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Formel 1: Ferrari will in der Wüste die Fehler abstellen

Trotz schwachen Auftakts : Bei Ferrari ist die Zuversicht zurück

Der Formel-1-Auftakt in Melbourne war für Sebastian Vettel und Ferrari eine riesige Enttäuschung. Beim Grandprix in Bahrain will der Rennstall nun das ganze Potenzial des SF90 auf die Strecke bringen.

Sebastian Vettel nahm sich Zeit. Geduldig signierte der viermalige Formel-1-Weltmeister am Ferrari-Werk in Maranello von Fans eingeschickte rote Kappen und Wimpel, Miniatur-Modelle seines Helms sowie des Rennwagens. Kleine Gesten für große Tifosi - und ein wenig Trost für die vielen Enttäuschten, die sich im fernen Europa für den ernüchternden Saisonauftakt in Australien aus dem Bett geschält hatten.

Der als Wunderauto gefeierte neue Rote, der SF90, Spitzname "Lina", hatte in Melbourne versagt. Statt oben auf dem Podium landeten Vettel und sein neuer Teamkollege Charles Leclerc nur auf den Plätzen vier und fünf. Waren es die Reifen? Das Chassis? Der Motor? Oder das Setup?

Niemand schien im Nachgang des ersten Rennens der Saison 2019 die genauen Gründe für das Scheitern des in den Testfahrten noch so starken Ferrari zu kennen. "Wir haben alle Werkzeuge, alle Zutaten, die Daten machen Sinn. Aber irgendetwas übersehen wir", sagte Vettel irritiert.

In Maranello nun, wo sich Vettel am vergangenen Freitag vor seiner Fan-Aktion mit seinen Ingenieuren beriet, sahen die Techniker genauer hin - und wurden angeblich fündig. Aus dem Umfeld des Traditionsrennstalls, so berichtete Ferrari-Insider Leo Turrini, war eine frohe Botschaft zu vernehmen: Die Daten seien analysiert, das Problem sei lokalisiert.

Beim Großen Preis von Bahrain in Sakhir am kommenden Sonntag (17.10 Uhr/RTL und Sky) soll der SF90 endlich sein volles Potenzial ausschöpfen. Das wird er auch müssen. Der Abstand zum Dauerrivalen Mercedes war in Australien viel zu groß. Sogar Max Verstappen im Red Bull schob sich als Dritter noch an Ferrari vorbei.

"In Bahrain müssen wir sicherstellen, dass wir unsere Schwachstellen in Australien verstanden und beseitigt haben", sagte Teamchef Mattia Binotto: "Wir gehen davon aus, dass die Verbesserungen, die wir vorgenommen haben, Wirkung zeigen."

Vettel verlor in Australien ein Rennen, die WM nach dem Beginn einer langen Saison noch lange nicht. Ex-Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali sprach von einem "schwierigen Wochenende", warnte aber zurecht vor verfrühter Panik. Man dürfe nicht vergessen, dass Melbourne oft seine eigenen Gesetze habe. "Von daher ist für mich Bahrain der verlässlichere Gradmesser", sagte er.

In Australien hatte Vettel Probleme in den langsamen und mittelschnellen Kurven ausgemacht, mit der Performance in schnellen Kurven und den Geraden war er dagegen zufrieden. Löst Ferrari tatsächlich seine Probleme, könnte sich das Kräfteverhältnis in Bahrain verschieben. Zumindest könnten sich die Abstände verringern.

Auf dem Bahrain International Circuit ist ein anderer Rennverlauf als in Australien zu erwarten: Die Strecke liefert einen anderen Grip, andere Kurvengeschwindigkeiten und nicht zuletzt längere Geraden. Probleme könnten den Autos dagegen neben der Hitze auch kleine Sand- und Staubpartikel im Getriebe, im Motor und in den Kühleinlässen oder auf den Bremsbelägen machen.

Angesichts der jahrelangen Erfahrungen bei Wüstenrennen dürfte Ferrari auf diese Probleme bereits vor dem Start Antworten haben.

(sef/sid)