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Formel 1: Grand Prix in Sommerpause - ausgebremst statt Vollgas

Formel 1 im Garagenmodus : Grand Prix in Sommerpause „reinquetschen“

Stillstand auch in der Formel 1. Die Coronavirus-Krise hat den einst üppigsten Rennkalender der Geschichte eingedampft. Die Bosse wollen nun an die Sommerpause ran. Verkürzte Events könnten da stattfinden.

Nach dem Coronavirus-Chaos in Australien will die Formel 1 ihre Sommerferien streichen und so ein Stück Normalität im Grand-Prix-Kalender herstellen. Nach den jüngsten Änderungen im Ablaufplan soll der Wegfall der Verschnaufpause im August dringend benötigten Raum für Nachholrennen bescheren. „Wir verschaffen uns mehrere Wochenenden, an denen wir ein Rennen haben können“, sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn dem TV-Sender Sky im Interview. Dadurch könne man trotz der Coronavirus-Krise einen „anständigen Kalender“ für den Rest des Jahres aufbauen. „Er wird anders aussehen, aber er wird eine ordentliche Anzahl an Rennen erhalten.“

Brawn rechnet derzeit mit mindestens 17 Grand Prix. Ursprünglich waren für dieses Jahr 22 Rennen vorgesehen. „Ich glaube, wir können sie reinquetschen. Aber es hängt davon ab, wann die Saison beginnen wird“, sagte der 65-Jährige. In diesem Zusammenhang überlegt die Formel 1 auch Grand-Prix-Events von drei auf zwei Tage zu verkürzen und sie an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden im August auszutragen. „Das könnte eine Option sein“, meinte Brawn.

Der Wirrwarr in Melbourne hat erstmal dafür gesorgt, dass diese Saison mit immenser Verspätung Ende Mai beginnen soll. Letztmals vor mehr als 50 Jahren ließ die Formel 1 so spät die Motoren das erste Mal aufheulen: Am 22. Mai 1966 war das in Monaco.

54 Jahre später steuert die von der Coronavirus-Krise ausgebremste Königsklasse des Motorsports erneut auf ein so spätes Datum hin. „Ich glaube nicht, das jemand so eine Situation schon einmal erlebt hat“, meinte Brawn zu der Konfusion, mit der sich wie viele andere Sportarten auch die über den ganzen Globus tourende PS-Protzklasse auseinandersetzen muss. Australien? Abgesagt. Bahrain? Verschoben. Vietnam? Verschoben. China? Verschoben. Gerade mal 18 Events umfasst die Welttournee derzeit noch. Weniger Rennen wurden zuletzt nur 2009 gefahren, als 17 Etappen eingeplant waren.

Wenn tatsächlich erst Ende Mai begonnen werden soll, wackeln auch die Rennen in den Niederlanden am 3. Mai und Spanien am 10. Mai. Kein Wunder, werden doch Sperrzonen in Europa eingerichtet und Massenveranstaltungen zur Vorbeugung verboten. Die Organisatoren in Zandvoort schrieben schon mal, dass sie mit Motorsport-Weltverband FIA und Formel-1-Führung im Austausch über „mögliche Konsequenzen“ für ihren Grand Prix stünden. Im Fall einer Verlegung würden die Tickets ihre Gültigkeit behalten, versuchen die Niederländer die Fans schon mal zu beruhigen.

„Es ist ziemlich schwierig, die Situation wirklich vorherzusagen“, meinte Formel-1-Boss Chase Carey über die vielen Neuigkeiten aus Politik und Medizin, die maßgeblich seien, wenn man über die Absage eines Grand Prix entscheiden muss. In Melbourne gaben Formel 1, FIA und lokaler Organisator das Aus gemeinsam bekannt.

Der Grand Prix von Monaco ist für den 24. Mai angesetzt. Es könnte aber sogar sein, dass erst der Große Preis von Aserbaidschan am 7. Juni in Baku den Startschuss markiert. Angesichts dieser langen Auszeit werden die Teams ihre Sommerpause vorverlegen, die eigentlich zwischen Ungarn am 2. August und Belgien am 30. August vorgesehen war. In diese Phase könnten die verschobenen Grand Prix fallen.

Nach der Rückkehr aus Australien haben sich Ferrari und die anderen Teams bis Ende des Monats erstmal selbst in Quarantäne begeben. Die Scuderia schließt wegen des Coronavirus-Ausbruchs für zwei Wochen ihre beiden Werke in Maranello und Modena. Die Entscheidung wurde „aus Respekt“ und für den „Seelenfrieden“ der Arbeiter und Zulieferer von Ferrari getroffen, sagte Vorstandsboss Louis Camilleri.

Wie in auch in anderen Sportarten herrscht auch in der Formel 1 viel Ungewissheit. „Niemand kennt die Ausmaße dessen, mit dem wir uns gerade beschäftigen“, bemerkte Weltmeister Lewis Hamilton nach dem Aus auf dem Albert Park Circuit. „Wir sollten aber alle Vorsichtsmaßnahmen treffen, um so viele Menschen wie möglich so sicher wie möglich zu haben.“

(eh/dpa)