkenberg (31) "Ganz am Anfang war das ein großes Überraschungs-Ei, aber wir habe schon ordentliche Fortschritte gemacht. Das Ganze ist eben ein Prozess. Und unsere Mission ist es, Renault wieder nach vorne zu bringen. Das dauert seine Zeit und funktioniert nicht im Vorbeigehen. Dafür ist die Formel 1 zu kompliziert, und die großen Teams machen einen extrem guten Job. Aber es muss für uns einfach weiter nach oben gehen. Wir sind ein Werksteam mit hohem Budget, und entsprechend groß sind auch die Erwartungen."

Die Lücke zu den Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull sollte in der vergangenen Saison deutlich verkleinert werden, stattdessen wuchs sie sogar ein wenig. Warum ist die Aufholjagd so schwierig?

Hülkenberg „Für Außenstehende ist das schwer nachzuvollziehen: Warum dauert das so lange? Wieso funktioniert das nicht? Da steckt ein Riesenkonzern dahinter, die haben doch alles. Aber wenn es einfach wäre, dann könnte es jeder machen. Es ist verdammt kompliziert, mehr als 1000 Leute arbeiten hier an einem Riesenpuzzle. Erfolg und Misserfolg hängt an Tausenden Details. Da müssen die Ressourcen abgestimmt, die Fabrik auf den neuesten Stand gebracht und das richtige Personal eingestellt werden. Wenn man heute durch die Fabrik läuft, sieht es schon ganz anders aus. Alles ist größer, moderner, wir haben 300 Angestellte mehr als damals. Es wurde viel investiert, aber jetzt wollen wir so langsam auch die Früchte ernten.“

Teamchef Cyril Abiteboul hat verraten, dass diese Phase des Aufbaus gemäß der internen Planung mit der Saison 2018 endete. Sehen Sie das Team entsprechend aufgestellt?

Hülkenberg "Ja, das Fundament ist geschaffen, und das ist gut und stabil. Ferrari und Mercedes haben natürlich noch andere Strukturen, die sind schon länger dabei, da ist alles gewachsener, noch ein bisschen größer. Wir müssen deshalb versuchen, effizienter zu arbeiten. Nur so geht es Schritt für Schritt näher heran."

Und bringt das Team Sie dann schon 2019 in die Position, endlich ihren ersten Podestplatz nach mehr als 150 Rennen zu feiern?

Hülkenberg "Natürlich will ich diesen Bann brechen, lieber früher als später. Aber wir können auch in dieser Saison nicht mit vollem Selbstbewusstsein sagen, dass wir aufs Podest fahren. Rennfahrer sind sehr vom Arbeitsgerät abhängig, und da müssen wir noch ein paar Hausaufgaben machen."

Diese Erfolglosserie will allerdings gar nicht zu Ihrem Ruf in der Formel 1 passen, der ist ziemlich gut.

Hülkenberg „Naja, ich bin eben trotz dieser Podiumsgeschichte immer noch da, das sagt ja auch etwas aus. Ich habe einfach gut gearbeitet und konstant Leistung gebracht. Wenn das nicht klappt, ist man in der Formel 1 schneller weg, als man gucken kann. Ich hoffe, dass ich dann irgendwann auch ein Auto habe, mit dem ich um Rennsiege kämpfen und permanent an der Spitze fahren kann."

Sie standen schon einmal vor dem Sprung zu Ferrari, am Ende landeten Sie aber nicht bei einem der Topteams. Ist Ihre Lösung jetzt: Dann erschaffe ich mir halt eines?

Hülkenberg (grinst) "Genau, ich versuche, mir selbst eines zu bauen. Ich habe mich jetzt in die Position gebracht, für ein Werksteam zu fahren, das es ernst meint und in der Vergangenheit schon Titel gewonnen hat. Es gibt im Sport zwar keine Garantien, aber ich glaube an uns. Ich hoffe, dass wir in ein, zwei Jahren so weit sind."

Zwei Jahre lang waren Sie die klare Nummer eins bei Renault, nun wurde Daniel Ricciardo von Red Bull ins Team geholt. Wie sehen Sie diese Personalie?

Hülkenberg "Das unterstreicht nur nochmal, wie ernst Renault es meint, dass das alles kein Marketing-Gag ist. Sie geben Gas und scheuen hohe Kosten nicht, das gibt dem ganzen Projekt noch mehr Ernsthaftigkeit. Das Team gibt sich damit ja auch selbst den Druck, einem Spitzenpiloten ein Top-Auto zu bauen. Mir kann das nur recht sein."

Haben Sie im direkten Teamvergleich mit Ricciardo nicht auch einiges zu verlieren?

Hülkenberg "Es wird interessant sein, mich mit ihm zu messen, ein solches internes Duell hatte ich bisher noch nicht. Und in gewisser Weise wird es auch über meine Zukunft entscheiden. Daniel ist einfach eine sehr gute Referenz. Und den Teamkollegen will man schlagen, das ist immer eines der ersten Ziele."

(sid)
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