Formel 1: Lewis Hamilton gewinnt in Frankreich, Sebastian Vettel nur Fünfter

Ohne Chance bei Hamilton-Gala : Vettel nur Fünfter in Frankreich

Lewis Hamilton eilt in der Formel 1 weiter von Sieg zu Sieg. Auch in Frankreich gewinnt der Mercedes-Pilot überlegen. Für Ferrari-Star Sebastian Vettel wird der Kampf um den WM-Titel immer aussichtsloser.

Der Bonuspunkt für seine finale Gewaltrunde war für Sebastian Vettel nur ein sehr schwacher Trost. Der frisch verheiratete Ferrari-Pilot verpasste am Sonntag bei der imposanten Frankreich-Show von Lewis Hamilton als Fünfter die Champagner-Party auf dem Podium und fällt in der Formel-1-WM immer weiter zurück.

„Wir wollten hier eigentlich näher dran sein an Mercedes. Das haben wir nicht geschafft“, sagte Vettel: „Das Ergebnis ist in Ordnung, aber natürlich nicht unser Anspruch. Wäre ich weiter vorne losgefahren, wäre ich dort auch angekommen.“

Titelverteidiger Hamilton holte sich in Le Castellet mit einer brillanten Fahrt seinen sechsten Sieg im achten Saisonrennen. Zudem fuhr er im 237. Rennen zum 200. Mal in die Punkte. „Es war ein wundervoller Tag hier in Südfrankreich, aber ich habe trotzdem ordentlich geschwitzt“, sagte der 34-Jährige. Valtteri Bottas stellte als Zweiter den sechsten Doppelerfolg für Mercedes in diesem Jahr sicher, wirkt im WM-Rennen mit Hamilton aber inzwischen auch chancenlos.

Durch seinen furiosen Start-Ziel-Sieg hat der britische Champion nun 187 Punkte auf dem Konto, 36 mehr als Bottas. „Er war heute sehr stark, sehr beständig. Aber er ist nicht unschlagbar, das weiß ich“, sagte der Finne. Vettel schnappte sich am Schluss zwar den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde, liegt als WM-Dritter aber schon 76 Zähler zurück. Vor dem Hessen kamen auf dem Circuit Paul Ricard sein Teamkollege Charles Leclerc als Dritter und Max Verstappen im Red Bull ins Ziel.

Für Vettel hatte das Wochenende bereits mit einer Enttäuschung begonnen. Die Rennkommissare erteilten dem Ferrari-Antrag eine Abfuhr, die Fünf-Sekunden-Zeitstrafe für den Deutschen beim Rennen in Kanada vor zwei Wochen erneut zu untersuchen. Damit bleibt Hamilton der Sieger von Montréal, Vettel wird in der Statistik endgültig als Zweiter geführt, obwohl er als Erster über die Ziellinie fuhr.

In Le Castellet zerschlugen sich die Hoffnungen der Scuderia auf eine weitere Attacke gegen die übermächtigen Mercedes schon früh. Der souveräne Polesetter Hamilton erwischte den besten Start und zog vor Bottas bereits in den ersten beiden Runden mehr als eine Sekunde davon. Vettel war nach Problemen in der Qualifikation am Samstag nur vom siebten Rang in den Grand Prix gegangen. Der Hesse tat sich hinter den beiden überraschend starken McLaren schwer. In der fünften Runde ließ er dann erst Lando Norris und zwei Umläufe später auch dessen Stallrivalen Carlos Sainz hinter sich.

Immerhin: Der Auftakt verlief nicht ganz so negativ wie im Vorjahr, als Vettel Bottas kurz nach dem Start ins Heck gerauscht war und dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe bekam. Anstatt sich mit Hamilton, der schon 2018 auf dem Kurs in der Nähe der Mittelmeerküste siegte, an der Spitze zu duellieren, musste er sich als Fünfter mühsam an den Red Bull des Niederländers Max Verstappen herankämpfen. Hamilton fuhr derweil an der Spitze einsam die schnellsten Rundenzeiten.

Zwar klagte der fünfmalige Champion per Boxenfunk zwischenzeitlich über einen Defekt an seinem Sitz, doch auch das hielt Hamilton nicht davon ab, Bottas immer weiter zu enteilen. Einmal mehr fuhr der 34-Jährige völlig unbeeindruckt in seiner eigenen Liga. Dahinter kam Leclerc im zweiten Ferrari nicht näher an die dominanten Mercedes heran, hielt aber zumindest Verstappen weiter auf Abstand.

Und Vettel? Auch nach dem recht späten Boxenstopp von Medium-Reifen auf die härtere Mischung in der 26. von 53 Runden kam er nicht an Verstappen vorbei - und verlor sogar weiter Zeit auf den 21-Jährigen. Hamilton kümmerten die Positionskämpfe dahinter wenig, auch mit neuen Reifen ließ er den Verfolgern keinerlei Chance. Nach etwas mehr als der Hälfte des Rennens konnte sich Vettels Dauerrivale Sekunde um Sekunde absetzen. Anschließend musste er nur noch verwalten.

In einem spannungsarmen Rennen bei sommerlichen Temperaturen von 27 Grad war das Podium für Vettel außer Reichweite. Zehn Runden vor Schluss funkte ihm sein Team ins Cockpit, dass er zumindest noch „Plan F“ umsetzen solle. Er sollte sich noch die schnellste Rennrunde (Fastest Lap) sichern. Dafür kam er einen Umlauf vor Schluss für einen zusätzlichen Reifenwechsel an die Box und wurde für diesen Mut belohnt.

Die nächste Chance, sich im bislang sehr einseitigen Titelkampf mit den Silberpfeilen zurückzumelden, bietet sich Vettels Scuderia bereits in der kommenden Woche. Am nächsten Sonntag geht es in Österreich wieder um einen Grand-Prix-Sieg.

(pabie/sid)
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