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Formel 1 - Mercedes: Valtteri Bottas sagt Lewis Hamilton den Kampf an

Revolution bei Mercedes : Hamilton verliert seinen Wingman

Bei der Titelverteidigung in der Formel 1 muss Lewis Hamilton nicht nur Ferrari oder Red Bull fürchten. Teamkollege Valtteri Bottas hat genug von der Rolle des Gehilfen. Australien war ein Vorgeschmack für den neuen Zweikampf bei Mercedes.

Irgendwo in den dichten Wäldern Finnlands trug Valtteri Bottas den Wingman zu Grabe. Bei Spaziergängen mit Dalmatiner Fanni ließ er im verschneiten Norden die Gedanken kreisen - die Bilder der missratenen Saison 2018 im Kopf tragend, die Zukunft in der Formel 1 abwägend. Dann fällte der Mercedes-Pilot einen Entschluss.

Nein, Wingman, der bloße Erfüllungsgehilfe bei der Titeljagd von Serienweltmeister Lewis Hamilton, will Bottas nicht mehr sein. "Ich habe nur eine Karriere im Leben", sagte er: "Wenn ich immer unterstütze anstatt selbst zu attackieren, erreiche ich meine Ziele nie."

Bottas will Rennen gewinnen, möglichst viele sogar - und am Ende um den WM-Titel mitfahren. Mit dem Sieg beim Großen Preis von Australien zum Auftakt der Saison 2019 machte Bottas den Anfang. Schon beim kommenden Rennen in Bahrain am Sonntag (17.10 Uhr/RTL und Sky) soll der nächste und fünfte Triumph der Karriere folgen.

Bottas hat sich im Winter neu erfunden. Ein netter Kerl ist er noch immer, nur eben nicht mehr auf der Strecke. Die Leistung in Down Under, als er Teamkollege und Pole-Setter Hamilton am Start kassierte, diente als Beleg dafür. Wem das nicht reichte, durfte sich von Bottas' neuer Härte von seinem herben Funkspruch im Ziel überzeugen lassen.

Bottas beteuert, immer ein Teamplayer gewesen zu sein: "Aber ich habe realisiert, dass in diesem Sport alles seine Grenzen hat. Du musst auch an dich selbst denken."

Bei Mercedes sorgt Bottas' Metamorphose für eine komplexe Situation. Seit zwei Jahren besetzen Bottas und Hamilton die Cockpits des Weltmeisterteams. 2017 und 2018 gewann der Werksrennstall die Konstrukteurs-WM, Hamilton sammelte seine Fahrertitel vier und fünf.

Das alles gelang ohne die großen internen Störfeuer, die noch zwischen Hamilton und Ex-Pilot Nico Rosberg herrschten. Vom "Krieg der Sterne" war die Rede, als der Brite und der Deutsche von 2014 bis 2016 die WM-Krone unter sich ausmachten.

Bottas hingegen, von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff 2017 als Rosbergs Nachfolger installiert, fügte sich - die Hierarchien waren klar verteilt. In der ersten Saisonhälfte 2018 hatte Bottas mitunter auch Pech wie beim Reifenplatzer in Baku, in der zweiten Hälfte wurde er dann aber zum Unterstützer Hamiltons degradiert - einschließlich einer demütigenden Stallorder in Russland.

"Wingman." Die Äußerung, die Wolff im Verlauf der Vorsaison anerkennend über Bottas traf, wurde für den Finnen zum Stigma. Er ist dabei, sich davon zu befreien.

(sid/old)